Das ZDF widmete sich am Dienstagabend den starken Frauen in einem der beliebtesten Königshäuser Europas und lieferte eine Eloge auf die schwedische Königin Silvia und Schwedens Kronprinzessin Victoria. Die beiden gelten vielen im Land als Vorbild, fassen sie doch auch heiße Eisen an, greifen Tabuthemen in aller Öffentlichkeit auf und engagieren sich für die gute Sache.

Robert Penz
Eine Kritik
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Eigentlich ist es ja König Carl XVI. Gustaf, der an der Spitze steht, doch im Land der unendlichen Wälder sind ja irgendwie vor allem die Frauen die Stars des Königshauses. Allen voran Königin Silvia (78), die, wie die ZDF-Dokumentation "Die Kraft der Königin – Schwedens starke Frauen" von Adelsexpertin Julia Melchior zeigt, als Königsgemahlin mit einer echten Mission unterwegs ist und im Land zahlreich die Sympathien abholt.

Tochter und Kronprinzessin Victoria (45), die nach mehr als 300 Jahren als erste Frau den Thron erben wird, steht ihr diesbezüglich aber um nichts nach. Vermutlich ist sie sogar die populärste Person des öffentlichen Lebens in Schweden. Laut Jan Eliasson, dem ehemaligen schwedischen Außenminister (2006) und stellvertretenden UN-Generalsekretär (2012–2017), in jedem Fall die wichtigste.

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Offener Umgang mit der Magersucht

Als Teenagerin haderte Victoria mit ihrem Schicksal. Es schien ihr nicht möglich, mit dem Druck und der künftigen Verantwortung zurechtzukommen, was ihr eine veritable Magersucht bescherte. Ihre Mutter ging damit erstaunlich offen um und setzte ein deutliches Signal nach außen: Wir sind zwar die Königsfamilie, verstecken uns aber ganz sicher nicht! Öffentlich bat sie um Verständnis für die Probleme ihrer Tochter. Ein Mut, der dem Königshaus jede Menge Anerkennung einbrachte, von denen sie und ihr Gemahl einst nur träumen konnten.

Als die aus Heidelberg stammende Silvia Renate Sommerlath 1976 nämlich ihren König ehelichte – das Paar lernte einander vier Jahre zuvor bei den Olympischen Sommerspielen in München kennen –, hatte dieser in seiner Heimat kaum Rückhalt. In der schwedischen Parteienlandschaft war man sich damals völlig einig: Die Monarchie gehört abgeschafft. Punkt! Doch die Diskussion sei dann dennoch nur halbherzig geführt worden, erklärt Eliasson. Zudem habe das Paar dann auch noch das schwedische Volk mehr und mehr verzaubert. Aber noch viel wichtiger: Prinzessin Victoria gilt nach einem mehrjährigen USA-Aufenthalt als genesen.

"Nicht standesgemäßer" Schwiegersohn

Königinnen hatten in Schweden meistens wenig zu melden. Die absolute Macht lag stets beim König, die jedoch ab Mitte des 19. Jahrhunderts, als sich die Demokratie etablierte, sukzessive abnahm. Die repräsentativen To-Do‘s der Königin wurden in dieser Zeit aber wichtiger, wenngleich die große Zäsur erst mit Königin Silvia, einer echten Working-Queen, erfolgte.

Die First Lady setzte bald neue Maßstäbe und schreckte eben auch vor Tabubrüchen nicht zurück (Victorias Legasthenie machte sie ebenso zum Thema), um den Schwachen der Gesellschaft eine Stimme zu geben. Die Tochter profitierte von dieser Stärke der Mutter, die auch Victorias Liebe zu Daniel Westling flankierte, als die Öffentlichkeit den einstigen Fitnesstrainer für unwürdig befand. Der Sohn eines Beamten und einer Postangestellten galt als "ungebildet" und "nicht standesgemäß".

Vorzeigeland der Gleichstellung

Heute gelten Victoria und Daniel, die mit Estelle (10) und Oscar (6) zwei Kinder haben, in ihrem Heimatland als Paar mit modernem Rollenverständnis. Dass sie es quasi ist, die den Highend-Job hat, kommt im Königreich Schweden richtig gut an.

Der Spagat zwischen Thron und Familie ist aber nicht immer einfach, wie die Kronprinzessin in der Dokumentation offenbart: "Beides zusammen ist schwierig, aber an meiner Rolle und meinen Aufgaben liegt mir einfach viel. Und zum Glück habe ich einen sehr verständnisvollen Mann. Wir versuchen das gemeinsam durchzuziehen", sagt Victoria.

Selbst Monarchie-Gegner tun sich im Vorzeigeland der Gleichstellung inzwischen schwer damit, substanzielle Kritik an Victoria zu üben. Sie und Töchterchen Estelle werden übrigens nur deshalb an die Spitze des Königshauses treten, weil Mutter Silvia einst auf eine Änderung des Thronfolgegesetzes pochte. Zuvor war der Thron lediglich männlichen Nachkommen vorbehalten. Weibliche Nachkommen kamen erst dann zum Zug, wenn kein männlicher Thronfolger vorhanden war. Seit 1980 ist das anders.

Thronfolgerin wird "Hetero des Jahres"

Für eine Sensation sorgte Victoria, als sie 2013 als Überraschungsgast einer Schwulen- und Lesbengala auftauchte und ein Zeichen für Anerkennung und Toleranz setzte. Der Saal explodierte damals. "Die Leute glaubten zunächst gar nicht, dass sie es war. Sie dachten, es sei eine Dragqueen, die Victoria imitieren würde", erzählt Anders Öhrmann, Chefredakteur des "QX"-Magazins und Veranstalter der "Gay-Gala".

"Homosexuellen ist es auch bei uns über Generationen sehr schlecht gegangen. Deshalb war es mir wichtig, da zu sein und meine Unterstützung zu demonstrieren", so Victoria, die vor Ort den Ehrenpreis "Homo des Jahres" überreichte und selbst von Öhrmanns Magazin mit der Auszeichnung "Hetero des Jahres" bedacht wurde.

Der harte Kampf des Ex-Bikinimodels

Auch Victorias Schwägerin Sofia gilt in Schweden als starke Frau. Vor ihrem höflichen Leben ging sie als Model zu Werke und stand dabei auch für freizügige Fotos vor der Kamera. In einer Reality-Show war sie ebenso zu sehen. Für beides musste sich die Frau von Prinz Carl Philip später natürlich unzählige Male rechtfertigen. Inzwischen lässt sie die Medien wissen, dass sie sich für ihre Vergangenheit keineswegs schäme, aber heute wohl einiges anders machen würde.

Gemeinsam mit dem Gemahl engagiert sich Sofia seit Jahren gegen Cybermobbing und Hass im Netz. Auch ein Grund, weshalb sich das einst mehr als kritisch beäugte Ex-Bikinimodel die Sympathien der Schweden erarbeiten konnte. Weniger Akzeptanz in der Bevölkerung genießt Victorias jüngere Schwester Prinzessin Madeleine, was aber natürlich auch der Tatsache, dass sich die 40-Jährige schon vor langer Zeit für ein Leben in den USA entschieden hat, geschuldet ist.

Tollpatschiger Jelzin, empathische Königin

Abschließend zurück zu Königin Silvia und zu einer kleinen Anekdote. Als Schweden-Besucher Boris Jelzin einst bei einem großen Bankett die Serviette vom Teller hob und darunter ein kleines Knäckebrot erspähte, das lediglich der Behübschung diente, er aber für ein Amuse Bouche, also ein kleines appetitanregendes Häppchen, hielt, bemühte er Messer und Gabel und zerbrach das Brot damit natürlich in tausend Stücke. Um den damaligen russischen Staatspräsidenten nicht in Verlegenheit zu bringen, tat es ihm die empathische Queen of Sweden kurzerhand einfach gleich.

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