Borussia Dortmund führt sich auf wie ein trotziges Kleinkind, Mario Gomez ist wieder der Alte und Bruno Labbadia freut sich auf den FC Bayern: Die (wie immer nicht ganz ernst gemeinten) Lehren des Spieltags der Bundesliga.

Eine Glosse
von Swen Thissen

1. Lehre: Borussia Dortmund ist ein ganz schlechter Verlierer

Was ist nur mit Borussia Dortmund los? Da verliert der BVB einmal ein wenig unglücklich am 2. Spieltag beim frechen Aufsteiger in Leipzig, schon spielt der ganze Verein die beleidigte Leberwurst.

Wie ein wütendes Kleinkind, das sich aus Trotz ein halbes Kilo Süßigkeiten in den Mund stopft, nachdem die Mutter gerade ein Gummibärchen-Verbot ausgesprochen hat, stampfen die Dortmunder nun von Spiel zu Spiel und lassen ihre schlechte Laune an den überrumpelten Gegnern aus.

Darmstadt, Warschau, Wolfsburg – 17 (!) Tore erzielte die Mannschaft von Thomas Tuchel innerhalb einer Woche.

Hoffentlich beruhigt sich die Mannschaft dennoch bald wieder. Es ist schon schlimm genug, dass keiner mehr glauben mag, dass das Titelrennen spannend werden könnte. Also wollen wir uns wenigstens einreden, dass der Kampf um Platz zwei noch nicht entschieden ist.

2. Lehre: Mario Gomez ist endlich wieder der Alte

Es gibt in Fußballdeutschland wenige Dinge, über die nicht gestritten wird. Mario Gomez war da lange die Ausnahme, die die Regel bestätigt: Witze über den Angreifer waren gesellschaftlich akzeptiert, schließlich war er über Jahre hinweg der große Chancentod der deutschen Nationalmannschaft.

Auch deshalb waren Millionen Fußballfans nachhaltig verunsichert, als Gomez plötzlich die personifizierte Titelhoffnung bei der EM 2016 in Frankreich war, nachdem er sich zuvor äußert erfolgreich durch die zweitklassige türkische Liga geballert hatte.

Doch das Problem des plötzlichen Gomez-Erfolgs hat sich nun wieder erledigt. Wir können endlich wieder doofe Witze über den Nicht-So-Super-Mario machen. Denn wie er gegen Borussia Dortmund den Ball NICHT im Tor versenkte, das war schon allererste Sahne.

3. Lehre: Die DFL weiß, was der Fan nicht möchte

Der Dienstag und der Mittwoch gehören der Champions League. Der großen Bühne. Den Fußballfesten. Eigentlich. Denn in dieser Woche war Bundesliga angesagt. Und was macht die Deutsche Fußball-Liga? Sie beweist Humor.

Wohlwissend, dass man mit Madrid, Barcelona oder Manchester ohnehin nicht mithalten kann, setzte die DFL den Fußballfans am Dienstag vier Heimspielstätten vor, die Fußballdeutschland ziemlich egal sind. Gekickt wurde in Wolfsburg, Ingolstadt, Darmstadt und Freiburg. Vor gut 80.000 Zuschauern. Insgesamt natürlich, nicht pro Stadion.

Die DFL weiß eben, was der Fan nicht möchte.

4. Lehre: Nur der FC Bayern kann Bruno Labbadia retten

Es bleibt dabei: Ganz egal, wie viel Geld der HSV vor einer Saison in sein Team stopft, am Ende spielt die Mannschaft genauso grauenhaften Fußball wie im Vorjahr.

Schon jetzt weiß jeder Hamburger, wie es laufen wird: Der "Dino" schiebt sich am letzten Spieltag der Saison auf Rang 16, weil Pierre-Michel Lasogga sein erstes Saisontor schießt. Und wird dort dann den Klassenerhalt gegen die SpVgg Greuther Fürth feiern, weil irgendein Schiedsrichter kurz vor Schluss einen lustigen Freistoß pfeift.

Bruno Labbadia wird dann längst nicht mehr Trainer des HSV sein. Es weiß ja schon niemand, warum er am Samstag noch Trainer des HSV ist.

Noch zweimal darf Labbadia vom großen Befreiungsschlag träumen, dann ist der FC Bayern im Norden zu Gast.

Entweder der HSV gewinnt das Ding. Oder Labbadia fliegt. Was dann auch die richtige Entscheidung wäre. Denn ein Verein wie der HSV, mit all seiner sportlichen Kompetenz in der Führungsetage und all dem ach so starken kickenden Personal auf dem Feld, darf natürlich nie und nimmer gegen die Bayern verlieren.

Es ist und bleibt ein Trauerspiel, was in Hamburg geschieht. Und es ist fast schon traurig, es sagen zu müssen, aber vielleicht sollte HSV-Mäzen Klaus-Michael Kühne einfach mal bei Dietrich Mateschitz anrufen. Der pumpt nämlich bei RB Leipzig auch eine Menge Geld in den Klub. Dort wird die Kohle allerdings sinnvoll eingesetzt - und nicht zum Fenster rausgeworfen.

5. Lehre: Die Bayern haben ein Wiesn-Problem

Erinnern Sie sich an Uli Hoeneß' Wutrede? An seine Schimpftirade in Richtung Lothar Matthäus, der "nicht mal Greenkeeper beim FC Bayern" werden wird?

Hoeneß ist bald wieder Präsident des Rekordmeisters. Und vielleicht sollte er die Aussage von einst noch einmal überdenken. Denn: Die Bayern haben pünktlich zur Wiesn ein Wiesn-Problem.

Der Rasen in der Münchner Arena hat seinen Namen nämlich nicht verdient. Kartoffelacker trifft es eher. Und das passt so gar nicht zum Traum-Saisonstart, dem perfekten Comeback von Arjen Robben oder dem souveränen Sieg gegen Hertha BSC – Grüße an dieser Stelle auch an die Berliner, die auf Twitter getönt hatten, den Bayern die Lederhosen ausziehen zu wollen.

Selbst in Darmstadt, Ingolstadt, Freiburg und Wolfsburg war in dieser Englischen Woche der Rasen besser. Sie wissen schon, die Champions-League-Ersatz-Klubs aus der 3. Lehre.

Zehn Tage Zeit hat man in München, das Rasenchaos zu beseitigen. Nun geht's nach Hamburg, anschließend nach Madrid. Dann kommt der 1. FC Köln.

Der ist übrigens seit dem Sieg auf Schalke (wäre Markus Weinzierl eigentlich nicht einer für den HSV? Oder Labbadia einer für Schalke?) allen Ernstes Tabellenzweiter. Wir wiederholen: Tabellenzweiter. Der 1. FC Köln! Dabei ist doch gerade gar nicht Karneval. Sondern Wiesn.