Es rumpelt im Vorstand der Wiener Austria: Jürgen Werner legt sein Amt mit sofortiger Wirkung nieder. Er will dem Klub aber trotzdem erhalten bleiben.

Jürgen Werner hat überraschend seine Funktion als Sportvorstand der Wiener Austria zurückgelegt. Wie der Fußball-Bundesligist am Mittwoch mitteilte, trat Werner auf eigenen Wunsch und mit sofortiger Wirkung zurück.

"Das haben Gespräche innerhalb der Clubführung rund um die künftige strategische Ausrichtung von Austria Wien ergeben", hieß es in einer Mitteilung. Der Oberösterreicher werde sich nun auf die Rolle des Investors und Mitgesellschafters bei den Veilchen fokussieren.

"Austria Wien hat sich zu einem Herzensprojekt entwickelt, dem ich auch weiterhin in meiner Rolle als Investor und Mitgesellschafter eng verbunden bleiben werde."

Jürgen Werner

"Ich glaube, dass es in der derzeitigen Phase des Klubs der richtige Schritt ist, mich als Sportvorstand zurückzuziehen und so den Druck von der Mannschaft und vom Klub zu nehmen. Austria Wien hat sich zu einem Herzensprojekt entwickelt, dem ich auch weiterhin in meiner Rolle als Investor und Mitgesellschafter eng verbunden bleiben werde", wurde Werner in einer Aussendung zitiert.

Finanzchef Harald Zagiczek wird vorerst alleiniger Vorstand bleiben und übernimmt die Gesamtverantwortung der FK Austria Wien AG.

Werner will Abstand gewinnen

Der Verein betonte, dass nun "die Basis für eine nachhaltige Struktur im Sport" geschaffen werden solle. "Die daraus resultierenden Ergebnisse hinsichtlich Konzeption und Struktur werden anschließend präsentiert."

Werner kündigte an, seine Agenden in den kommenden Tagen innerhalb der bestehenden Strukturen um Sportdirektor Manuel Ortlechner zu übergeben. "Anschließend werde ich versuchen, ein bisschen Abstand zu gewinnen, aber natürlich trotzdem mit Rat und Tat zur Seite zu stehen", sagte der 63-Jährige.

Außerdem zeigte er sich zuversichtlich, dass die Austria in der derzeitigen Krise den Turnaround schaffen werde. "Wir haben einen starken Kader zusammengestellt, der sein Potenzial noch nicht ausschöpfen konnte, aber ich habe volles Vertrauen in die Mannschaft."

Die Austria hatte am Sonntag mit dem Heim-1:3 gegen Hartberg die dritte Liga-Niederlage in Serie kassiert und ist mit nur einem Punkt aus vier Runden derzeit Tabellenvorletzter. Auf den Tribünen hatten die violetten Anhänger lautstark den Abgang Werners gefordert.

Kurt Gollowitzer bedankte sich für Werners Engagement und zollte ihm Respekt. "Sich als Sportvorstand zurückzuziehen, um den Druck von der Mannschaft zu nehmen, ist unüblich in der Branche, zeugt aber von seiner menschlichen Größe", sagte der Austria-Präsident. "Ohne Jürgen und viele weitere Unterstützer hätte Austria Wien gar nicht die Möglichkeit gehabt, wirtschaftlich zu überleben."

Zukunft von Stephan Helm ist unklar

Werner war Anfang 2022 mit der Investorengruppe WTF bei der Austria eingestiegen und rettete den Verein damit vor dem finanziellen Kollaps. Ein Jahr später wurde er zum Sportvorstand der Violetten ernannt.

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Hinter den Kulissen rumort es bei den Veilchen immer wieder, es herrscht ein Machtkampf zwischen der Gruppe um den ehemaligen Spielervermittler Werner und vermögenden Austria-Gönnern auf der anderen Seite.

Ob Stephan Helm am Sonntag im letzten Heimspiel vor der Länderspielpause gegen Altach auf der violetten Trainerbank sitzen wird, ist offen. Laut Medienberichten gilt der frühere LASK-Trainer Markus Schopp, der nach seiner Entlassung im April noch einen Vertrag bis 2027 bei den Linzern hat, als Nachfolgekandidat. (APA/bearbeitet von ank)