In der kleinen, aber feinen SWR-Show versucht Pierre M. Krause herauszufinden, was hinter der Fassade von Promis steckt. Bei kaum jemanden dürfte das schwerer sein als Désirée Nick. Die blockt gekonnt ab - bis die Sprache aufs Trash-TV kommt.

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"Ich bin gespannt, wer mir überhaupt die Tür aufmacht", fragt sich Moderator Pierre M. Krause ganz zu Beginn, als er vor dem Haus von Désirée Nick steht. "Die perfekt gestylte Bühnenfigur mit ihrer Fassade oder die warmherzige Berliner Schnauze, als die sie sich selber beschreibt." Denn genau darum geht es in seiner Sendung "Krause kommt".

Zwei Tage verbringt der Moderator in dem SWR-Format mit einem Prominenten und versucht dabei vor allem Seiten zu zeigen, die diese im Fernsehen sonst eher nicht teilen. Nur, ob das mit Désirée Nick gelingen kann? Die Schauspielerin, Autorin und Kabarettistin ist vor allem für zwei Dinge bekannt: Sie lässt ihr Gegenüber kaum zu Wort kommen. Und sobald die Kamera an ist, beginnt die Désirée-Nick-Show.

Das ist auch in "Krause kommt" nicht anders. Kaum öffnet Nick die Tür, bleibt Pierre M. Krause im besten Fall gerade noch Zeit zum Luft holen. Sie schiebt ihn in ihr Häuschen und drapiert ihn an den gedeckten Kuchentisch. Für den Moderator schon eine Errungenschaft, denn: "Die Männer, die dieses Haus betreten, müssen in meine Deko passen."

Offensichtlich erfüllt Krause diese Kriterien, weil er "so petite", "so porzellanpuppenhaft" ist, stichelt sie. Der Moderator nimmt es sportlich, die Chemie zwischen beiden scheint zu stimmen. Nick: "Ich bin so schon genial genug." Krause: "Ich mag deine Bescheidenheit."

Bei Kuchen und Eierlikör schwinden schnell die Hemmungen. Ausufernd berichtet Désirée Nick von ihrer Leidenschaft fürs Backen, nur um ihm nach der gefühlt zehnten überraschten Reaktion Krauses, dass er sie nicht für den häuslichen Typ gehalten habe, an den Kopf zu knallen: "Der Kuchen ist von Lidl."

Da sie aber eine Frau der Gegensätze ist, geht es direkt danach in den Bio-Supermarkt. Schlüpfrige Eier-Witzchen inklusive. Denn Désirée Nick kauft die Legeware immer vom selben Huhn - Henne Helene, in Anlehnung an die Sängerin, wie sie süffisant mitteilt.

"Deutschland ist nicht bereit für eine vielschichtige und breitgefächerte Künstlerin"

Aus Désirée Nick etwas herauszulocken, was nicht Teil ihres bissigen Diven-Images ist, fällt auch Pierre M. Krause sichtlich schwer, aber es gelingt ihm zumindest in ein paar seltenen Momenten. Etwa als sie zusammen im Auto zu Nicks Lesung in Berlin sitzen.

Sie sei eine anerkannte Schauspielerin, die sogar die FAZ lobe, sie hat Bücher veröffentlicht, sie ist Kabarettistin, warum sie denn da noch ins Trash-TV gehe, ob es nur des Geldes wegen sei, schmeichelt Krause.

Die erste lapidare Antwort: "Durch meine Anwesenheit merkt man erst, wie wenig die anderen können, die da mitmachen." Danach schießt der Frust aus ihr heraus: "Deutschland ist nicht bereit für eine vielschichtige und breitgefächerte Künstlerin."

Außerdem, "wenn die Schreiber von Rosamunde Pilcher und dem Traumschiff versagen, dauerhaft eine Rolle für mich zu etablieren, muss ich das halt machen." Danach sind die Schutzschilde sofort wieder oben.

Doch eine Schwachstelle hat Désirée Nick - ihren Sohn Oscar, der aus einer Beziehung mit Prinz Heinrich von Hannover stammt. Als bei der Lesung eine Zuschauerin nach ihm fragt, ist sie kurz irritiert, ihre Augen schimmern feucht und sie muss sich sammeln. Dann fängt sie sich wieder und ist zurück in ihrer Rolle. Alle weiteren Versuche im Lauf der Sendung, noch etwas Privates über sie zu erfahren, blockt sie ab.

Stattdessen hat sie noch eine Überraschung für Pierre M. Krause parat. Wie er denn gedenke, die Nacht bei ihr zu verbringen, fragt sie ihn. Er sagt: "Ich schlafe in meiner Unterwäsche." Sie: "Das möchte ich nicht." Stattdessen: "Ich hab was für dich." Wenig später steht der Moderator in einem ihrer Negligés und Puschen da. Er trägt es mit Fassung.

"Krause kommt": Ist es die Feuerzangenbowle oder die echte Nick?

Am nächsten Morgen probiert es Krause noch ein letztes Mal. Am Frühstückstisch fragt er Désirée Nick, was sie denn nicht an sich möge. Sie flüchtet sich in Oberflächliches: dünner könnte sie sein, sportlicher, handwerklich begabter.

Dann wechselt sie das Thema: "Ich möchte dich mal bei einer männlichen Tätigkeit beobachten." Und schickt ihn nach draußen, um das Becken des Zierbrunnen zu entschlammen. Krause kapituliert.

Als sich die beiden am Ende von "Krause kommt" nach einer Feuerzangenbowle, die fast das Haus abgefackelt hätte, sich wieder in der Haustür gegenüberstehen, haucht sie, ganz die Bühnenfigur: "Ich möchte, dass du wiederkommst. Ohne Kamera."

Der Moderator antwortet: "Ich weiß jetzt nicht, spricht die Feuerzangenbowle aus dir oder die wahre Nick?" Was es von beidem ist, weiß wohl nur Désirée Nick selbst. Doch solange sie weiterhin im Fernsehen so unterhaltsam ist, sei ihr diese Privatsphäre gegönnt.

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