Mit 26:27 (Halbzeit: 12:14) denkbar knapp verlor das österreichische Nationalteam sein Europameisterschafts-Auftaktspiel gegen Weißrussland. Damit könnte der Einzug in die Hauptrunde schon vorbei sein.

Österreich legte bei der Handball-Europameisterschaft in Kroatien einen Fehlstart hin. Gegen Weißrussland musste sich das Team von Trainer Patrekur Jóhannesson mit 26:27 geschlagen geben. In der Mehrzweckhalle "Sportska dvorana Zatika" in Porec, die 3.700 Zuschauer fasst, sahen 600 mitgereiste österreichische Fans eine bittere Niederlage ihrer Mannschaft.

Zudem erwischte Österreichs Team ein denkbar schweres Los und spielt in Gruppe B nach Weißrussland nun noch gegen den amtierenden Weltmeister Frankreich (14. Jänner) und den aktuellen Vizeweltmeister Norwegen (16. Jänner). Jeweils die ersten drei Plätze in den vier EM-Gruppen berechtigen zur Teilnahme an der Hauptrunde, in der die Halbfinal-Paarungen und die Platzierungsplätze bestimmt werden. Der Letzte scheidet vorzeitig aus. Das dürfte wohl Österreich sein, da davon auszugehen ist, dass weder gegen Frankreich noch gegen Norwegen Punkte zu holen sind. Alles andere wäre eine riesige Überraschung.

Enge erste Halbzeit

Schon die erste Halbzeit (Österreich lag 12:14 zurück) verlief sehr eng. Lediglich fünf Minuten vor dem Pausenpfiff konnten die Weißrussen mit einem Drei-Tore-Vorsprung davonziehen. Dabei hatte Österreichs Torhüter Thomas Bauer seine Teamkollegen mit Traumparaden lange im Spiel gehalten. Dem jungen österreichischen Team unterliefen jedoch zahlreiche unnötige Abspielfehler im Angriff und man konnte Flügelspieler Robert Weber zu wenig ins Spiel bringen. Weber spielt beim SC Magdeburg bei Heimspielen regelmäßig vor 15.000 frenetischen Fans und war in der Saison 2014/15 Torschützenkönig in der deutschen Bundesliga.

Auf der Gegenseite lieferte der weißrussische Torhüter Saldatsenka eine wahnsinnig starke Performance ab und hielt in der ersten Halbzeit 50 Prozent der Würfe der Österreicher. Zudem war die physisch enorm starke Abwehr der Weißrussen nur sehr schwer zu überwinden. Lediglich der österreichische Handball-Star Nikola Bilyk konnte sich mit starken Würfen, auch aus der Distanz, öfter durchsetzen. Der 21-Jährige stand bereits mit 17 Jahren das erste Mal in der österreichischen Nationalmannschaft und spielt beim renommierten deutschen Verein THW Kiel.

Sieben Minuten nach der Halbzeitpause lagen die Österreicher bereits vier Tore zurück (15:19). Sie konnten sich jedoch immer wieder herankämpfen und hielten das Spiel eng. Oft schafften sie es den Torabstand auf lediglich ein Tor zu verkürzen. Der Ausgleich oder die Führung gelang dem ÖHB-Team jedoch nicht mehr. Auch wenn Thomas Bauer mit seinen tollen Paraden und Jubelgesten für positive Stimmung im österreichischen Team sorgte – der komplette Anschluss an die Weißrussen wollte nicht mehr gelingen. Nikola Bilyk übernahm oft die Verantwortung und erzielte wichtige Tore, ansonsten konnten die Österreicher jedoch viel zu häufig nicht abschließen.

Starke Leistung des Rückkehrers

Die Niederlage der Österreicher konnte auch das kurzfristige Comeback des Routiniers Vitas Ziura nicht verhindern. Der 38-jährige gebürtige Lette war sowohl 2016 als auch 2017 bereits aus der ÖHB-Auswahl zurückgetreten. Er sollte dem relativ unerfahrenen Team vor allem im Auftaktspiel gegen Weißrussland den Rückhalt geben. "Ich werde sicher nicht bei der EM dabei sein", hatte Ziura noch nach geschaffter EM-Qualifikation im Juni 2017 gesagt. In seinem 95. Länderspiel für Österreich zeigte der mental starke Spieler und Motivator eine starke Leistung und war sowohl in der Abwehr als auch im Angriff stark.

Österreichs Handballer werden aufgrund der Niederlage bitter enttäuscht sein. Nach der Heim-EM 2010 und der EM-Teilnahme 2014 sowie der WM-Teilnahme 2015 ist das ÖHB-Team jedenfalls schon fester Bestandteil der erweiterten Weltspitze. Deshalb wäre eine Übertragung der EM-Spiele in ORF 1 anstatt im Spartensender ORF Sport+ wohl gerechtfertigt gewesen. Immerhin wird Österreich 2020 gemeinsam mit Schweden und Norwegen Gastgeber der Handball-EM sein.