• Biniam Girmay schreibt mit seinem Etappensieg beim Giro d' Italia Geschichte, danach wird er aber zum großen Pechvogel.
  • Doch die Geschichte des 22-Jährigen ist ein bemerkenswerter Aufstieg, der noch lange nicht am Ende ist.
  • Sein Teamchef schwärmt von seinen Qualitäten, die er in seiner Heimat Eritrea zunächst wöchentlich unter Beweis stellte.
Ein Porträt

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Manches Mal reicht schon ein kleiner Moment des Pechs im ansonsten glücksüberströmten Dasein für schwerwiegende Folgen.

Dies weiß seit Mittwochmorgen auch Radprofi Biniam Girmay. Als erster Eritreer hatte der 22-Jährige eine Etappe bei einer Grand Tour, nämlich dem Giro d' Italia, gewonnen. Doch bei der Siegerehrung hatte er großes Pech, als ihm der Korken der Champagnerflasche beim Öffnen direkt ins linke Auge schoss.

Girmay musste behandelt werden und wurde sogar ins Krankenhaus gebracht, da er über Sichtprobleme klagte. Doch in dieser Zeit ging sein Korken-Malheur bereits rund um die Welt und machte ihn schlagartig bekannt. Denn aufgrund seiner Hautfarbe und seiner eritreischen Herkunft fällt Girmay im Peloton, das von Europäern, Australiern und Amerikanern dominiert wird, auf.

Umso tragischer ist es, dass der Radprofi vom Team Intermarché die neue Bekanntheit seiner Person nicht direkt nutzen kann, denn am Mittwochvormittag wurde bekannt, dass Girmay den Giro verletzungsbedingt abbrechen muss.

Girmay ist Nationalheld in Eritrea

Es dürfte aber sicherlich nicht das letzte Ausrufezeichen des jungen Radprofis gewesen sein. Schließlich gewann er im Frühjahr bereits den Rad-Klassiker Gent-Wevelgem und zuvor als erster Afrikaner eine Silbermedaille beim Straßenrennen der U23. Spätestens seit diesen Erfolgen ist er in seiner Heimat und bei seinen Landsleuten, die das Land verlassen haben, ein echter Superstar.

So wird er bei jedem Rennen von einigen Landsleuten unterstützt, in Frankfurt waren es sogar Hunderte, die auf Girmay warteten.

Ohne Übertreibung ist Girmay die Radsport-Hoffnung eines ganzen Kontinents, der bislang nur durch Südafrikaner Erfolge feiern konnte. Dabei war er in seiner Kindheit noch ein großer Fußball-Fan, wie er im Januar in einer Medienrunde verriet. "Mein älterer Bruder fuhr aber Fahrrad und mein Vater wollte, dass ich mehr Laufen gehe", erzählte der 22-Jährige aus seiner Kindheit. Erst mit 13 Jahren sei er zum ersten Mal auf dem Rad seines Bruders gesessen. "Mein Bruder lieh mir sein Fahrrad und ich fuhr zum Kaffee holen. Nach und nach entdeckte ich die Leidenschaft dafür."

Erste Rennen auf den Straßen der Hauptstadt

So bekam auch Girmay von seinem Vater ein Fahrrad geschenkt und nahm damit an den Rennen in der Hauptstadt Asmara teil, die jedes Wochenende stattfanden. Mit 18 Jahren schloss er sich dann dem Nachwuchsförderungsprogramm des Weltverbandes UCI an, das den Jugendlichen rund um den Globus die Chance auf eine Karriere als Radprofi ermöglichen möchte.

Plötzlich nahm Girmay an internationalen Rennen in Europa und Afrika teil und gewann bei den afrikanischen Rad-Meisterschaften im Junioren-Bereich gleich drei Titel. Zudem konnte er auch immer wieder bei Etappenrennen Ausrufezeichen setzen und unterschrieb so schließlich beim Team "Delko" aus Marseille seinen ersten Profi-Vertrag.

Unglaublicher Punch im Schlussspurt

Auch dort lieferte der junge Eritreer zahlreiche Top-Resultate ab, bis er sich Mitte des vergangenen Jahres beim Team "Intermarché" beweisen durfte, das zu den Top-Teams auf der World Tour zählt. Zu diesem Team wollte Girmay unbedingt wechseln, obwohl mehrere World-Tour-Teams am 22-Jährigen interessiert gewesen sein sollen. Der Grund: Ein Bekannter hatte ihm von diesem Team vorgeschwärmt.

Dort ist er inzwischen eine Führungsfigur, denn Girmay verfügt über einen enormen Punch im Sprint. Zudem kommt er trotz seiner Sprint-Fähigkeiten auch gut über welliges Terrain, was an seinem vergleichsweisen schmächtigen Körperbau liegt.

"Er ist ein Juwel, ein außergewöhnliches Talent. Er ist ein einfacher Charakter und hat sich unglaublich ins Team integriert", lobte Teamchef Jean-Francois Bourlat im Januar beim belgischen Portal "rtbf" seinen Schützling.

So könnte der "Korken-Fail" beim Giro nur ein kurzer Abschwung von Girmays unglaublichem Aufschwung der vergangenen Jahre gewesen sein. Und statt der Bilder von diesem Missgeschick sollten besser die Meilensteine des 22 Jahre alten Eritreers um die Welt gehen.

Verwendete Quellen:

  • Spiegel.de: Etappensieger muss beim Giro aufgeben, weil ihm ein Sektkorken ins Auge flog
  • Rtbf.be: Portrait : Biniam Girmay, la dynamite erythréenne, "l'un des grands puncheurs du futur" (abgerufen in Englisch)
  • Velofute.com: Portrait : Biniam Girmay, la perle de l’Erythrée (abgerufen in Englisch)