Nach Monaten voller Geisterspiele sind wieder Zuschauer im österreichischen Altach. 1.250 Zuschauer konnten das erste Testspiel von Borussia Dortmund beim SCR Altach verfolgen.

Eine Kolumne
von Christopher Giogios

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"Testspielatmosphäre": Ein Begriff, der normalerweise eher abwertend auf die Stimmung bei Vorbereitungsspielen anspielt. Die Stimmung bei den Vorbereitungsspielen in Altach im kleinen Kreis fällt naturgemäß weniger frenetisch aus, als bei einem Pflichtspiel.

Am vergangenen Mittwoch hingegen kam es zu einem ungewohnten Bild: Ganze 1.250 Zuschauer durften im liebevoll "Schnabelholz" genannten Stadion im österreichischen Altach dem ersten Testspiel von Borussia Dortmund beim SCR Altach beiwohnen. Der Einlass von Zuschauern war ein Probelauf für die kommende Bundesligasaison in Österreich, in der – anders als in Deutschland – teilweise Publikum zugelassen sein wird.

Über Sinn und Unsinn dieses Vorhabens kann man sicherlich streiten, jedoch wird es gerade den jungen Spielern ganz gut getan haben, mal wieder vor gefüllten Rängen kicken zu dürfen.

Alles dreht sich um die Jugend

Damit wären wir bei der zweiten Auffälligkeit: anders als in der Vorbereitung der letzten Saison (als man nur über die großen Verpflichtungen wie Julian Brandt und Mats Hummels sprach) dreht sich dieses Jahr mit dem Beginn des Trainingslagers und dem ersten Testspiel alles um die BVB-Youngster.

So war es nur folgerichtig, dass sich beim lockeren 6:0-Sieg der Borussia auch der 17-jährige Giovanni Reyna sowie der 20-jährige Erling Haaland (2x) in die Torschützenliste eintragen konnten. Vor allem Reyna zeigte auf dem Platz, was er neben dem Feld in Interviews angekündigt hatte: Sein Ziel ist es, sich in der kommenden Saison in der Startelf zu etablieren. Gegen Altach durfte er umgehend auf der Zehn starten und nahm die Position von Kapitän Marco Reus ein. Dessen langwierige Verletzung könnte ihm zu Gute kommen und sich positiv auf seine Minuten auswirken.

Guter Auftritt des englischen Neuzugangs

Allerdings richteten sich die Augen der Zuschauer natürlich auch auf einen anderen Nachwuchsspieler – wenn man ihn überhaupt so bezeichnen möchte. Jude Bellingham, Top-Transfer dieses Sommers und ebenfalls bloß 17 Jahre alt, gab sein Debüt im schwarzgelben Dress.

Auch wenn man im Kopf behalten muss, dass der BVB gegen eine Mannschaft aus dem österreichischen Mittelfeld antrat, wusste der erste Auftritt des englischen Neuzugangs durchaus zu gefallen. Er legte nicht nur eines der beiden Haaland-Tore auf, sondern demonstrierte die Stärken, die man schon bei seinen Einsätzen für den englischen Zweitligisten Birmingham City bemerkte: Ruhe am Ball, eine gute Übersicht und die physischen Anlagen, um auch gegen ältere und robustere Spieler zu bestehen.

Auch interessant: Trainer Lucien Favre setzte sein neues Juwel im zentralen Mittelfeld neben Thomas Delaney ein. Das könnte andeuten, dass man eher im Zentrum mit ihm plant, obwohl Bellingham auch andere Positionen bekleiden kann. Für seine Leistung gab es prompt Lob vom Coach, der betonte, dass es beeindruckend sei, mit welcher Abgeklärtheit der junge Engländer gerade auf dieser anspruchsvollen Position im Mittelfeld spielte.

Jadon Sancho und seine Rolle als Vorbild

Bei all dem Trubel um die Dortmunder Teenager ging fast ein anderer junger Star unter: Jadon Sancho. Der hat nach der Partie sehr interessante Auskünfte gegeben: obwohl er nur geringfügig älter ist und mit 20 Jahren eigentlich noch selbst zu den Jungen gezählt werden kann, sehe er seine Rolle beim BVB auch darin, ein Vorbild für den Dortmunder Nachwuchs zu sein und ihnen zu helfen, die richtigen Entscheidungen zu treffen.

Nach der Verkündung seines Verbleibs beim BVB für ein weiteres Jahr dürften solche Aussagen bei den Dortmunder Fans sehr gut ankommen – es klingt jedenfalls danach, als hätte er sich gut damit arrangiert, die kommende Saison bei der Borussia Seite an Seite mit den "neuen" jungen Wilden zu bestreiten.

Beim BVB dreht sich künftig alles um die Jugend

Und als wäre das nicht alles schon vielversprechend genug, darf man nicht vergessen, dass einer aus dem BVB-Nachwuchs gegen Altach gar nicht ran durfte: Youssoufa Moukoko, das nächste große Talent beim BVB, darf aufgrund der Altersregelung auch an Testspielen noch nicht teilnehmen.

Den Stürmer werden wir hoffentlich ab November (dann feiert er seinen 16. Geburtstag) auch auf dem Platz sehen. In Dortmund wird sich also auch künftig alles um die Jugend drehen.

So geriet fast zur Nebensache, dass die andere Hälfte der sechs Tore allesamt von den gestandenen Spielern des Kaders geschossen wurden: Thorgan Hazard, Julian Brandt und Emre Can. Das sind nun die "Alten" im BVB-Kader.

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