• Der frühere Formel-1-Rennleiter Michael Masi arbeitet nicht länger für den Automobil-Weltverband Fia.
  • Die Trennung erfolgte offiziell in beiderseitigem Einvernehmen.
  • Masi hat erstmals seit dem kontroversen Saisonfinale von Abu Dhabi gesprochen – und verraten, dass er Morddrohungen erhielt.

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Sein Abschied aus der Formel 1 verlief am Ende geräuschlos. Im Februar wurde Michael Masi zunächst als Rennleiter der Motorsport-Königsklasse abgesetzt. In dieser Saison wechseln sich der Deutsche Niels Wittich und der Portugiese Eduardo Freitas in der Rolle ab. Kürzlich war es dann nur noch eine kleine Notiz des Automobil-Weltverbandes Fia, dass Masi den Verband komplett verlässt. Der Mann, der beim kontroversen WM-Finale 2021 in Abu Dhabi und auch anschließend noch lange eine bittere Hauptrolle spielte, ist zurück in seiner Heimat Australien – und macht mit einem Geständnis betroffen.

Denn Masi bekam nach seinen viel diskutierten Entscheidungen, die Max Verstappen in dem legendären letzten Saisonrennen zum Titel verhalfen, die volle Breitseite des Online-Hasses ab. Leider ist das in der heutigen Zeit nicht einmal mehr eine große Überraschung. Williams-Pilot Nicholas Latifi, der in dem Rennen mit seinem Unfall die entscheidende Safety-Car-Phase ausgelöst hatte, machte ähnliche Erfahrungen.

Der Unterschied: Latifi schrieb noch im Dezember einen offenen Brief, Masi geht jetzt erst mit seinen Erlebnissen an die Öffentlichkeit. Zu einer Zeit, in der die Formel 1 übrigens inzwischen auch an der Strecke immer öfter mit ausfälligen Fans zu kämpfen hat.

Masi: "Es waren dunkle Tage"

"Es waren dunkle Tage, ich fühlte mich wie der am meisten gehasste Mann auf dem Planeten", sagte Masi dem Daily Telegraph in Australien: "Ich erhielt Morddrohungen, die sich gegen mich und meine Familie richteten." Masi hat angesichts der Wucht der sozialen Medien sogar noch das "Glück", dass er nicht auf Instagram und Twitter ist, dementsprechend bekam er weniger Hass und Hetze ab. Doch sein Facebook-Account reichte völlig aus, um ihm noch in der Nacht nach dem Rennen komplett den Boden unter den Füßen wegzuziehen.

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"Die Nachrichten waren rassistisch, beleidigend, gemein, ich erhielt jedes Schimpfwort, das man sich vorstellen kann. Leute haben geschrieben, sie würden mich und meine Familie jagen", sagte er. So wie sich die Diskussionen rund um das strittige Saisonfinale in der Folgezeit wochenlang in den Schlagzeilen hielten, blieb auch der Hass gegen Masi. Man darf dabei nicht vergessen: Immer wieder wurde er von den Beteiligten – zum Beispiel von Mercedes-Teamchef Toto Wolff – öffentlich kritisiert, das Thema wurde so stets neu angefacht.

Das Thema hielt sich in den Schlagzeilen

Der Protest der Silberpfeile, der mögliche Einspruch gegen Verstappens WM-Titel, die emotionale Pressekonferenz von Wolff, der drohende Rücktritt von Lewis Hamilton und die Untersuchung der Fia sorgten dafür, dass Masi immer wieder aufs Neue angegangen wurde – während er selbst kein Wort verlor, sich nicht verteidigte, sondern stattdessen einsteckte. "Nicht nur auf Facebook, sondern auch auf meinem LinkedIn-Konto, das ja eigentlich für berufliche Kontakte gedacht ist. Die gleiche Art von Verunglimpfung", sagte Masi.

Der 44-Jährige, der 2019 die Nachfolge des verstorbenen Charlie Whiting antrat, versuchte, das Ganze zu ignorieren und sein Leben weiterzuleben, "denn sonst gerätst du an sehr dunkle Orte", sagte er. Er sprach nur mit wenigen Menschen über die Nachrichten. "Ich wollte meine Familie und Freunde nicht beunruhigen. Ich habe das alles absichtlich heruntergespielt", so Masi.

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Doch die Hetze hatte da schon längst Spuren hinterlassen. Bereits kurz nach dem WM-Finale ertappte er sich in London dabei, wie er in gewisser Weise paranoid wurde. "Ich sah in Gesichter und fragte mich, ob das nun eine jener Personen ist, die gesagt hatte, dass sie mich jagen würden. Das Ganze war vor allem mental schwierig, aber es wirkte sich auch auf meinen Körper aus. Ich wollte nur noch alleine sein."

Der Hass macht ihn stärker

Professionelle Hilfe nahm er in der Zeit nicht in Anspruch, was er rückblickend besser getan hätte, wie er zugibt. Doch er kämpfte erfolgreich gegen die Folgen an. "Zum Glück habe ich gute Menschen um mich herum, die mich auffingen. Die letzten Monate haben mich stärker gemacht", sagte Masi, der in Australien bleiben und dort seine Erfahrungen aus den letzten Jahren einbringen möchte. Am Ende war es ein geräuschloser Abschied aus der Formel 1 – nur für Masi selbst nicht.

Verwendete Quelle:

  • The Daily Telegraph: Michael Masi reveals death threats and abuse after Abu-Dhabi
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