Aktuell liegt Alexander Van der Bellen in den Umfragen zur Bundespräsidentenwahl vorn. Am Sonntag war der unabhängige Ex-Grünen-Chef bei "Wie jetzt?" zu Gast.

In drei Wochen wählt Österreich einen neuen Bundespräsidenten. Bis zum 24. April begrüßt Puls 4 jeden Sonntag einen der Kandidaten. Nach Irmgard Griss und Norbert Hofer war am 3. April der aktuelle Umfragefavorit Alexander Van der Bellen bei "Wie jetzt?" zu Gast.

Der gebürtige Wiener wuchs im Tiroler Kaunertal auf, ist Wirtschaftswissenschaftler und war viele Jahre Politiker der Grünen. Zur Wahl tritt er als unabhängiger Kandidat an.

Schon im Vorfeld der Wahl ließ Van der Bellen aufhorchen, als er ankündigte, eine Regierung mit FPÖ-Beteiligung nicht angeloben zu wollen. Immer wieder wird ihm fehlende Neutralität vorgeworfen.

Am Sonntag mit diesen Vorwürfen konfrontiert, stellte Van der Bellen klar, was er mit damit meinte: Die Aussage stimme insofern, als er keine Regierung angeloben würde, der Österreich aus der EU hinausbringen wolle.

Aus von Schengen "würde Milliarden kosten"

"Als Bundespräsident muss ich die Interessen von Gesamtösterreich vertreten. Österreich ist eine kleine offene Volkswirtschaft und auf Exporte angewiesen. Das Letzte was wir brauchen, ist eine Errichtung der alten nationalstaatlichen Grenzen", sagte Van der Bellen.

Die Abschaffung der Schengengrenzen würde nach Ansicht des Politikers "Milliarden kosten, was nichts bringen, aber auf die Konsumenten umgewälzt werden würde".

Das Kernproblem in der EU seien die Politiker, die sich nicht einigen könnten. "Aber die Wahl des freien Arbeitsplatzes beispielsweise, sind doch eine tolle Erfindung."

Zur Frage warum er konkret die FPÖ nicht angeloben würde, sagte der Ökonom: "Wollen wir zulassen, dass die EU zerbröselt oder nicht? Wollen wir eine österreichische Regierung, die aktiv an der Zerstörung arbeiten würde, oder nicht? Ich glaube, es ist im Interesse Österreichs, dass die EU weiter besteht."

Flüchtlinge an den Grenzen kontrollieren

Dass die Flüchtlingskrise eine große Gefahr für den Zusammenhalt der EU darstellt, dem widersprach Van der Bellen nicht. "Das könnte zu einem Zerbröseln der Union führen", führte er aus.

Es sei aber auch nicht möglich, dass nur wenige Länder die Gesamtlast übernehmen würden. Auch, dass es eine Grenze bezüglich der Flüchtlingszahl geben müsse, sei für ihn selbstverständlich.

Allerdings forderte er, dass es an jeder Landesgrenze eine Feststellung des Asylgrunds geben müsse. Die aktuelle Obergrenze sei jedenfalls verfassungswidrig.

Wäre er bereits Präsident, hätte er zumindest 2016 die Regierung zu sich gebeten. Was die Macht betrifft, schränkte Van der Bellen ein: "Von einer Allmacht ist der österreichische Bundespräsident weit entfernt."

Allgemein würde er die respektvolle Amtsführung von Heinz Fischer fortführen, sich eher beraten lassen, als voreilige Aktionen durchführen.

Van der Bellen sieht sich als "krasser Außenseiter"

Den Vorwurf der ÖVP, er sei ein Sicherheitsrisiko für das Land, nahm der ehemalige Dekan der Universität Wien mit einem Schmunzeln zur Kenntnis.

"Ich entnehme daraus eine Nervosität der ÖVP, die nicht damit gerechnet hat, dass ein krasser Außenseiter wie ich ernsthafte Chancen hat, Bundespräsident zu werden."

"FPÖ hat kein Monopol auf das Wort Heimat"

Zu seiner Plakatkampagne, in der er mit dem Heimatbegriff spielt, sagte der Sohn russischer Eltern: "Heimat definiere ich anders: Österreich hat mir Heimat gegeben. Und die FPÖ hat kein Monopol auf das Wort Heimat."

Dem Vorwurf, dass er zu neoliberal sei, weil er Studiengebühren nicht ablehne, widersprach er: "Als Ökonom habe ich nie verstanden, warum die Universität zu 100 Prozent von der Allgemeinheit finanziert werden soll. Insofern wäre ich für Gebühren, die wiederum zu 100 Prozent Familien zu Gute kommen würden, die es sich gar nicht leisten könnten."