Ein angeschlagener Bundeskanzler Christian Kern stellte sich am Montag auf Puls 4 der TV-Konfrontation mit Heinz-Christian Strache. Wer einen wilden Schlagabtausch erwartete, wurde mit einer harmonischen Diskussion überrascht. Auch Ulrike Lunacek und Mattias Strolz waren sich großteils einig.

Die beiden TV-Konfrontationen auf Puls 4 hatten eines gemeinsam: Harmonie und wenig Angriffslust.

Im ersten Duell des Abends trafen, unter der Leitung von Corinna Milborn, Ulrike Lunacek von den Grünen und Neos-Chef Matthias Strolz aufeinander. Danach folgten Heinz Christian Strache von der FPÖ und Bundeskanzler Christian Kern von der SPÖ.

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Zu Beginn beschenkten sich Lunacek und Strolz mit einer selbstgepflückten Teemischung und einem Blumenbeet im Korb. Einig war man sich, dass Methoden, wie sie Tal Silberstein praktiziert, in der österreichischen Politik nichts verloren haben.

Beim Thema Ehe für alle waren die Spitzenkandidaten der Neos und der Grünen ebenfalls einer Meinung.

Freihandel - die "Wiege des Wohlstands"

Nur beim Freihandelsabkommen Ceta gingen die Meinungen auseinander. Für Strolz ist der freie Handel "die Wiege des Wohlstands".

Ulrike Lunacek sieht Arbeitsplätze in Österreich gefährdet, da Fleisch von Rindern und Schweinen, die in Kanada mit genmanipuliertem Soja gefüttert werden, viel billiger angeboten werden kann, als das Fleisch in Österreich gezüchteter Tiere. Sie möchte die Bio-Landwirtschaft gestärkt sehen.

Beim Thema Parteiförderung und Akademieförderung verwies die grüne Spitzenkandidatin mehrmals auf Hans Peter Haselsteiner, den Großspender der Neos.

Denn, so Lunacek, die Neos können leicht auf die Akademieförderung von 160.000 Euro verzichten, wenn der Großspender das ausgleicht.

Heinz-Christian Strache mit Samthandschuhen

Das mit Spannung erwartete Duell zwischen FPÖ-Chef Strache und Bundeskanzler Kern verlief ähnlich harmonisch. Kern schenkte Strache ein Abendessen für zwei Personen, was zur Anregung von Moderatorin Milborn führte, die beiden Herren könnten das ja auf ein Abendessen zu viert ausweiten.

Bei der nachfolgenden Diskussion fasste man sich eher gegenseitig mit Samthandschuhen an, als auf Konfrontation zu gehen. Kern nahm gleich zu Beginn, als Silberstein und die Facebook-Schmuddel-Accounts thematisiert wurden, Corinna Milborn und Heinz-Christian Strache den Wind aus den Segeln, indem er Aufklärung versprach.

Kern war bemüht so wenig Angriffsfläche wie möglich zu bieten, was Strache ebenfalls zu gemäßigtem Auftreten veranlasste.

Dass die beiden Parteien bei den Themen Mieten und Pensionen Welten trennen, wurde dennoch klar. Auch beim Thema Migration wurden die verschiedenen Standpunkte aufgezeigt.

"Ich bin der Meinung, es braucht Integration, Sie offenbar nicht", so Kern. Er wolle auf Lösungen setzen, nicht auf Angstmache.

Er sei aber dafür, die illegale Zuwanderung auf Null zu reduzieren. Strache sah die Gefahr, dass in bestimmten Grätzeln Österreicher in Zukunft die Minderheit sein werden und setzte nach: "Nicht jeder Muslime ist ein Terrorist, aber fast alle Terroristen der letzten Zeit sind Muslime".

Einig war man sich, dass man die Grenzen sichern müsse und es mehr Polizisten brauche.

Neckereien, aber kein Streit

Auf Nachfrage von Moderatorin Milborn, warum die beiden Parteichefs so harmonisch agieren, antwortete Strache "Wir führen eine kultivierte Debatte", was Christian Kern mit einem Lächeln und "Das ist eine Falle" kommentierte.

Das veranlasste Strache zur Aussage: "Es gibt auch ein Grinsen der Abgehobenheit". Nach diesen kleinen Neckereien diskutierte man mit betonter Sachlichkeit weiter.

Strache forderte mehrmals Fairness, denn man habe Verantwortung für die Menschen.

Versuchte Strache etwas rauhere Töne anzuschlagen, konterte Kern sofort mit Aussagen wie "man muss auf die Rhetorik aufpassen" und "achtsam sein".

Zum Schluss schenkte Strache dem Bundeskanzler noch das Buch "Prinzessin wider Willen", damit Kern lernt "diversen persönlichen Angriffen, auch aus der eigenen Partei, mit Humor zu begegnen".