Ihre Vereinstreue, Begeisterung und Reiselust haben Eintracht Frankfurts Fans in ganz Europa bekannt gemacht. Sie werden aber auch gefürchtet. Erst recht nach dem, was in Neapel vorgefallen ist. Die geschockte Vereinsspitze distanziert sich davon, nimmt den eigenen Anhang aber auch in Schutz.

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Eintracht Frankfurts Vorstandsmitglied Philipp Reschke hat die Ausschreitungen vor und nach dem Champions-League-Spiel bei der SSC Neapel auf das Schärfste verurteilt.

"Wir bedauern die Vorfälle außerordentlich, die sich hier ereignet haben. Diese Gewalt ist durch absolut Nichts zu rechtfertigen. Wir mögen sie vielleicht alle befürchtet haben, aber sie ist und bleibt nicht hinnehmbar", sagte Reschke am Tag nach dem 0:3 und noch vor der Abreise der Mannschaft. "Das ist keine Sache, die hierhin gehört. Das können wir nicht gutheißen", kritisierte auch Frankfurts Sportvorstand Markus Krösche die Vorfälle.

Oliver Glasner verurteilt Gewalt, "egal wo und wann"

Trainer Oliver Glasner hatte sich nach dem Spiel ähnlich geäußert: "Ich verurteile jegliche Form von Gewalt und Kriminalität. Egal, wo und wann das passiert auf der Welt. Deshalb heiße ich das nicht gut."

Frankfurts Trainer Oliver Glasner während des Champions-League-Spiels in Neapel am 15. März 2023
Frankfurts Trainer Oliver Glasner schaut während des Champions-League-Rückspiels im Achtelfinale in Neapel am 15. März 2023 skeptisch drein. Seine Mannschaft unterliegt nach dem 0:2 im Hinspiel diesmal mit 0:3.

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Die Gewalt, die sich bei Straßenschlachten rund um die Partie am Mittwochabend entfesselt hatte, habe weitreichende Auswirkungen. "Sie schadet dem Fußball, sie schadet Eintracht Frankfurt, und sie schadet unseren Bemühungen, uns für die Rechte aller Fans, die hier gerne ein Fußballspiel ohne Repressionen und Erlasse im Stadion gesehen hätten, einzusetzen", betonte Reschke.

Polizei: Neapels Fans haben jene aus Frankfurt angegriffen

Die Polizei habe dem Verein gegenüber zwar bestätigt, dass der Angriff in der Stadt von Neapel-Fans ausging. "Aber auch das rechtfertigt nicht, was sich danach auf beiden Seiten an Gewaltpotenzial entlud", kritisierte Reschke. Seinen Angaben zufolge habe es zumindest keine Verletzten gegeben. Dies habe die Polizei bestätigt.

Markus Krösche und Philipp Reschke arbeiten in der Vereinsspitze von Eintracht Frankfurt
Eintracht Frankfurts Sportdirektor Markus Krösche (l.) und Vorstandsmitglied Philipp Reschke (r.) während des Abschiedsspiels für Vereins-Legende Alex Meier am 31. August 2022. Beide Funktionäre verurteilen sieben Monate später die Ausschreitungen vor dem Spiel der Eintracht im Rahmen des Champions-League-Achtelfinals in Neapel.

Bei den Zusammenstößen warfen die Hooligans unter anderem Steine, Leuchtraketen, Tische und Stühle auf die gegnerischen Fans und auf die Polizei. Die Beamten setzten Tränengas ein. Ein Polizeiauto wurde in Brand gesteckt, etliche Außenbereiche von Bars und Restaurants verwüstet.

Frankfurts Schmähgesänge reizen Neapels Tifosi

Nach einer ersten Rekonstruktion italienischer Medien war die Lage am Nachmittag eskaliert, als Napoli-Fangruppen an der zentralen Piazza del Gesù Frankfurter Anhänger und Polizisten angriffen. Die Eintracht-Ultras waren zuvor gemeinsam durch die Stadt marschiert und hatten dabei provozierende Gesänge gegen Neapel angestimmt.

Aufräumarbeiten in der Innenstadt Neapels am 16. März 2023 nach dem Gastspiel der Frankfurter Fans
Am Tag nach dem Champions-League-Gastspiel Eintracht Frankfurts in Neapel ist am 16. März 2023 rund um die Piazza de Gesù Aufräumen angesagt. Randalierend und zündelnd zogen zahlreiche Fans der Hessen am Tag des Achtelfinalrückspiels am 15. März 2023 durch Neapel.

Galerie: Frankfurter Fans verwüsten Teile Neapels

Nach Angaben Reschkes seien in der Nacht drei Eintracht-Fans festgenommen worden. Laut italienischen Medienberichten soll es insgesamt sieben Festnahmen gegeben haben. Die Frankfurter Ultras seien nach den gewalttätigen Zusammenstößen bis zum Donnerstagvormittag großteils aus der Stadt gebracht worden. Die gewaltbereiten Fans wurden in der Nacht und am frühen Morgen mit Sonderbussen und unter Polizeischutz zum Flughafen von Neapel sowie nach Salerno und Rom gebracht.

Reschke: "Das Ticketverbot hat die Atmosphäre vergiftet"

Reschke übte zudem Kritik an den italienischen Sicherheitsbehörden, die durch das zuvor erlassene Ticketverbot für Eintracht-Fans zur Eskalation beigetragen hätten. Man habe dadurch Tausende Anhänger verprellt und die ohnehin schon angespannte Atmosphäre vergiftet. "Alles war vorbereitet und organisiert, vom Fan-Meeting-Point, über die Transporte etc. Diese Ordnung wurde gegen Improvisation und Chaos eingetauscht", sagte Reschke. "Das rechtfertigt nichts, aber es gehört mit zur Geschichte." (dpa/hau)