Dirk Nowitzki ist zu langsam, LeBron James ein Verlierer und er selbst ist im Eins-gegen-Eins besser als Basketball-Legende Michael Jordan: Als Profisportler gescheitert, wirbelt LaVar Ball nun als Vater von Liga-Neuling Lonzo Ball mit provokanten Aussagen und Sticheleien die NBA auf.

"In meiner besten Zeit hätte ich Michael Jordan im Eins-gegen-Eins gekillt. Er könnte mich im Eins-gegen-Eins nicht stoppen. Er ist nicht schnell genug." Was LaVar Ball da von sich gibt, ist für Basketballfans reine Blasphemie. Das stört den Ball jedoch nicht.

Er schießt Giftpfeile. Schon seit Monaten provoziert der 48-Jährige die nordamerikanische Basketball-Profiliga NBA. Seit Ende Juni steht fest, dass sein Sohn Lonzo ab kommender Saison in der Liga spielen wird. Balls Sticheleien werden deshalb aber noch lange nicht weniger.

In die NBA schaffte er es selbst nie. Nach seiner Basketball-Zeit auf dem College versuchte sich LaVar Ball deshalb im American Football. In deren Profi-Liga NFL war jedoch kein Platz für ihn.

LaVar Ball ist als Profisportler gescheitert.

Anders seine Söhne: Der Älteste, Lonzo, unterzeichnete Ende Juni nach einem Jahr auf dem College seinen ersten Profivertrag, nachdem ihn die Los Angeles Lakers beim NBA-Draft bereits in der ersten Runde ausgewählt hatten.

Der 19-Jährige gilt als große NBA-Hoffnung, auch seine Brüder LaMelo und LiAngelo spielen Basketball. Nachwuchsstar Lonzo gibt sich bescheiden, redet selten über sein Talent. Diesen Job übernimmt sein Vater.

LaVar Ball teilt aus

Geht es nach Papa LaVar, dominiert die Ball-Familie bald die Liga: "In zehn Jahren wird die Ball-Familie die NBA anführen", protzte der 48-Jährige kürzlich bei "USA Today".

Schon jetzt sei sein Sohn Lonzo besser als Stephen Curry, Russell Westbrook oder LeBron James - allesamt Superstars und mindestens einmal MVP, also wertvollster Spieler der Liga.

Eine Aussage, die ihm so viel Kritik einbrachte, dass er im "Time"-Magazin zurückruderte: "Ich weiß nicht, ob er sie im Eins-gegen-Eins schlagen würde, aber ich weiß, dass er sie im Fünf-gegen-Fünf schlagen kann."

Stolzer Papa oder größenwahnsinniger Träumer? Es ist nicht das erste Mal, dass LaVar Ball gezielt andere NBA-Profis provoziert. Jüngst urteilte er in einem "T-Online"-Interview über Dirk Nowitzki: "Er ist zu langsam und so stark ist er auch nicht. Er hätte große Probleme gegen mich."

Ball greift Kyrie Irving persönlich an

Verständlich, dass die verbalen Attacken so manchem NBA-Profi gar nicht gefallen.

Kyrie Irving von den Cleveland Cavaliers wandte sich im Mai in einem Podcast an Ball Senior: "Let Lonzo be Lonzo" - "Lass Lonzo Lonzo sein", was LaVar Ball so nicht auf sich sitzen lassen wollte. "Wie kannst du mir sagen, wie mein Sohn sein soll, wenn du selbst kein Kind hast?", entgegnete dieser.

Tatsächlich ist Irving seit 2015 Vater einer Tochter. Blöd, aber kein Grund für Ball zurückzurudern. Stattdessen brachte er Irvings lange verstorbene Mutter ins Spiel.

"Deine Mutter war nicht da, deshalb war das anders. Lonzo kann nach Hause kommen und seine Mutter und seinen Vater jederzeit sehen." Eine Schmerzgrenze hat LaVar Ball nicht.

Schadet LaVar damit seinen Söhnen?

Die monatelangen Sticheleien des Ball-Imperators hinterließen im Draft ihre Spuren. Nachdem die L.A. Lakers Lonzo Ball auswählten, twitterte Joel Embiid, Center der Philadelphia 76ers: "Bitte dunkt ihn so hart, dass sein Papi auf das Spielfeld rennt, um ihn zu retten."

Balls Konter ließ nicht lange auf sich warten: "Wenn du nicht gewinnst, und nicht in die Playoffs kommst, ist das Beste, was du machen kannst, twittern."

Freunde werden Ball und Embiid wohl auch nicht mehr.

Lonzo verteidigt seinen Vater

Balls Ausfälle haben ihm einen sehr zweifelhaften Ruf beschert. Nikes Basketball-Marketing-Direktor George Raveling nennt ihn sogar "das Schlimmste, das dem Basketball in den letzten hundert Jahren passiert ist."

Ball dürfte das kalt lassen. Ihm geht es um die Aufmerksamkeit, die er für sich und seine Söhne generiert.

Die müssen sich nun auf dem College und in der NBA beweisen. Inwiefern ihnen der Einfluss ihres Vaters schadet, wird sich erst im Laufe der Zeit zeigen.

Lonzo jedenfalls verteidigte seinen Vater in einem offenen Brief für das Portal "The Players Tribune": "Menschen können die Meinung über dich haben, die sie wollen. Aber sie werden nie alles wissen."

Denn eigentlich möchte LaVar Ball nur eines, wie er gegenüber "T-Online" zugibt: "Mir geht es nur darum, meine Familie zu ernähren, mich um sie zu kümmern. Ein schönes Leben zu haben."