David Bada hat es in die beste Football-Liga der Welt geschafft. In Washington gehört der gebürtige Münchner zwar nicht zum NFL-Kader, kann aber in der Practice Squad die komplette Saison mit den Profis trainieren. Wir haben mit ihm über seinen Werdegang und die Unterschiede zwischen Deutschland und den USA gesprochen. Außerdem verrät er, was er als schwarzer Spieler von der Black-Lives-Matter-Bewegung hält.

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In Deutschland steht Football nicht sonderlich im Fokus. Wie sind Sie zu dieser Sportart gekommen?

David Bada: Zunächst habe ich mit meinen Freunden jahrelang Fußball im Verein gespielt. Doch als immer klarer wurde, dass eine Profilaufbahn unwahrscheinlich ist, überlegte ich mir mit Freunden, doch mal was anderes auszuprobieren. Dadurch kam Football in mein Leben. Einer meiner Freunde verletzte sich zwar, doch ich machte immer weiter. Ein paar Jahre später wurde ich dann ins Ausbildungsprogramm für Nicht-Amerikaner, das "Pathway-Program", aufgenommen. So bin ich in den Fokus Washingtons gelangt.

Wie fühlen Sie sich damit, Deutschland in der NFL zu vertreten?

Es ist für mich eine große Ehre. Ich versuche, ein weiteres Tor für deutsche Spieler zu öffnen, die denselben Weg wie ich gehen wollen, und ihnen zu sagen: "Hey, es ist nichts unmöglich. Gib nicht auf!"

Was hat Sie am meisten angespornt, diesen Weg zu gehen und was hat Ihnen dabei die meiste Kraft gegeben?

Meine Familie und Freunde haben mich vom ersten Tag an unterstützt, was mir einen großen Halt gegeben hat, auch in Zeiten, wo es nicht so gut gelaufen ist. Ohne sie wäre ich heute niemals dort, wo ich jetzt bin. Nach der Saison werde ich auch nach München zurückkehren, um meine Familie und Freunde zu besuchen, aber im Moment gilt mein Fokus ganz dem Football. Ich will alles Mögliche erreichen und mich immer weiter verbessern. Über die letzten Jahre habe ich so viel an mir gearbeitet. Das alles soll nicht umsonst sein.

Was sind die Unterschiede im Training zwischen den USA und Deutschland?

Es gibt viele Unterschiede. Zum einen muss man natürlich bedenken, dass ich jetzt in einem Team mit absoluten Vollprofis spiele, dementsprechend hoch ist das Niveau. In Sachen Krafttraining wird viel im Akkord gearbeitet. Eine Glocke ertönt und du musst Vollgas geben. Währenddessen wird man auch gar nicht gecoacht, denn man soll den kompletten Fokus auf die Einheit legen. Im Nachhinein wird einem dann der Videomitschnitt deines Trainings gezeigt und du kannst analysieren, an was du noch arbeiten musst. Oft schaue ich mir auch Videos meiner Kollegen an, um mir bei ein paar Übungen das ein oder andere zu abzuschauen. Generell versuche ich, immer volle Power zu geben und immer besser zu werden.

Wie hat sich das Training durch die Coronakrise in Ihrem Team verändert?

Zum einen gibt es jetzt zwei verschiedene Umkleiden. Eine für die Veteranen und eine für die Rookies, die in ihrer ersten Saison sind. Zudem müssen wir Tracking-Armbänder tragen, die uns anzeigen, wenn wir uns zu nahe kommen. Gleichzeitig zeichnen sie unsere Bewegungen auf. Natürlich tragen wir auch immer eine Maske und haben so wenig soziale Kontakte wie möglich. Zumeist geh ich nach dem Training direkt auf mein Hotelzimmer und komme etwas zur Ruhe.

Nun sind Sie in Washington, ein neues Team mit neuem Namen. Wie stehen Sie zur Black-Lives-Matter-Bewegung und der Namensänderung ihres Teams von "Washington Redskins" zu "Washington Football Team"?

Von der Stadt habe ich bisher noch nicht allzu viel mitbekommen, da wir ein wenig außerhalb von Washington unser Trainingscamp haben und ich gleichzeitig noch im Hotel wohne. Doch natürlich steht die BLM-Bewegung über allem und ist stetig präsent. In Folge dessen wurde ja auch unser Name geändert und das finde ich auch gut so. Wenn sich nur eine einzige Person durch den Namen diskriminiert fühlt, ist es Grund genug ihn zu ändern. Den selben Ton hat auch unsere Vereinsführung eingeschlagen, als sie uns in einem Meeting von der bevorstehenden Änderung berichtete.

In der NBA konnten Spieler mit Schriftzügen auf ihrem Rücken auf die soziale Ungerechtigkeit aufmerksam machen und ein Statement abgeben. Ist Ähnliches auch in der NFL geplant?

Wir wollen natürlich auch etwas unternehmen und den Menschen eine Stimme geben. Meines Wissens sind Schriftzüge auf den Helmen mit "Black Lives Matter" geplant, was ich sehr gut finde.

2016 ging Colin Kaepernick während der Nationalhymne auf die Knie und bekam danach nie wieder eine Anstellung in der NFL. Mittlerweile knien in der NBA nahezu alle Spieler während der Hymne. Wäre das auch was für die eher konservative NFL?

Kaepernick startete eine Bewegung damit. Das Knien wurde zumeist falsch verstanden. Es hat nichts mit fehlendem Respekt gegenüber dem Land oder dem Militär zu tun, sondern er wollte damit einfach nur ein Zeichen gegen Ungerechtigkeit setzen. Ob wir jetzt wie die Basketballer auch knien werden, weiß ich nicht. Es wäre aber das richtige Zeichen, für seine Rechte einzustehen.

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