Wenn der SC Freiburg und Rasenballsport Leipzig sich im DFB-Pokal-Finale treffen, fehlen die üblichen gemeinsamen Werbeartikel. Und das ist eine gute Nachricht.

Mara Pfeiffer - FRÜF/Frauen reden über Fußball
Eine Kolumne
Diese Kolumne stellt die Sicht der Autorin dar. Hier finden Sie Informationen dazu, wie wir mit Meinungen in Texten umgehen.

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Wenn es um Sport und Politik geht, bestätigt sich eine Wahrheit immer wieder: Wer fordert, Politik müsse aus dem Sport rausgehalten werden, hat daran in der Regel ein Eigeninteresse. Verantwortliche möchten bestimmten Themen aus dem Weg gehen, Anhänger*innen wollen ihr Freizeitvergnügen genießen, ohne nachdenken zu müssen, Sponsoren wollen sich nicht mit Ländern anlegen, in denen bestimmte Haltungen Schwierigkeiten bringen könnten.

Diese Liste ließe sich ewig fortführen. Vereinfacht könnte man sagen: Es geht um Bequemlichkeit.

Gerade im Fußball gelingt es aber glücklicherweise weiterhin nicht, diejenigen zum Schweigen zu bringen, die eine Haltung haben. Wenn FIFA-Präsident Gianni Infantino die Opfer verhöhnt, die rund um die Vorbereitung der WM in Katar ums Leben gekommen sind, wenn die Rechte der LSBTIQA*-Community nicht geschützt werden, wenn Politik irrlichtert und auch, wenn in den eigenen Kurven Übergriffe in Wort und Tat passieren: Fans zeigen Haltung.

Wie eng Anhänger*innen und ihre Klubs zusammenstehen bei diesen Themen, kann von Mal zu Mal variieren, es dürfte aber jedem klar sein, dass die Zugehörigkeit zu einem Verein, der völlig andere Werte vertritt als die eigenen, keine Zukunft hat. Die Anhänger*innen von Schalke sind deshalb laut geworden, als Clemens Tönnies sich 2019 in einer Rede rassistisch äußerte - sein Verhalten verspottete ihre Werte.

Mainz 05, bekannt für eine offene, politisch aktive Fanszene, hat im August 2018 mit einer Anzeige Kante gegen die AfD gezeigt. SGE-Präsident Peter Fischer ist für seine klaren Worte bekannt und beim Anhang geschätzt.

SC Freiburg steht für alles, was an anderen Stellen im Fußball verlorengeht

Und der SC Freiburg? Steht mit seinem Trainer Christian Streich, der nie um eine Einordnung politischer Themen verlegen ist, seiner bunten, aktiven Fanszene und der Tradition als echter eingetragener Verein für so ziemlich alles, was an anderen Stellen im Fußball seit vielen Jahren verlorengeht.

Manche sprechen da von Fußballromantik und meinen es abwertend. Für solche Leute muss es schwer auszuhalten sein, dass derzeit nicht nur die enge Bindung zum Anhang, sondern auch der Erfolg den Breisgauern Recht gibt. Andere applaudieren beeindruckt.

Der SC spielt nicht nur in der kommenden Saison sicher europäisch, sondern am Ende dieser auch das DFB-Pokal-Finale gegen einen Klub, der gegensätzlicher kaum sein könnte. Schon seit seiner Entstehung wird Rasenballsport Leipzig immer wieder kritisiert – übrigens nicht nur von Fans.

Der ehemalige DFL-Boss Andreas Rettig hat in Interviews beispielsweise deutlich gesagt, wie kritisch er das Lizenzverfahren begleitet hat, auch das Vorpreschen der Leipziger in Sachen Fanrückkehr während der Pandemie war Gegenstand von Kritik. Viele Fußballfans bezeichnen Rasenballsport als "Konstrukt", weil sie ein Marketingvehikel für Energydrinks darin sehen.

RB ist kein Club wie jeder andere

Hinzu kommt, dass die Zahl der Mitglieder künstlich kleingehalten wird und hinter RB Dietrich Mateschitz steht, der offen gegen Flüchtlinge agiert und dessen Sender "Servus TV" Plattform für Rechtspopulisten, Verschwörungstheoretiker und Corona-Leugner ist. All das darf ruhig in dieser Deutlichkeit benannt werden, weil es eben zeigt: RB ist kein Club wie jeder andere. Vor diesem Hintergrund darauf zu verweisen, andere Vereine bezögen doch Sponsorengelder, ist Whataboutism.

Der FC Bayern muss sich zudem ebenfalls immer wieder der Kritik seiner Fans für Deals mit Katar stellen, Schalke 04 hat angesichts Putins Krieg gegen die Ukraine endlich Konsequenzen gezogen in Sachen Gazprom. Rasenballsport Leipzig aber bleibt ein besonders mahnendes Beispiel dafür, wohin dieser Sport sich aus Sicht viele Anhänger*innen nicht noch weiter bewegen darf. Eigentlich ist es doch ganz simpel: Fußball als reines Event und Klubs als Marketinginstrumente widersprechen einem Fußball und Vereinen mit Haltung.

Insofern widersprechen sich Rasenballsport Leipzig und der SC Freiburg – und das Pokalfinale ist mit der Bedeutung dieser Tatsache aufgeladen. Vor diesem Hintergrund ist es komplett nachvollziehbar, dass der SC Freiburg gemeinsame Fanartikel verweigert und die Nutzung seines Logos durch die Leipziger verbietet.

Und mal abgesehen davon, dass Begegnungsschals auch ohne diese zusätzliche Bedeutungsebene eine reichlich unangenehme Erfindung sind: Wer sollte daran in diesem besonderen Fall Interesse haben? Richtig, niemand. Die Aufregung über die Entscheidung ist deswegen schon arg gekünstelt. Geht’s raus, spielt’s Fußball.

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