• Der Profisport poltert nach der Verkündung schärferer Corona-Maßnahmen.
  • Als Infektionstreiber sieht sich die Fußball-Bundesliga nicht.
  • Zwei Sportarten trifft der Zuschauerausschluss besonders hart.

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66.365 leere Plätze beim Gipfeltreffen zwischen Borussia Dortmund und dem FC Bayern, Geisterspielflut im Eishockey und Basketball - nur auf St. Pauli steigt nochmal eine letzte große Fan-Party: Bis zu 30.000 Menschen werden am Samstagabend zum Spitzenspiel der 2. -Bundesliga gegen Schalke 04 ans Millerntor pilgern.

Es wird in Deutschland das letzte auch nur annähernd volle Stadion des Jahres bleiben. Denn auch in Hamburg gelten die beim Bund-Länder-Gipfel beschlossenen Zuschauer-Restriktionen dann ab Montag - und die bringen die Profivereine auf die Palme.

Union-Präsident kritisiert Entscheidung - Watzke schließt sich an

Egal ob Fußball, Handball, Eishockey oder Basketball - die finanziellen Sorgen nehmen zu und damit auch das Unverständnis. "Wir regen uns über volle Stadien auf, aber nicht über lange Schlangen an Impfzentren", polterte Union Berlins Präsident Dirk Zingler.

"Nicht der Profifußball ist das Problem, sondern dass wir in der Pandemie 30.000 Pflegekräfte und 6.000 Betten verloren haben." Der Staat solle "bitte zuerst seine Hausaufgaben machen und erst dann bei den Menschen die Grundrechte einschränken".

Corona-Zutrittsregeln
Corona-Zutrittsregeln

Auch BVB-Boss Hans-Joachim Watzke betonte, dass Fußballspiele "keine Infektionstreiber" seien. Zwar könne er eine Reduzierung der Zuschauerzahlen nachvollziehen, jedoch sei es wichtig, "dass man bei aller Ernsthaftigkeit der Situation eine Politik von Maß und Mitte wahrt und nicht nur mit Populismus agiert, um von eigenen Versäumnissen abzulenken". Höchstens 15.000 Zuschauer bei einer Auslastung von maximal 50 Prozent sind nach Beschluss des Bund-Länder-Gipfels in Stadien noch zulässig.

So auch beim Spitzenspiel am Samstag (18:30 Uhr/LIVE bei uns im Ticker) in Dortmund. "Grundsätzlich fehlen Zuschauer immer", sagte Bayern-Trainer Julian Nagelsmann.

"15.000 in Dortmund können aber auch sehr, sehr laut sein." Bei den kommenden Heimspielen muss er sich dagegen auf Totenstille einstellen. Im Bundesland Bayern wird es ebenso wie in Sachsen und Baden-Württemberg Geisterspiele geben.

"Symbolpolitik": Harte Vorwürfe gegen Politik

"Es ist für viele nicht mehr nachvollziehbar, dass bestimmte Bereiche des Lebens das Fehlverhalten von politischen Verantwortungsträgern jetzt ausbaden sollen", monierte Augsburgs Geschäftsführer Michael Ströll. Es gehe darum, so Stuttgarts Vorstand Thomas Hitzlsperger, "den organisierten Sport wieder als Teil der Lösung und nicht als Problem wahrzunehmen".

Noch größere Probleme als auf die Fußballvereine kommen wohl auf die großen Hallensportarten zu. Dort dürfen unter der 2G-Regelung maximal 5.000 Zuschauer bei einer Auslastung von 30 bis 50 Prozent in die Arenen.

Viele Bundesländer haben dazu bereits einer Verschärfung auf 2G-Plus angekündigt. Frank Bohmann, Geschäftsführer der Handball-Bundesliga (HBL), wirft den Regierenden "viel Aktionismus" und "Symbolpolitik" vor. Gerade bei der Anordnung der Geisterspiele in drei Bundesländern zweifle er "an der Verhältnismäßigkeit", sagte er der "Sportschau".

Zuschauerausschluss trifft Basketball und Eishockey besonders hart

Besonders trifft die Entscheidung Bayerns, Baden-Württembergs und Sachsens aber die Basketball Bundesliga (BBL) und die Deutsche Eishockey Liga (DEL). Genau die Hälfte der Erstligisten im Basketball und acht der 15 Teams in der DEL kommen aus diesen drei Bundesländern.

Die Situation sei laut BBL-Geschäftsführer Stefan Holz wirtschaftlich bedrohlicher als in der Vorsaison, weil damals mit den fehlenden Zuschauereinnahmen schon kalkuliert worden war. "Das Schlimmste, was es für einen wirtschaftlichen Betrieb gibt, sind unklare Rahmenbedingungen", sagte Holz.

Dazu befürchte er, dass an den Spielorten mit 2G-Plus wegen knapper Testkapazitäten "die 30 Prozent vermutlich gar nicht ausgeschöpft werden können". (afp/msc)

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