Uli Hoeneß wird beim FC Bayern nicht länger das Amt des Präsidenten und Aufsichtsratsvorsitzenden ausüben. In der ARD-Doku "Der Bayern-Boss: Schlusspfiff für Uli Hoeneß" verrät er, dass nicht die Zeit im Gefängnis die schlimmste seines Lebens war und erklärt, warum er im Zuge der Steuer-Affäre nicht in Revision gegangen ist.

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"Das war’s noch nicht!" Die Worte von Uli Hoeneß auf der außerordentlichen Bayern-Hauptversammlung am 2. Mai 2014 sind legendär, ja beinahe geschichtsträchtig. Kurz darauf trat der Bayern-Macher eine Haftstrafe an. Der Grund: Steuerhinterziehung in Millionenhöhe. Dass Hoeneß zurückkehren würde? Damals undenkbar! Und doch behielt der heute 67-Jährige recht - wieder einmal.

Hoeneß wurde im Februar 2016 vorzeitig entlassen. Im Mai des selben Jahres kehrte er zurück auf den Thron an der Säbener Straße. Wer jedoch denkt, die Zeit im Gefängnis sei die schlimmste in Hoeneß’ Leben gewesen, irrt. Vielmehr hat Hoeneß die Zeit bis zum Prozess in noch schlimmerer Erinnerung, wie er nun in der ARD-Dokumentation “Der Bayern-Boss: Schlusspfiff für Uli Hoeneß” verraten hat.

Hoeneß betont: "Das wollte ich meiner Familie nicht mehr antun"

"So verrückt das jetzt klingen mag: Die Zeit im Gefängnis war nicht so schlimm wie die Zeit zwischen Bekanntgabe der Hausdurchsuchung und dem Prozess, weil ich da quasi das Haus nicht mehr habe verlassen können, ohne dass ein, zwei, drei, vier, fünf Journalisten, Fotografen, Kameraleute mein Haus belagert haben", erklärt Hoeneß und schiebt nach: "In dieser Zeit hatte ich keine Ruhe, keine Sekunde."

Das sei auch der Hauptgrund gewesen, warum er nach dem Gerichtsurteil nicht in Revision gegangen ist. "Das wollte ich meiner Familie nicht mehr antun." In dem Moment, wo Hoeneß seine Haftstrafe antrat, "hatte wenigstens meine Familie Ruhe. Ich hatte mit der ein oder anderen Zeitung einen Deal, dass sie wenigstens in dieser Zeit meine Familie in Ruhe lassen. Das war mir viel wert."

Rummenigge über die Hoeneß-Rückkehr: "Wäre nicht Uli-Hoeneß-like gewesen"

Sein langjähriger Weggefährte und heutiger Bayern-Boss Karl-Heinz Rummenigge verrät: "Das hat ihn ganz schön sprachlos gemacht und ich hab’ ihn selten sprachlos erlebt. Damals in der Zeit, das war sicherlich die bitterste Stunde, die er in seinem Leben erleben musste."

Und auch Hoeneß bestätigt: "Mit meiner Selbstanzeige war natürlich, als die Hausdurchsuchung bekannt wurde, Polen offen. Das war klar." Dennoch kehrte er in der Hauptrolle beim FC Bayern auf die große Fußballbühne zurück. Schon auf der Hauptversammlung vor dem Gang ins Gefängnis befürchtete Hoeneß Anfeindungen durch die eigenen Fans. Er irrte.

"Ich wusste nicht, wie sie reagieren werden. Beleidigen sie mich? Und ich gehe in diesen Raum und da stehen tausende Menschen auf", schwärmt der 67-Jährige heute. Auch für Rummenigge war damals schon klar: "Er will so nicht abtreten. Das wäre wahrscheinlich auch nicht Uli-Hoeneß-like gewesen."

Hoeneß tritt beim FC Bayern einen Schritt zurück

Nun wird Hoeneß beim FC Bayern aber doch kürzer treten. Das Geschäft ist schnelllebiger, digitaler geworden. Selbst ein Uli Hoeneß hat damit so seine Probleme. Am 15. November findet die Jahreshauptversammlung des FC Bayern statt, Hoeneß wird nicht wieder für die Präsidentschaft kandidieren. Auch seinen Vorsitz im Aufsichtsrat gibt er ab.

Und dennoch: Es ist davon auszugehen, dass Hoeneß auch in Zukunft seinen geliebten Klub in Rot unterstützen wird. Sein Satz vom 2. Mai 2014 hat also weiter Bestand: "Das war’s noch nicht!" Noch nicht ganz.

Oder wie er selbst sagt: "Eines ist sicher: Mir wird nicht langweilig und ich werde meiner Frau nicht auf die Nerven gehen."

Verwendete Quelle:

  • ARD: Der Bayern-Boss: Schlusspfiff für Uli Hoeneß vom 04.11.2019
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