Sechsmal in Folge Gesamtweltcupsieger: Das macht Marcel Hirscher so schnell keiner nach. Auch wenn er fast alles gewonnen hat, gibt es noch Ziele für den Salzburger. Zum Glück: Denn sonst müsste sich der Skisport bald von ihm verabschieden.

Noch ist es nicht so weit: Noch ist Marcel Hirscher nicht am Gipfel angekommen. In seinen eigenen Augen wohl gemerkt - hat der 28-Jährige doch schon den ein oder anderen Rekord pulverisiert und heuer im sechsten Jahr in Folge den Gesamtweltcup geholt.

Es hat in jedem Fall sein Gutes, dass sich Hirscher noch nicht am Zenit wähnt. Denn: "Wenn ich mir selbst eingestehe, dass ich nicht mehr besser werden kann, dann ist es gut, wenn ich aufhöre", sagte der Salzburger bei einem Mediengespräch in Aspen (USA).

Rücktrittsgerüchte

Im österreichischen Boulevard hatte ein Gerücht die Runde gemacht, Hirscher wolle möglicherweise nicht mehr lang fahren. Doch ans Aufhören denkt der Salzburger nicht wirklich - der Hintergrund ist ein anderer.

"Wenn ich heute sage, das war es, dann weiß ich, dass ich am absoluten Peak aufhöre. Und das wird immer dann so stehen bleiben", erklärte er. "Wenn ich nächstes Jahr nicht mehr Gesamtweltcupsieger werde, dann heißt es, jetzt ist er Zweiter geworden, jetzt muss er es lassen, jetzt kann er es nicht mehr."

So eine Ausgangslage sei "das Bittere - unter Anführungszeichen". Nämlich "die Gefahr, dass man wie manch anderer Großer schlussendlich klein aufhört aufgrund der aktuellen Leistung".

Da geht noch was - aber nicht in der Abfahrt

Noch gebe es aber sehr viel zu lernen, sagte Hirscher - auch im Slalom und Riesenslalom. "Das Radl dreht sich. Du musst selber besser werden, damit du in dem Radl mithalten kannst."

Auf die Speed-Disziplinen umzusatteln, von dem Gedanken ist der 28-Jährige wieder abgekommen: "Ich merke, dass es sehr viel Zeit und Training und Engagement benötigen würde, komplett umzuswitchen. Und es ist zu hinterfragen, ob ich jemals den Speed herbringen würde wie in den technischen Disziplinen."

Zudem sei das Risiko hoch: "Bis jetzt bin ich gesund. Und das Risiko dann in Kauf zu nehmen, ist wirklich zu hinterfragen." Hirscher erinnerte an die sturzreichen Abfahrten der Saison. "Da denke ich mir, das ist sinnlos. Wenn du nicht die Erfahrung mitbringst wie ein richtiger Crack, dann begibst dich fast schon vorsätzlich auf den OP-Tisch."

Jänner war "top", Ski-WM "mega"

In Colorado blickte Hirscher auch auf die vergangene Saison zurück. Es sei eine gewesen, in der er "gscheit reinhackeln durfte". "Irgendwie merkt man schon, es ist viel passiert in dem Winter." Es habe tolle Einzelrennen gegeben. Und auch richtige Serien: "Der Jänner war top!"

Bei der Ski-WM in St. Moritz überwiegen für Hirscher die positiven Eindrücke: "Die hätte nicht besser laufen können. Es war ganz viel ganz schwierig bei dieser Weltmeisterschaft, aber das Endresultat war mega."

Besonderes Highlight: Der Kitz-Slalom

Ewig erinnern werde er sich an den Slalom in Kitzbühel: "Da weiß ich genau, das schaue ich mir in fünf Jahren noch immer an. Ein Rennen wie beim Auftakt in Sölden nicht, das war nicht das Outstanding-Skifahren, wo ich mich selbst begeistert habe."

Nach Rang neun im ersten Durchgang startete Hirscher am Ganslernhang eine unvergleichliche Aufholjagd - und stand am Ende als Sieger am Stockerl. "Wenn ich muss, dann kann ich", erklärte er. "Wenn ich nicht zwingend muss, bin ich manchmal faul. Aber das ist, glaube ich, eh bei jedem so."

Henrik Kristoffersen, seinen ewigen Konkurrenten in dieser Saison, hob Hirscher lobend hervor: Der Zweikampf mit dem Norweger habe ihn hinsichtlich seiner Slalomform ans Äußerste gebracht. "Das war heuer sehr oft sehr spannend und nervenaufreibend. Es war wirklich cool. Es sind Momente und Highlights, die sauviel zurückgeben."