• Im Februar werden die neuen Formel-1-Autos vorgestellt.
  • Red Bull Racing und Max Verstappen streben mit dem Modell RB18 die Verteidigung des WM-Titels bei den Fahrern an.
  • Der Bolide stammt aus der Feder von Technikchef Adrian Newey.
  • Seit drei Jahrzehnten sammeln die Wagen der Design-Legende regelmäßig WM-Titel ein.
  • Doch nie war seine Herausforderung größer als vor der Saison 2022.

Mehr Formel-1-Themen finden Sie hier

Ein weißes Blatt Papier, dazu ein neues Reglement und ein Auftrag, der lautet, das schnellste Auto der Formel 1 zu bauen. So in etwa sah die Ausgangssituation für Adrian Newey vor einiger Zeit im Hinblick auf die Saison 2022 der Formel 1 aus.

Die Motorsport-Königsklasse startet in der anstehenden Saison in eine neue Ära, mit neuen Regeln, nach denen die Autos gebaut werden mussten. Für Design-Guru Newey eigentlich ein Paradies, denn so konnte er sich von Anfang an komplett austoben, am Reißbrett einen Boliden entwerfen und entwickeln, mit dem Max Verstappen seinen Titel verteidigen soll. Doch "zunächst dominierte der Frust", gab der Brite bei "auto motor und sport" zu.

Adrian Newey, Christian Horner, Red Bull Racing, Formel 1, Box, Austin, USA, 2018, Qualifying
Angespannt verfolgen in der Formel-1-WM-Saison 2018 am Kommandostand von Red Bull Racing Technikchef Adrian Newey, vorn, und Teamchef Christian Horner anhand der eingeblendeten Rundenzeiten, wie sich in Austin das Qualifying zum Großen Preis der USA entwickelt.

Doch "wenn man sich dann mal in die Regeln hineingelesen hat, wurde es schon interessanter", fügte er hinzu. Er hätte es lieber, wenn er noch mehr Freiheiten beim Designen hätte, dafür später weniger Entwicklungsmöglichkeiten. Trotzdem: Für ihn ist es die größte Regeländerung seit 1983, "eine völlig neue Welt. Die Auswirkungen sind riesig. Jeder Aspekt am Auto mit Ausnahme der Antriebseinheit ändert sich", sagte er.

Der RB18 wird im Februar vorgestellt

Das Ergebnis heißt RB18 und wird im Februar vorgestellt, vor den Testfahrten in Barcelona (ab 23. Februar). Der genaue Termin steht noch nicht fest, dafür gab Red Bull Racing mit einem kurzen Video, in dem die Silhouette des Autos zu erkennen ist, einen ersten kleinen Vorgeschmack auf das, was kommt.

Die generelle Hoffnung: Mehr Action, mehr Überholmanöver, ein engeres Feld mit mehr Teams, die um den Sieg kämpfen können. Dabei helfen soll ein neues Aerodynamik-Konzept - Neweys Spezialbereich.

Er ist nicht nur deshalb ohne Frage die große Trumpfkarte bei Red Bull Racing. Der 63-Jährige, der Luft- und Raumfahrttechnik studierte und seine Diplomarbeit zum Thema Bodeneffekt-Aerodynamik schrieb, zeichnete in seiner Karriere bereits für zehn Fahrer- und zehn Teamtitel verantwortlich.

Angefangen 1992 mit Williams, über McLaren, bis hin zu Red Bull Racing, für die er seit 2006 arbeitet und mit denen er von 2010 bis 2013 mit Sebastian Vettel und nun 2021 die WM gewann. Seine Autos haben über 150 Rennen gewonnen.

Adrian Newey, Champagner, Podium, Sieg, Malaysia, Sepang, Red Bull, Sebastian Vettel, Formel 1, 2010
Die Saison 2010 endet für Red-Bull-Pilot Sebastian Vettel, rechts, mit dessen erstem Weltmeistertitel in der Formel 1. Nach dem Erfolg in Sepang beim Grand Prix von Malaysia duscht Vettel den Vater seines Erfolgswagens, Adrian Newey, vor Freude mit Champagner ab. Vettel und Newey feiern auch in den Jahren 2011 bis 2013 die WM-Triumphe bei den Fahrern und den Konstrukteuren.

Schwere Zeit nach Ayrton Sennas Tod 1994

Im Laufe seiner bereits über 30 Jahre andauernden Formel-1-Karriere war aber nicht alles eitel Sonnenschein. Legende Ayrton Senna verunglückte am 1. Mai 1994 in Imola in einem von Newey entwickelten Williams. Newey dachte im Zuge der Gerichtsprozesse nach dem Tod des Brasilianers auch über einen Rücktritt nach.

Was den Unfall verursachte, beschäftigt ihn noch immer. "Es war eine extrem schwere Zeit. Ich habe nie darüber nachgedacht, dass jemand in einem Auto, für das ich verantwortlich war, verletzt oder sogar getötet werden könnte", sagte er einmal der BBC. Er wurde in den Prozessen letztendlich freigesprochen.

2021 gewann nach längerer Durststrecke ein von ihm entwickeltes Auto mal wieder den Titel, und Newey ist auch nach dem Bau des Boliden für das Team enorm wichtig. Das zeigte sich, als er in der vergangenen Saison nach einem schweren Fahrradunfall in der Sommerpause lange ausfiel und erst im Oktober an die Rennstrecke zurückkehrte.

Red Bulls Galions- und Führungsfigur

"Adrian hat sofort die Schwierigkeiten erkannt, die wir in der Abstimmung hatten", sagte Red Bulls Motorsportberater Helmut Marko bei Sky: "Wir sind gut auch in der Breite aufgestellt, aber natürlich ist Newey die Galionsfigur." Auch Verstappen weiß, was er an der Koryphäe in Sachen Rennwagenbau hat: "Am Ende ist es eine Teamleistung, aber Adrian ist da eine Führungsfigur", sagte der Niederländer.

Das Lob gibt Newey gerne zurück. "Er ist der Beste. Er hat so viel Talent, so viel Elan. Er ist noch so jung, er hat noch eine steile Lernkurve vor sich", so der Brite über Verstappen, mit dem er sich in der täglichen Arbeit regelmäßig austauscht, um das Auto weiterzuentwickeln und zu verbessern. "Er ist einfach erstaunlich und das Beste an ihm ist, dass er es einem leicht macht, mit ihm zu arbeiten", sagte Newey. Es gebe keine Allüren, er verstelle sich nicht, "sondern kommt einfach rein und legt los. Ich liebe den Kerl, er ist fantastisch."

Verstappen zu seinem Fahrstil: "Anpassung ist der Schlüssel"

Verstappen selbst verlässt sich vor der "Mission Titelverteidigung" voll und ganz auf die Fähigkeiten Neweys und glaubt nicht, dass er beim neuen Auto Anpassungsschwierigkeiten haben könnte. "Jeder fragt immer: 'Wie ist dein Fahrstil?'", sagt er in einem Sponsor-Interview. "Nun, ich glaube nicht, dass ich einen habe. Man passt sich einfach der Situation an. Anpassung ist am Ende des Tages der Schlüssel." Und das schnellste Auto natürlich.

Verwendete Quellen

  • auto-motor-und-sport.de: "Größte Regeländerung seit 1983"
  • youtube.com: Max & Jos Verstappen vs David Coulthard - World Champion 2021
Jos Verstappen, Benetton-Ford, Hockenheimring, 1994, Formel 1, Flammen, Großer Preis von Deutschland
Bildergalerie starten

70 Jahre Formel 1: Diese Fahrer, Teams und Momente blieben in Erinnerung

Unzählige Fahrer, Teams und deren Chefs haben die ersten 70 Jahre der Formel 1 geprägt. Deren Rekord-Weltmeister kam lange aus Deutschland und heißt Michael Schumacher.