Warum er Norbert Hofer für einen "Kerzlschlucker" hält und wir uns gefühlt in einer "Vorkriegszeit" befinden, erklärt Kabarettist Josef Hader in einem aktuellen Interview mit der "Süddeutschen Zeitung".

Ein Szenario: Kaiser Franz Joseph I. steigt 100 Jahre nach seinem Tod aus der Gruft, und Josef Hader soll ihm einen Rückblick auf das Jahr 2016 in Österreich geben: "Drei Wahlkämpfe gab es in diesem Jahr, jeder hat die Leute noch ein Stückl weiter polarisiert. Und ein weiteres Jahr ist mit einer großen Koalition vergangen, die nicht fähig oder willens war, gemeinsam wichtige Dinge weiterzubringen", sagt der Kabarettist in einem aktuellen Interview mit der "Süddeutschen Zeitung" (SZ).

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Einiges wäre dem Kaiser gar nicht so neu, vermutet Hader: "Unser heutiger Populismus wäre ihm sehr vertraut, den hat zu seiner Zeit der Bürgermeister Karl Lueger in Wien betrieben. Mit viel Antisemitismus, das war dem Kaiser überhaupt nicht sympathisch, drum hat er den Lueger zwei Jahre nicht angelobt. Jetzt, wo ich das sage, krieg ich gleich eine Sehnsucht nach der Monarchie."

Hofer für Hader ein "Kerzlschlucker"

Gleich darauf liefert Hader seine persönliche Analyse des FPÖ-Kandidaten Norbert Hofer, der am Sonntag mit seinem Konkurrenten Alexander Van der Bellen (unabhängig, von den Grünen unterstützt) ums Rennen um die Hofburg geht.

Die Erwartungen der Menschen, die sich nach einer "guten alten Zeit" sehnten, "wo es weniger Ausländer gab und alle Menschen angeblich anständiger waren", bediene Hofer perfekt, findet Hader: "Deswegen bemüht er sich um große Sanftheit im Auftreten."

Jemand, der "der nach außen hin sehr fromm getan hat, auch wenn es in ihm drinnen ganz anders ausgesehen hat", habe man in Haders ländlicher Heimat "Kerzlschlucker" genannt: "Daran muss ich ab und zu bei den Fernsehauftritten vom Herrn Hofer denken. Er hat sich meistens unter Kontrolle. Und dann blitzt manchmal eine lang und ungesund aufgestaute Aggression hervor. Aber wie er wirklich ist, weiß wahrscheinlich nur er selber."

Was am Vorwurf von Hofburg-Kandidat Hofer dran ist.

Deshalb ist Hofer für Hader auch "das genaue Gegenteil" von Donald Trump. Die US-Amerikaner hätten Trump gewählt, "obwohl er im Wahlkampf völlig authentisch der narzisstische Egomane war, der er ist. Das war seinen Wählern wurscht, Hauptsache, es wird kein etablierter Politiker."

Trump sei kein Kerzlschlucker, sagt Hader. "Hofer aber wird von seinen Anhängern deswegen gewählt, weil er sich nach Kräften bemüht, so zu sein, dass ihn möglichst viele nett finden."

Da die FPÖ die Chance auf eine Mehrheit habe, agiere Hofer nicht angriffig, "sondern übt sich standhaft in seinem Ministrantentum". Die, die aber nicht der Meinung der FPÖ teilten, seien aus blauer Sicht "die Großkopferten und die gesteuerten Medien".

"Gefühlt ist Vorkriegszeit"

Hader meint auch zu wissen, was die Menschen anzieht am Rechtspopulismus: "Jetzt ist gefühlt eine Vorkriegszeit. Und die Populisten bemühen sich um eine Endzeitstimmung. Der FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache redet von einem möglichen Bürgerkrieg und spricht damit allen aus der Seele, die wollen, dass es bald irgendwie kracht."

Verzweifelt wolle er aber nicht klingen, betont Hader und verweist auf eine "stabile Demokratie", die "jedes Wahlergebnis aushalten" werde: "Und ich werde mich entweder freuen oder das Ergebnis zur Kenntnis nehmen. Und mich als Bürger wieder engagieren, dass die nächste Wahl möglichst in meinem Sinn ausgeht." (af)