• Wäre es nach Oberbürgermeister Peter Feldmann gegangen, so hätte es den triumphalen Empfang der Frankfurter Fußballhelden nach dem sensationellen Triumph in der Europa League nicht gegeben.
  • Der Vorstandssprecher enthüllt den skandalösen Vorgang hinter den Kulissen.

Mehr Bundesliga-Themen finden Sie hier

Eintracht Frankfurts Spitzenfunktionär Axel Hellmann hat bei der Mitgliederversammlung des Vereins Oberbürgermeister Peter Feldmann öffentlich gerügt

Der Vorstandssprecher der Fußball AG verriet am Montagabend Details vom Empfang der Stadt am 19. Mai nach dem Europa-League-Sieg der Eintracht von Sevilla. So soll der SPD-Politiker versucht haben, den Autokorso für die Mannschaft zu verhindern, "weil er selbst nicht dazu eingeladen war", sagte Hellmann.

OB Feldmann nahm Rode und Glasner einfach den Uefa-Pokal weg

Feldmann hatte viel Kritik geerntet, weil er Kapitän Sebastian Rode und Trainer Oliver Glasner den Pokal kurz vor Betreten des Kaisersaals im Römer entrissen hatte. Hellmann sprach von einer "wirren Rede" Feldmanns und betonte: "Es geht mir um das Gesamtbild, das er in der Rolle als Oberbürgermeister abgegeben hat."

Feldmann habe alles versucht, um die Ankunft der Mannschaft mit dem Pokal nicht zum feierlichen Moment für diese und den Klub werden zu lassen, sondern die Ehrung für sich zu nutzen. "Das ist Ausdruck eines komplett falschen Amtsverständnisses", so Hellmann weiter.

Eintracht Frankfurt gewinnt Europa-League-Finale

Eintracht Frankfurt ist Europa-League-Sieger. Mit dem Triumph von Sevilla endet für den Traditionsverein eine 42 Jahre lange internationale Durststrecke. Entsprechend groß sind die Glücksgefühle bei der Mannschaft und den Fans.

Axel Hellmann: "Peter Feldmann geht es nur um seine eigene Inszenierung"

Bis heute habe sich Feldmann nie zu den Vorfällen geäußert oder sich entschuldigt und nur halbherzig von Missverständnissen gesprochen. "Wir werden uns nicht in parteipolitische Debatten einmischen", sagte Hellmann. "Aber eins darf man von einem OB erwarten: Dass er die Stadt in großen Momenten würdig und stilvoll vertritt und nicht allein um seine Inszenierung bemüht ist." In Frankfurt werben derzeit die großen Parteien mit einer gemeinsamen Kampagne für ein Ende der Ära Feldmann.

Sollte jedoch der Bürgerentscheid zur Abwahl des umstrittenen Oberbürgermeisters am 6. November scheitern, will der 63-Jährige nun doch bis 2024 im Amt bleiben. In diesem Fall werde er "seine Pflichten bis zum Ende der Amtszeit erfüllen", teilte Feldmann am späten Montag mit. Die Entscheidung über den Amtsverbleib liege ausschließlich in den Händen der Frankfurter.

Peter Feldmann ist von seinem Rücktrittsangebot zurückgetreten

"Ein anderes Prozedere ließe sich aus einem solchen direkt-demokratischen Ergebnis nicht rechtfertigen", führte Feldmann weiter aus. Im Zuge der Debatte um seine Person hatte er zuvor seinen Rücktritt zum 31. Januar 2023 angeboten. "Ich werde im Januar 2023 ein geordnetes Haus übergeben", teilte er im Juli mit. Damals wählte die Stadtverordnetenversammlung den 63-Jährigen in einer Sitzung mit breiter Mehrheit ab. Eine einwöchige Frist, diese Entscheidung zu akzeptieren, ließ er verstreichen. Schon nach der Abstimmung hatte er angekündigt, die Entscheidung nicht annehmen zu wollen.

Am 18. Oktober beginnt vor dem Frankfurter Landgericht ein Prozess im Zusammenhang mit Betrugsvorwürfen und überhöhten Gehälter bei der Arbeiterwohlfahrt (AWO) gegen den Oberbürgermeister. Im März erhob die Staatsanwaltschaft Anklage. Feldmanns frühere Lebensgefährtin und spätere Ehefrau soll als Leiterin einer deutsch-türkischen Kita zu viel Geld und einen Dienstwagen erhalten haben. Die Anklage wirft Feldmann vor, dass dieses Arbeitsverhältnis ab 2014 aufgrund seiner Stellung als Oberbürgermeister geschlossen worden sei. (dpa/AFP/hau)  © dpa