Formel-1-Held: Ayrton Senna bleibt unvergessen

Von
F. Rzitki
J. Hausmann

Ayrton Senna da Silva ist Brasiliens Sport-Ikone. Für viele Formel-1-Fans ist er der beste und charismatischste Rennfahrer aller Zeiten. Am 21. März hätte der dreimalige Weltmeister seinen 60. Geburtstag gefeiert. Doch er starb bereits im Alter von 34 Jahren - während er einen Grand Prix anführte. Eine Hommage an eine Legende.

Ayrton Senna wurde am 21. März 1960 in Sao Paulo in Brasilien geboren. Er kam aus einer recht wohlhabenden Familie, was dem Ausnahmetalent eine Rennfahrerkarriere ermöglichte. Trotz der Herkunft aus reichem Hause blieb Senna aber sehr bescheiden.
Senna galt als sehr belesen, musikalisch und weltoffen. Abseits der Strecke trieb er viel Sport, fuhr Wasserski und setzte sich für arme Kinder aus den Favelas ein. Dafür gründete Senna kurz vor seinem Tod eine Stiftung.
Im Alter von 13 Jahren fuhr Senna erste offizielle Rennen und begeisterte mit seinem fahrerischen Können. Hier zu sehen: das erste GoKart des späteren Formel-1-Weltmeisters. Die Jahre im Kartsport mochte er am liebsten. Dort sei es, wie er betonte, um das pure Rennfahren gegangen, fernab der Politika, die Senna später in der Formel 1 nervten.
Senna wurde schon zu Lebzeiten zu einer Legende. Er bewegte das Auto stets am Limit. "Er tanzte um die Kurven, spielte mit dem Gas und brachte das Material immer wieder an die Grenzen“, erinnerte sich später der ehemalige Weggefährte und Formel-1-Rennfahrer Gerhard Berger in einem Gespräch mit der "Welt". Berger sollte nach Sennas tödlichem Unfall 1994 zu dessen Sargträgern gehören.
Wenn es um den Motorsport ging, galt Senna als hochkonzentriert und ausgesprochen diszipliniert. Auf der Rennstrecke verlangte er sich und dem Auto Unvorstellbares ab. Wie beim Rennen in Interlagos 1991. Damals gewann er erstmals seinen Heim-Grand-Prix - obwohl sein Getriebe hinüber war. Senna konnte nur im sechsten Gang fahren. In der Ehrenrunde brach er - vor Freude laut schreiend und von Krämpfen geschüttelt - ohnmächtig zusammen. "Das war mein härtester Sieg", sagte er nach dem Rennen.
Ausnahmetalent Senna brachte es auf insgesamt drei Weltmeistertitel in der Formel 1: 1988, 1990 und 1991.
Ayrton Senna fuhr zwischen 1984 und 1993 41 Grand-Prix-Siege ein. Damit steht er in der ewigen Bestenliste auf Platz fünf hinter Michael Schumacher (91 Siege), Lewis Hamilton (84 Siege), Sebastian Vettel (53 Siege) und Alain Prost (51 Siege). (Stand nach dem Ende der WM-Saison 2019)
Allein den Großen Preis von Monaco gewann Senna sechs Mal - obwohl bei seinem unvergessenen ersten Auftritt dort 1984 der vorzeitige Rennabbruch einen möglichen Erfolg verhinderte. Davon wird gleich noch die Rede sein. Sennas Rekord auf dem legendären Kurs besteht trotzdem bis heute. Er feierte im Fürstentum die meisten Siege in Folge beim gleichen Grand Prix (1989 bis 1993).
Sennas Formel-1-Karriere begann 1983 mit ersten Tests für Williams, Brabham-BMW (hier im Bild mit Konstrukteur Gordon Murray), McLaren und Toleman.
1984 fuhr er als Stammfahrer für Toleman. Im völlig unterlegenen Auto deklassierte Senna nahezu die gesamte Fahrerriege beim Großen Preis von Monaco am 3. Juni 1984. Unter widrigsten Bedingungen holte er Runde um Runde auf den führenden Alain Prost auf, während sich andere Fahrer von der Strecke drehten. Das Rennen wurde aber aufgrund des Regens bereits nach 31 von 77 Runden abgebrochen. Senna wurde Zweiter.
Erst im Lotus fuhr Senna seinen ersten von insgesamt 41 Grand-Prix-Siegen ein. Das war im zweiten Rennen der Saison 1985 im portugiesischen Estoril. Damals überrundete der entfesselt fahrende Pole-Setter Senna das gesamte Feld, abgesehen vom zweitplatzierten Michele Alboreto. Doch auch der Ferrari-Pilot kam erst mehr als eine Minute nach Senna ins Ziel.
Mit Lotus gelangen Senna bis 1987 fünf weitere Siege, der letzte am 21. Juni 1987 beim Grand Prix der USA in Detroit vor seinem Landsmann Nelson Piquet und seinem späteren Teamkollegen bei McLaren, Alain Prost.
1988 wechselte Senna zu McLaren und an die Seite des Formel-1-Weltmeisters von 1985 und 1986, Alain Prost (links im Bild). Prost und Senna wurden zu Erzrivalen. Nicht nur auf der Strecke krachte es zwischen beiden. Ihre Fehde war medial immer wieder Thema. Ein Interview von Prost über Senna sollte den Bogen schließlich überspannen und die Beziehung zwischen beiden über Jahre hinweg vergiften.
Prost wechselte nach den aufregenden Titelschlachten mit Senna schließlich zur Saison 1991 zu Ferrari. Senna blieb bei McLaren und wurde noch zwei Mal Weltmeister.
Mit dem jungen, aufstrebenden Michael Schumacher (Mitte) kam 1991 ein ernstzunehmender Gegner hinzu. Ein paar Mal gerieten die beiden aneinander - auf der Rennstrecke und verbal. Senna soll gesagt haben, dass einer kommen würde, der all seine Rekorde auslösche, nur nicht solange er noch fahre ... Als Schumi im September 2000 seinen 41. Grand-Prix-Sieg feierte und damit Sennas Bestmarke einstellte, weinte der Kerpener vor laufenden Kameras hemmungslos.
Die Ursache für den Unfall wurde nie eindeutig geklärt, obwohl der damalige Chefdesigner Adrian Newey 20 Jahre später zugab, sich "bei der Aerodynamik verrechnet" zu haben. Zur Rechenschaft aber wurde aus Sennas damaligem Rennstall niemand gezogen. Für viele war der Tod Sennas ein Schock. Bis heute gilt er als einer der charismatischsten und besten Rennfahrer aller Zeiten. Das Rennen in Imola gewann Schumacher - und am Ende der Saison auch den ersten WM-Titel nach Sennas Tod.