Wenn im Fußball alle, wirklich alle gleich gefördert werden würden, dann können wir den Vergleich mit "Equal Leistung" ansetzen. Aber eine gleiche Bezahlung ist nicht die Konsequenz von gleicher Leistung, sondern vielmehr ein Parameter der gleichen Förderung für alle.

Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht von Petra Tabarelli (FRÜF) dar. Informieren Sie sich, wie unsere Redaktion mit Meinungen in Texten umgeht.

Sollten alle, die Fußball auf gleichem Niveau spielen – sei es beispielsweise Bundesliga oder Nationalteam – auch gleichsam entlohnt werden? Einige europäische Verbände bejahten die Frage vor einem Jahr im Vorfeld der EM 2022, der DFB hielt und hält sich jedoch zurück.

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DFB-Vizepräsidentin Sabine Mammitzsch sagte im Juli 2022 in einem Interview mit dem Deutschlandfunk, dass Fußball der Frauen in England dank des eingesetzten Geldes weiter sei als in Deutschland. Gleichzeitig betonte sie, dass die deutschen Spielerinnen mit einer EM-"Prämie von 60.000 Euro super zufrieden" seien, weil es mehr sei als beim letzten Mal und außerdem so viel wie in keinem anderen Verband, der an der EM 2022 teilnahm.

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Über Equal Pay kann man gerne bei "Equal Einnahmen" reden

Die Freude der Spielerinnen über die weitaus höhere Prämie als zuvor ist durchaus verständlich. Vermutlich jeder Mensch freut sich über eine weitaus höhere Prämie für gute Leistung. Aber das ist eben auch die Krux: Es ist eine Einmalzahlung, eine einmalige Wertschätzung. Man könnte auch böse sagen: eine Eintagsfliege.

Muss man die Entlohnung von den Einnahmen abhängig machen? Dann wird sich nie etwas ändern, denn hier beißt sich die Katze in den Schwanz. Tatsächlich führt nur eine bessere Förderung zu Veränderung. Das zeigt auch der Rückblick auf den Beginn des Profifußballs: Ab den 1860er-Jahren entstanden Werksvereine als sportlicher Ausgleich für die malochenden Arbeiter.

Einige Fabrikbesitzer verdienten sich damit eine goldene Nase, denn sie förderten die richtig guten Spieler ihrer Vereine. Da eine Bezahlung fürs Fußballspielen verboten war, erhielten die Arbeiter weiterhin nur ihren Arbeitslohn, mussten aber weniger als andere arbeiten und konnten die Freizeit fürs Trainieren nutzen. Das Amateurprinzip wurde unterspült. Eine ähnliche Entwicklung sehen wir im Deutschland der 1920er-Jahre.

Erst fördern, dann verdienen

In England wurde der professionelle, also bezahlte, Fußball 1885 möglich; die Spirale des modernen Fußballs begann sich zu drehen: Clubs kauften gute Spieler in der Hoffnung, damit erfolgreicher zu spielen und damit mehr Einnahmen durch mehr Zuschauer*innen zu generieren, um damit noch bessere Spieler zu kaufen und so weiter. Und damit die teuer bezahlten Spieler noch besser werden, mussten sie so gut entlohnt werden, dass sie möglichst viel Zeit fürs Training haben.

England war Ende des 19. Jahrhunderts im Fußball der Männer weiter als viele Verbände im Fußball der Frauen Anfang des 21. Jahrhunderts.

Veränderung durch stetige Förderung

Genau deswegen muss man an den sinnvollen Schrauben drehen - und das bedeutet Förderung. Ja, das kostet Zeit und auch Geld. Aber so ist das nun mal: Bevor eine Blume eine schöne Blüte trägt, muss immer erst der Boden bestellt werden.

Mal ganz einfach und plakativ gesagt: Man muss erstmal Geld ausgeben oder sich die Mühe machen, Samen zu sammeln, damit man ihn säen kann. Aber damit nicht genug, denn was wird aus Samen ohne Pflege? Es braucht dauerhafte, regelmäßige und ausreichende Pflege, erst dann entsteht eine Pflanze.

Es ist kein Sprint, sondern ein Marathon

Ist die Pflanze dann mal da, hat man automatisch neuen Samen und nach einigen Runden wird daraus ein Perpetuum mobile. Aber bis es wo weit ist, muss man etwas investieren.

Übertragen auf den Fußball heißt das, dass alle die gleichen Voraussetzungen brauchen, etwa Professionalisierung und Betreuungsangebot für die Familie, und dauerhafte, regelmäßige und ausreichende Trainingsmethoden und Trainingsangebot vorfinden. Dadurch werden die Fußballspielerinnen noch besser, erfolgreicher, locken mehr Menschen zu ihren Spielen und generieren dadurch mehr Einnahmen für den Verein.

Eigentlich ist es ganz einfach. Equal Pay ist keine Konsequenz der gleichen Leistung, sondern macht gleiche Leistung erst möglich.

Verwendete Quellen:

  • deutschlandfunk.de: Entwicklung im Frauenfußball: "Wir sind auf einem guten Weg"
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