Jan Böhmermann brutzelt wieder. In seiner neuen Kochshow "Böhmi brutzelt" hat er diesmal Riccardo Simonetti zu Gast, der mit einem großen Koch-Handicap startet. Vielleicht wird die neueste Ausgabe von "Böhmi brutzelt" gerade deshalb wieder so angenehm leichtfüßig.

Christian Vock.
Eine Kritik
von Christian Vock
Diese Kritik stellt die Sicht des Autors dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

"Um ein kleines bisschen seelischen Ausgleich zu finden": ZDF-Satiriker Jan Böhmermann hat in den ersten beiden Folgen bereits ausführlich erklärt, warum er denn jetzt auch noch eine Kochshow macht. Und in der Tat gibt es bislang bei Böhmermanns neuer Kochshow keinerlei Anflüge von Satire, nichts Politisches. Stattdessen steht "Böhmi brutzelt" eher in der Tradition von Alfred Bioleks "alfredissimo!", bei dem der Gastgeber lediglich Gemüse in die Pfanne haut und nicht seine Gäste.

Und so erfährt man beim Würzen, Schnippeln und Brutzeln so Einiges, was man so nicht bei Wikipedia nachlesen kann. In der vergangenen Folge zum Beispiel, dass Böhmermann gerne einmal ein großes Live-Musical im ZDF machen würde und zwar mit allem Zipp und Zapp. Oder dass Motsi Mabuse die Tochter von Joachim Llambi trainiert hat und so erst zu "Let's Dance" gekommen ist.

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Nein, "Böhmi brutzelt" ist eine ganz normale und vollkommen harmlose Kochshow, in der man tatsächlich zwischen all den Promi-Plärr-Formaten der Privaten ein kleines bisschen seelischen Ausgleich finden kann. Und wenn Jan Böhmermann seinen jüngsten Gast mit den Worten begrüßt "Ich kenn' niemanden, der Riccardo Simonetti nicht mag“, dann kann man sicher sein, dass sich daran in der dritten Folge von "Böhmi brutzelt" auch nichts ändern wird.

Nichts geändert hat sich auch an Böhmermanns Geschmack. In den ersten beiden Folgen gab es Rinderroulade und Grünkohl mit Pinkel und auch in Folge drei will Böhmermann wieder einen Klassiker ausprobieren, diesmal allerdings einen italienischen: Spaghetti Bolognese. Simonetti hat auch einen italienischen Klassiker am Herd, aber zudem noch einen ganz persönlichen. Bei ihm gibt es Lasagne, denn das sei "das Essen, das es an meinem Geburtstag gab, an Silvester, an irgendwelchen Feierlichkeiten".

Riccardo Simonetti: "Ich hab noch nie wirklich gekocht"

Das klingt nach einem italienischen Abend mit persönlichem Schuss, hätte Simonetti da nicht ein kleines Geständnis gleich zu Beginn zu machen: "Ich hab noch nie wirklich gekocht. Ich hab' ja auch selbst keine Küche zu Hause. Deshalb habe ich keine Ahnung, was ich hier eigentlich tue." Das hört sich zumindest kulinarisch wenig vielversprechend an, aber Simonetti ist beileibe nicht der erste Mensch im Fernsehen, der keine Ahnung von dem hat, was er da tut.

Ahnungslosigkeit ist manchmal sogar Grundvoraussetzung für ein bisschen Abwechslung und Spannung. Schließlich ist die Koch-TV-Welt voll von Überambitionierten, bei denen all das Gerede über Zutaten und Zubereitungsarten mehr Ausdruck von Attitüde als von wirklicher Expertise ist. Ahnungslosigkeit kann also durchaus erfrischend sein und die besseren Fernsehmomente liefern.

Trotzdem bleibt eine Kochshow eine Kochshow und so fragt Böhmermann zu Recht: "Du hast aber ein Gericht mitgebracht?" "Ich hab eine Idee für ein Gericht mitgebracht", gibt sich Simonetti maximal offen, was das Ergebnis seiner Lasagne anbelangt und zeigt sich auch ansonsten selbstreflektiert: "Ich bin ein sehr weisungsgebundener Sous-Chef." Mit anderen Worten: Böhmermann soll auch sein Gericht kochen. Der findet aber einen Kompromiss: Sie machen eine Bolognese-Soße, Simonetti soll sie für seine Lasagne verwenden, Böhmermann für seine Spaghetti.

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Kulinarisch und gastronomisch ist diese Folge von "Böhmi" brutzelt also eher niedrigschwellig, daher ist das eigentlich Interessante, wie in den Folgen zuvor, das, was man von den Gästen erfährt. Dass Simonetti nicht kochen kann und deshalb aus seiner Küche lieber einen Stauraum für seine Schuhe gemacht hat, hat nämlich seinen Grund: "Essen hat in meinem Leben nie so eine große Rolle gespielt. Ich hab' irgendwie nie so den Bezug gelernt, dass Essen machen etwas Wertvolles ist."

"Böhmi brutzelt": Eher Plauderstunde als seriöse Kochshow

Stattdessen habe seine Zeit als Model eher dazu geführt, dass er sich vom Essen zubereiten distanziert habe. Essen sei beim Modeln etwas, "das nicht gerne gesehen wird". Dementsprechend habe er auch das ewige Schlanksein als "unglaubliche Belastung" empfunden und erst später gelernt, das "Hunger kein erstrebenswertes Gefühl" ist.

Mit einem "Wie machst du das mit dem Volumen im Haar?", lenkt Böhmermann zu leichteren Themen über und so kann Simonetti ein bisschen darüber plaudern, dass das Wichtigste das "Ansatzvolumen" sei und dass er seine Woche in Haarwäschen unterteile, denn er habe lange Locken und "wenn ich die nicht föhne, bleiben die auch mal ein, zwei Tage nass." Tiefgründiger sind da seine Erzählungen über das Berliner Party- und Drogenleben, an das er schon viele Freunde verloren habe.

Und so ist auch diese Folge von "Böhmi brutzelt“ eher Plauderstunde als seriöse Kochshow. Eine Kochshow ohne Gedöns. Deshalb können hier auch Dialoge passieren, die man in anderen Kochshows nie zu hören bekäme: "Schmeckt das wie Wein?", fragt Simonetti, als er am Begleitgetränk nippt und Böhmermann antwortet: "Keine Ahnung, ich hab noch nie Wein getrunken."

"Böhmi brutzelt", immer freitags ab 10 Uhr in der ZDF-Mediathek und samstags um 19.45 Uhr auf ZDFneo.