Eine passable erste Halbzeit reicht gegen Georgien um drei Punkte aus Tiflis zu entführen. Während zwar ansatzweise die spielerische Leichtigkeit der EM-Qualifikation zu sehen war, offenbarte vor allem die Defensive einige Schwächen.

  • 50. Länderspiel von Junuzovic, Alaba und Dragovic
  • Hinteregger und Janko schießen Österreich zum Auftaktsieg
  • Schöpf rettet auf der Linie
  • Georgier Kasaischwili mit Pech beim Stangenschuss
  • Mannschaft offenbart große Zweikampfschwächen

Highlights des Spiels

Eines der Highlights des Spiels war auf jeden Fall die Leistung des neuen ÖFB-Kapitäns Julian Baumgartlinger. Besonders in der ersten Hälfte war der Neu-Leverkusener sehr oft am richtigen Ort zu finden und ein Quälgeist für den Gegner. Die eigentlichen Höhepunkte vor der Pause waren aber die beiden Tore von Martin Hintergger, nach einstudierter Freistoßvariante in der 16. Minute (Assist Alaba) und Marc Janko nach Vorbereitung des starken Marko Arnautovics drei Minuten vor dem Halbzeitpfiff.

Insbesondere Jankos 27. Teamtreffer sollte sich aufgrund der schwachen Leistung in Halbzeit zwei als Gold wert erweisen. Ebenso erfreulich war die Rückkehr des Spielordners David Alaba, der in Halbzeit eins sich geschickt bei Ballbesitz nach hinten fallen ließ, um mehr Freiheiten beim Spielaufbau zu haben.

Der Einbruch des ÖFB-Teams nach der Pause führte nach einem Stangeschuss von Kasaischwili schlussendlich zum 1:2 in der 76. Minute durch Dschano Ananidze. Auch die Rettungsaktion auf der Linie von Schöpf in der 84. Minute war die Folge eines anhaltenden laschen Abwehrverhaltens nach Seitenwechsel. Der Schlusspfiff kam als Erlösung.

Der Star des Spiels

Würde man alleine die erste Halbzeit hernehmen, wäre es eine enge Wahl zwischen Torschütze Martin Hinteregger (stark im Stellungsspiel) und Marko Arnautovic, der mit seinen explosiven Sprints immer wieder für gefährliche Aktionen sorgte und auch Jankos Tor gefühlvoll vorbereitete. Da aber die zweiten 45 Minuten eklatante Fehler des Defensivverbunds aufzeigten, bleibt Arnautovic trotz einiger Ruhephasen hier eindeutig "Man of The Match".

Die Szene des Spiels

Manche nennen es einen Sonntagsschuss, andere sprechen da eher von einem Tor des Monats wenn sie das Tor von Ananidze beschreiben und dabei Kriegsrhetorik wie "Bombenschuss" oder "Granate" verwenden. Wie auch immer, Almer war bei diesem 30-Meter Schuss ohne Chance. Kuriosum: Rund um die 60. Minute musste die Polizei einschreiten, weil ein georgischer Besucher David Alaba bei einem Eckball mit Gegenständen bewarf. Der Mann wurde unmittelbar abgeführt.

Die Lehren des Spiels

Österreich musste beinahe dafür bezahlen, zu erfahren, dass eine zwei zu Null Führung noch nicht bedeutet, "die Katze im Sack" zu haben. Die erste Halbzeit konnte aufgrund der angenehmen Führung darüber hinwegtäuschen, dass Georgien als 118. der Weltrangliste bereits da zu oft zu gefährlich vor das österreichische Tor kam. Kollers Idee, auf beinahe die gleichen Spieler zu setzen, wie bei der EM, ging jetzt nicht nach hinten los, zeigte aber Problemfelder auf, die weniger fußballerisch limitierte Teams beinhart ausnützen werden. Man denke nur an Gareth Bale und Aaron Ramsey aus Wales.

Die rechte Angriffsseite war viel zu selten im Angriffsspiel aktiv und bot sich auch nur ungenügend als Alternative an. Martin Harnik wankte zwischen guten Aktionen und nervöser Unsicherheit hin und her, Florian Klein hingegen kam das eine oder andere Mal zu spät um den rechten Raum zu besetzen. Die linke Seite hatte zwar mit Arnautovic, der immer wieder zur Mitte zog, einen Aktivposten zu bieten, Markus Suttner allerdings ist mit dieser Leistung kein Kandidat für größere Aufgaben.

Viele Fans wünschen sich das dominante und spielsichere Österreich aus der Qualifikation zurück. Teilweise waren die Angriffe auch schön anzusehen, so mancher Ferserl-Trick gelang, mancher nicht. Querpässe erzeugten Gefahr. Was allerdings fehlte, war die Ruhe das Spiel schlussendlich zu entscheiden und "trocken" heimzuspielen. Dies mag der kurzen Meisterschaft, in der die Spieler stecken, und der mangelnde Eingespieltheit nach einer längeren Pause geschuldet sein; darf aber jedoch nicht darüber hinwegtäuschen, dass das Zweikampfverhalten in Halbzeit zwei katastrophal war.

Jeder so genannte zweite Ball ging verloren, dadurch entstand Chaos, der die Georgier von Minute zu Minute mehr Mut schöpfen ließ. Gegen das spielstarke Wales am 6. Oktober muss hier eine deutliche Steigerung in Sachen Aggressivität her, oder man bleibt so chancenlos wie gegen Ungarn zum EM-Start.

Stimmen zum Spiel

Marcel Koller: "Heute war Glück dabei. Wir hatten aber auch die eine oder andere Möglichkeit. Wenn Janko das 3:0 macht ist das Spiel gelaufen. In der ersten Halbzeit haben wir ruhig gespielt, aber bereits da zu leicht den Ball verloren. Mit dem Anschlusstreffer hat dann alles nochmal gebrannt, aber wichtig sind die drei Punkte. Die EM-Quali ist vorbei und wir müssen nach vorne schauen. Wales ist sehr robust und zweikampfintensiv. Wir werden uns vorbereiten. Auch die Spieler werden vom Rhythmus her in der Liga weiter sein" Julian Baumgartlinger: "Wichtig war es den 3er einzufahren. Es war ein schweres Spiel und sie haben es uns nicht einfach gemacht. Wir haben aber unsere Pflicht erfüllt".

Marc Janko: "Am Ende war es eine Zitterpartie, weil wir das 3:0 nicht gemacht haben. Aber es müssen mal andere Mannschaften hier bestehen und punkten".