Marcel Hirscher ist einer der größten Skirennfahrer der Geschichte. Doch wenn es um den Größten aller Zeiten geht, dann sind oft andere Namen gefallen, wie Ingemar Stenmark oder Hermann Maier. Legenden ihres Sports, die etwas gewonnen haben, das Hirscher in seiner Medaillensammlung gefehlt hat: Olympiagold. Bis heute!

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Die Erleichterung steht ihm ins Gesicht geschrieben: Marcel Hirscher hat seine erste olympische Goldmedaille geholt. Und sich für immer in die Olympia-Annalen eingetragen.

Sechs Gesamtweltcupsiege und sechs Weltmeistertitel hatte der Salzburger schon vor Start der Olympischen Winterspiele in Pyeongchang in der Tasche. Während jedoch der Weltmeister bei der WM 2019 wieder um seinen Titel fahren muss, trägt ein Olympiasieger seinen Titel ein Leben lang.

Team aus Spezialisten

Den Ehrgeiz für ein solches Unterfangen hat der Technikspezialist allemal. Hirscher überlässt in seiner Karriere nichts dem Zufall.

Akribisch besichtigt er die Hänge vor den Rennen und verinnerlicht Schwung für Schwung. Dass der Rekordgesamtweltcupsieger auf der Piste einmal in die Bredouille kommt, sieht man äußerst selten.

Für sein Streben nach Perfektion hat der Salzburger ein Team aus Spezialisten um sich geschart. Neben Vater Ferdinand, seinem Betreuer, steht ihm seit dem Winter 2012/2013 der ehemalige ÖSV-Slalomtrainer Michael Pircher exklusiv zur Seite.

Eine weitere Konstante ist Langzeit-Freundin Laura Moisl, die ihn zu seinen Rennen begleitet. Seit einem Jahrzehnt bilden das Ski-Ass und seine Laura ein Paar. Cocker-Spaniel Timon und Neufundländer Pumba komplettieren die kleine Familie.

Neue Leichtigkeit bei Marcel Hirscher

Das Set-up für Hirscher passt. In dieser Saison läuft es für den amtierenden Slalom- und Riesenslalomweltmeister besser als je zuvor. Im Slalom feierte der 28-Jährige jüngst fünf Siege in Folge. Etwas, das zuletzt Giorgio Rocca in der Saison 2005/2006 gelang.

Und auch im Riesenslalom avanciert Hirscher zum Seriensieger. Bereits vier Siege hat der Österreicher diese Saison verbucht.

Eine Ausgangsposition, die man vor der Saison nicht erwarten konnte. Hirscher, zurückgeworfen durch einen Knöchelbruch, hatte seine Erwartungen niedriger gesteckt - und fährt vielleicht deshalb noch befreiter auf als zuvor.

"Das bisserl mehr Abstand über den Sommer hinweg, auch wenn es in der Reha stressig war, haben die Freude und das Feuer wieder zurückgebracht. Das ist das Schöne", sagt Hirscher.

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Kindheit auf der Alm

Im Leistungssport, in dem sich alles um Platzierungen und Medaillen dreht, ist es manchmal schwer, sich diese kindliche Freude zu bewahren. Dazu kommt der sich immer wiederholende gleiche Ablauf in der Wettkampfzeit.

Ein Leben, das völlig konträr zur Hirschers Kindheit verläuft. Der Sohn zweier Skilehrer verbrachte jeden Sommer auf der Stuhlalm im Lammertal. Bis zu seinem 15. Lebensjahr waren seine Eltern die Hüttenwirte.

"Baumhäuser bauen, Latschenhüpfen und einfach den ganzen Sommer in der Natur zu sein, war das Schönste, was man sich für seine Kindheit vorstellen kann. Keinen Fernseher und keine Ablenkung. Von so viel Freiheit können die meisten Kinder nur träumen", beschreibt Hirscher seine Kindheit im "Tennengau Magazin".

Eine Legende ist endlich gekrönt

Im Sommer auf der Alm, im Winter auf den Ski: Das Skitalent von Hirscher, gefördert von Vater Ferdinand und seiner niederländischen Mutter Sylvia, wird schon früh erkannt und mit Erfolgen untermauert. Als Juniorenweltmeister folgt 2007 in Lenzerheide der erste Einsatz im Weltcup.

Elf Jahre später ist Hirscher auf dem Zenit seines Könnens angekommen. Mit 55 Siegen im Weltcup hat er die magische Zahl 54 seines einstigen Vorbilds Hermann Maier übertrumpft. Ingemar Stenmarks Fabelzahl 86 wirkt auch nicht mehr unerreichbar.

Nun ist die Legende auch olympisch gekrönt: In Pyeongchang hat Marcel Hirscher einen wichtigen Schritt gemacht, um der Größte aller Zeiten zu werden. Seine erste Gold-Chance hat er perfekt genutzt. Und es warten noch zwei weitere in Slalom und Riesenslalom.

Olympia-Steckbrief:

Geburtsdatum: 2. März 1989 (Alter 28), Hallein, Österreich

Olympia-Einzelmedaillen: 2 (Silber im Slalom bei Olympia 2014, Kombi-Gold in Pyeongchang 2018)

Olympia-Teilnahmen: 3 (2010, 2014, 2018)

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