RTL hat alle Murmeln beisammen. Bei "Murmel Mania" treten Promis wie Ingolf Lück, Marijke Amado oder Harry Wijnvoord beim Klickern gegeneinander an. Herausgekommen ist dabei ist Familienunterhaltung mit Liebe zum Detail, aber auch mit dem einen oder anderen Hängerchen.

Christian Vock.
Eine Kritik
von Christian Vock

Knicker, Bucker, Picker, Schusser, Wetzel, Bugger, Datzer, Marmel, Iller, Glaser, Schießer, Klicker – die vielen verschiedenen Namen für Murmeln sind kaum zu zählen. Das mag auch daran liegen, dass die kleinen Glaskugeln überall Verbreitung finden und das schon seit sehr langer Zeit. Quasi das Pokémon Go der Antike. Auch wenn Murmeln vielleicht nicht mehr ganz oben auf den Wunschzetteln unserer Kinder stehen, haben sie sich all die Jahre doch ganz gut als Zeitvertreib gehalten.

RTL hat nun aus dem Kinderspiel Fernsehunterhaltung für alle Altersgruppen gemacht. "Murmel Mania" heißt das Ganze und ist eine aufgebohrte Schulhof-Klickerei mit Prominenz. Am Dienstagabend lief die erste von insgesamt vier Folgen der Show und die funktioniert so: Jeweils drei Promis treten in unterschiedlichen Spielchen und Murmel-Varianten von Bowling, Minigolf oder Elfmeterschießen gegeneinander an. Am Ende gibt es ein finales Murmel-Wettrennen, wer dort siegt, gewinnt bis zu 50.000 Euro für den guten Zweck.

"Murmel Mania": Das Runde muss ins Runde

Das Ganze ist also konzeptionell nicht allzu kompliziert, am Ende muss immer eine Murmel in ein Loch, entweder möglichst schnell oder möglichst präzise. Das kann in dieser Form natürlich schiefgehen, denn bei solchen Shows muss man die genaue Dosis zwischen Einfachheit und Komplexität hinbekommen, denn sonst geht der Zuschauer entweder aus Langeweile oder aus Überforderung.

Damit nichts von beidem passiert, hat RTL ein Moderatoren-und-Kommentatoren-Duo engagiert, das für genau solche Fälle prädestiniert scheint. Chris Tall und Frank Buschmann. Tall ist schlagfertig und massentauglich genug, um Promis und Zuschauer bei Laune zu halten und Frank Buschmann hat es bisher fast immer geschafft, selbst den größten Unterhaltungshänger zum Mega-Event hochzuquatschen. Eine gute Kombination also und bereits beim ersten Spiel müssen beide ihr Bestes geben.

In Runde eins müssen die Promis, zum Auftakt ist das das Team "Showlegenden" aus Marijke Amado, Harry Wijnvoord und Ingolf Lück, nämlich beim Spiel "Löcherkäse" an einem Tisch ihre Murmeln in Löcher schubsen, je kleiner das Loch, desto mehr Punkte gibt es. Das kennt man vielleicht in ähnlicher Form von Stadtfesten und RTL verpasst hier die Show, sich von diesem Stadtfest-Flair abzuheben.

Auch bei der Murmel-Show: Manchmal ist mehr mehr

Nun wäre es natürlich ebenso naheliegend wie schön gewesen, das Haptische und Handgemachte des Murmelspiels auch irgendwie in der Kulisse umzusetzen, kurzum, einen schönen, bunten Oldschool-Kirmes-Fernsehabend daraus zu machen. Aber das Maximale an Extravaganz, das man sich hier gönnt, ist ein grobschlächtiger Holzaufbau in Form eines Käses am Ende der Bahn, in dessen Löcher die Murmeln versenkt werden müssen. Das ist nicht Fernsehunterhaltung 2021, das ist Minigolfanlage 1971.

Nun hat man immerhin versucht, das fehlende Publikum zu ersetzen und sich dafür einen Arena-Hintergrund im Studio ausgedacht, in dem Hunderte Murmelmännchen sitzen. Das macht das Ganze zwar bunter, aber nicht unbedingt atmosphärischer. Aber die gute Nachricht: Es wird besser werden. Vorerst aber muss sich Chris Tall ins Zeug legen, um das Unterhaltungsniveau über das eines Schlaflabors zu hieven.

Aber dann geht’s doch noch los, denn "Löcherkäse" ist nur das Vorgeplänkel, wie viele Murmeln die Promis in das eigentliche Wettlauf-Spiel mitnehmen dürfen. In Runde eins hat man dafür eine Holland-Murmelbahn aufgebaut, die zwar mit Klischees wie Klompen, Tulpen und Windmühlen vollgestopft ist, aber das immerhin mit viel Liebe zum Detail. Das animiert offenbar auch Frank Buschmann und der legt sich ins Zeug, als würde er nicht ein Murmel-Wettrennen kommentieren, sondern die Formel-Eins: "Harry, der Lumpenhund lässt sich nicht abschütteln!"

"Domino Day" lässt grüßen

Und in diesem Stil geht es weiter und Wijnvoord, Amado und Lück schussern sich 90 Minuten lang unter den Jubelarien Buschmanns durch die aufwendigen Murmelbahnen mit ihren Kippen, Wippen und Aufzügen. Das ist in seinen besten Momenten kurzweilig, in seinen schlechteren ein wenig zäh. Etwa, als man den Promis dabei zusieht, wie sie ein ums andere Mal beim Murmelminigolf scheitern. Das hat dann große Ähnlichkeiten mit den viel zu langen "Schlag den Raab"-Abenden.

Trotz dieser Längen war es aber eine gute Idee von RTL, die von John de Mol entwickelte und in den Niederlanden produzierte Show ins Programm zu nehmen. Alleine schon, um in Erinnerung zu rufen, dass man mehr kann, als nur Niedrigniveaukrawallfernsehen à la "Sommerhaus der Stars". Im Finale kann der Zuschauer dabei sogar einen kleinen nostalgischen "Domino Day"-Moment erleben, denn beim entscheidenden Spiel gehen insgesamt 6.000 Murmeln, aufgeteilt in die Farben der Promis, ins Rennen.

Das ist nicht nur ein ohrenbetäubender Lärm, es sieht auch noch recht spektakulär aus. Als ob das IKEA-Bällebad auf Reisen geht. Am Ende geht auch noch ein bisschen Geld auf Reisen. Ingolf Lück gewinnt 10.000 Euro und Marijke Amado 40.000 Euro, wovon sie Harry Vijnvoord aber 15.000 Euro abgibt, weil der sonst eigentlich leer ausgegangen wäre.

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