Schon seit der ersten Tour 1903 sorgte die "Große Schleife" für Sensationen, Skandale und allerhand Kuriositäten. Dass die Rundfahrt für manche Fahrer zu einer echten Höllentour wurde, belegen unzählige Stürze und Horrorunfälle - auch Todesopfer forderte das größte Radrennen der Welt.

1924 und 1925 konnte sich der Italiener Ottavio Bottecchia jeweils den Gesamtsieg der Tour de France sichern.

Er wurde damit zum ersten Star des italienischen Radsports. Unglücklicherweise endete seine steile Karriere auf einen Schlag, als er 1927 unter mysteriösen Umständen tot in einem Straßengraben aufgefunden wurde. Erst zwei Jahrzehnte später beichtete ein Bauer auf seinem Sterbebett, dass er Bottecchia mit einem Stein erschlagen habe, weil dieser einige seiner angebauten Trauben einstecken wollte.

Der Österreicher René Haselbacher wurde 2003 in einen schlimmen Massensturz verwickelt. Er stürzte bei einer Geschwindigkeit von 60 km/h in eine Werbetafel, da sein Fahrradlenker durchgebrochen war. Haselbacher brach sich dabei drei Rippen sowie das Nasenbein und zog sich ein Hämatom an der Niere zu. Zusätzlich erlitt er Prellungen an Knie, Ellbogen und im Beckenbereich sowie Schürfwunden am ganzen Körper. Der langjährige Gerolsteiner-Fahrer kämpfte sich aber zurück und fährt heute für das österreichische Team Vorarlberg-Corratec.

Auch der Franzose Roger Rivière gehört zu den tragischen Figuren der Tourgeschichte. Als aufstrebendes Talent stuften ihn viele Experten als zukünftigen Toursieger ein. Das Schicksal wollte es jedoch anders. 1960 stürzte er auf einem kurvenreichen Bergstück 20 Meter kopfüber in eine Schlucht und konnte erst nach langen Minuten geborgen werden.

Zwar überlebte er den Horrorunfall - seine Karriere als Radprofi war damit allerdings vorbei und er blieb für den Rest seines Lebens am Rollstuhl gefesselt. Er litt unter starken Depressionen und wurde drogenabhängig. 1976 starb das vergessene Radidol im Alter von 40 Jahren.

Das erste Doping-Opfer hatte die Tour Mitte der 60er Jahre zu beklagen. Der Brite Tom Simpson war zu der Zeit ein gefeierter Radstar und vor allem in England ein Volksheld. 1962 gelang es ihm als ersten Briten überhaupt, das Gelbe Trikot an sich zu reißen. 1967 erlitt er auf einer schweren Bergetappe vor Hitze kollabierend einen Herzstillstand. Trotz alle Bemühungen konnte er nicht mehr gerettet werden und verstarb kurz darauf. Nach seinem Tod entdeckten die Ärzte, dass er einen Cocktail aus Amphetaminen und Aufputschmitteln zu sich genommen hatte. Seine letzten Worte waren angeblich "Setzt mich wieder auf mein Rad".

Anfang der 90er-Jahre galt der usbekische Radfahrer Dschamolidin Abduschaparov als einer der besten Sprinter der Welt. 1991 knallte er 100 Meter vor dem Ziel auf der Champs-Élysées gegen eine Werbebande und blieb acht Minuten lang ohnmächtig liegen. Im Nachhinein wurde festgestellt, dass er sich bei diesem Sturz einen Schlüsselbeinbruch zugezogen hatte. Trotzdem biss "Abdu" auf die Zähne und kam wieder auf die Beine. Mit letzter Kraft schleppte sich er noch ins Ziel und verteidigte damit das grüne Trikot. 1997 beendete er seine Karriere, als er des Dopingmissbrauchs überführt wurde.

1995 ereignete sich ein fataler Massensturz, der den jüngsten Todesfall der Tourgeschichte zur Folge hatte. 20 Fahrer stürzten auf der 15. Etappe in den Bergen einen Abhang hinunter und erlitten schwere Prellungen und Knochenbrüche. Am schlimmste erwischte es den talentierten Fabio Casartelli. Der italienische Tour-Debütant schlug mit dem Kopf auf einer Straßenbegrenzung aus Beton auf und verlor das Bewusstsein. Zwar gelang es den Ärzten zunächst, ihn wieder zu beleben - wenige Stunden später erlag der damals erst 25-Jährige im Krankenhaus seiner schweren Kopfverletzung.