Fünf Jahre nach dem Ende seiner Karriere als Fußball-Profi hat Thomas Beattie sein Coming-out. Der 33-jährige Engländer erlebte die besten Jahre seiner Laufbahn in Singapur. Seine Botschaft an den Profifußball ist unmissverständlich.

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Thomas Beattie hat sich fünf Jahre nach dem Ende seiner Karriere als Fußballprofi von einer seelischen Last befreit. In einem Interview mit dem US-amerikanischen Sportsender ESPN hat er sein Coming-out. "Ich bin vieles, und eines davon ist, schwul zu sein", erzählte der Engländer.

In seiner Heimat hatte Beattie die Jugendabteilung des früheren Premier-League-Klubs Hull City durchlaufen, setzte sich aber im Profibereich auf der britischen Insel nicht durch.

Thomas Beattie wurde ein Star in Singapurs Fußball

Beattie nahm den Umweg über Singapur. Dort heuerte er zu Anfang 2013 beim Hougang United FC an. Zwölf Monate später wechselte der offensive Mittelfeldspieler zum Rekordmeister und Rekordpokalsieger Warriors FC.

Beattie spielte kontinental auf höchstem Niveau, nahm an der asiatischen Champions League teil. Doch er hatte ein Problem. "Ich bin für gewöhnlich ein sehr sozialer Mensch", schilderte Beattie im Gespräch mit ESPN, wie er sich plötzlich entgegen seiner Natur von den Teamkollegen zurückgezogen habe, "um Szenarien zu vermeiden, die mich verraten hätten".

Beattie tat das, was fast alle Fußball-Profis während ihrer Karriere getan haben: Er versteckte aus Angst vor der Reaktion von Verein, Fans und Medien seine sexuelle Orientierung. Er habe nie "die Option gespürt", gleichzeitig schwul und Profifußballer zu sein, sagte Beattie. Denn noch immer herrsche im Profifußball die Angst, ein schwuler Profi störe das Mannschaftsklima.

Beattie: "Freddie Mercury und Elton John lieben wir"

"In der Musik hingegen", zählte Beattie Gegenbeispiele auf, "lieben wir Freddie Mercury und Elton John." Auch in der Filmindustrie sei Homosexualität akzeptiert. "Tim Cook, der Apple-Chef, ist schwul. An diesen Personen stört sich niemand."

Beattie betonte, er verstehe, warum sich unentdeckte Fußball-Kollegen wie er dafür entschieden, während ihrer Karriere auf ein Coming-Out zu verzichten."Wenn du als junger Spieler niemanden über dir siehst, der wie du ist, dann besitzt du nicht das Selbstvertrauen, zu glauben, diese beiden Welten könnten nebeneinander existieren."

Beattie erinnerte an einen, der das Schweigen noch während seiner Laufbahn brach: Vor 30 Jahren hatte der frühere englische Junioren-Nationalspieler Justin Fashanu in der Zeitung "The Sun" bekannt gegeben, homosexuell zu sein. Fashanu schlug wenig Verständnis entgegen. Er spielte noch bis 1997 Fußball und beging im Jahr darauf Suizid.

Wenn Sie oder eine Ihnen nahestehende Person von Suizid-Gedanken betroffen sind, wenden Sie sich bitte an die Telefon-Seelsorge unter der Telefonnummer 08 00/ 11 10 - 111 (Deutschland), 142 (Österreich), 143 (Schweiz).

Beattie: Die neue Generation soll es einfacher haben

Beattie äußerte in einem Post auf Instagram seinen Wunsch, "für die kommende Generation" möge es "ein bisschen leichter sein", zu sich selbst zu stehen.

"Die wahre Herausforderung ist, es auszusprechen." Für ihn sei die Zeit gekommen, seine "Wahrheit zu leben. Ich bin ein Bruder, ein Sohn, ein Freund, und ich bin schwul."

Früherer DFB-Kapitän Thomas Hitzlsperger hatte sein Coming-out 2014

2013 hatte der US-Amerikaner Robbie Rogers, damals Profi bei Leeds United, sein Coming-out. Der Bayer Thomas Hitzlsperger, der erst in England in den Profifußball kam und später bis zum Kapitän der deutschen Nationalmannschaft aufstieg, entschied sich 2014, ein Jahr nach dem Ende seiner Karriere, seine sexuelle Orientierung öffentlich zu machen.

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