Auf Alexander Van der Bellen wartet eine Herkulesaufgabe: Norbert Hofer zu überholen, gelingt nur mit viel Glück. Dabei scheitert der Ex-Grünen-Chef an seiner eigenen Engstirnigkeit.

Xavier Naidoo muss man nicht mögen. Aber der Deutsche liefert den passenden Ohrwurm zum Stichwahlduell am 22. Mai: "Dieser Weg wird kein leichter sein."

Auch Alexander Van der Bellen muss man nicht mögen. Das zeigt selbst ein Blick auf die Motive seiner Wähler. "Sympathie" ist nur für 21 Prozent ein Grund, bei ihm ihr Kreuzerl zu machen. Bei Hofer sind es immerhin 30 Prozent.

Wichtiger ist Van-der-Bellen-Wählern der Aspekt "vertritt meine Werte" als Wahlmotiv - immerhin für 25 Prozent. Doch genau diese Werte können dem grünen Professor zum Verhängnis werden.

Präsidentenwahl: Motive und Wählerströme im Überblick.

Für viele Konservative ist gerade Van der Bellens Linie in der Flüchtlingskrise indiskutabel. Der Ex-Grünen-Chef plädiert dafür, mehr Menschen aufzunehmen. Noch sei die Kapazitätsgrenze nicht erreicht. Das mag stimmen, doch redet er damit gleichzeitig die Ängste der Bürgerinnen und Bürger klein - die Hofer geschickt für sich arbeiten lässt. "Österreich zuerst" lässt sich da hervorragend vermarkten.

Bei näherer Betrachtung reichlich weltfremd wirkt Van der Bellens Aussage, eine FPÖ-geführte Regierung nicht anzugeloben. Diese Taktik mag ihm wohl die Stimmen einiger Hardcore-Strache-Gegner einbringen. Vernünftig denkenden Menschen muss sie Bauchweh oder zumindest Sodbrennen bereiten. Liebe Leute, so funktioniert Demokratie nicht!

Ist ein Bundeskanzler Heinz-Christian Strache wünschenswert? Zwar wedelt der FPÖ-Chef nicht mehr mit brennenden Kreuzen herum, dennoch lautet die Antwort für viele: sicher nicht!

Doch den Willen der Wähler potenziell ignorieren zu wollen, mag in Autokratien Usus sein, widerspricht aber jeglichem Demokratieverständnis.

Ungeachtet inhaltlicher Diskussionen: Van der Bellen muss eine veritable Aufholjagd hinlegen. Hofers Vorsprung von rund 15 Prozentpunkten wiegt schwer. Zwar braucht auch der FPÖ-Kandidat Stimmen der Konkurrenz, doch die Hälfte der Khol- und der Griss-Wähler würden wohl haarscharf reichen.

So hat Österreich auf Gemeindeebene gewählt - mit Karte.

Wahlforscher erklären den FPÖ-Kandidaten durch die Bank zum Favoriten. Hofer zeige sich demütig, dankbar und bescheiden, sagte etwa Wolfgang Bachmayer von OGM. Hofer unterstreiche damit das "freundliche Gesicht der FPÖ". Hofer selbst betont, man brauche ihn nicht zu fürchten.

Nicht zuletzt hat sich Van der Bellen gehörig verzettelt, was eine Wahlempfehlung seitens Irmgard Griss angeht: Während er darum bettelte, druckste Griss nur herum, sie müsse sich "mit dem Team besprechen" und dann werde man gemeinsam entscheiden, wen man unterstützen wolle. Das hat Richard Lugner geschickter gelöst. Und das Volk für mündig genug erklärt, selber zu entscheiden.

Van der Bellen ist jedoch auf die Griss-Stimmen angewiesen: Mit ihren Wählern käme er zwar nur auf knapp 40 Prozent, kann aber auch auf Unterstützung aus dem roten Lager zählen.

Mit dem einen oder anderen Protestwähler, der doch keinen blauen Präsidenten in der Hofburg sitzen haben will, könnte sich ein Sieg ausgehen.

Nur: Sonderlich wahrscheinlich ist das nicht, solange Van der Bellen nicht tatsächlich ein Präsident für alle sein will - und die Wähler ernst nimmt.