• 20:50 Uhr: Bundeswehrflugzeuge kehren von Evakuierungsmission zurück
  • 14:45 Uhr: UNO rechnet mit halber Million weiterer afghanischer Flüchtlinge bis Jahresende
  • 13:39 Uhr: Medizinisches Material in Afghanistan reicht nur noch wenige Tage
  • 11:39 Uhr: Über 18.700 Evakuierte aus Afghanistan bisher in Ramstein angekommen
  • 09:11 Uhr: Gesamtzahl der Todesopfer bei Anschlag in Kabul steigt auf 85
  • 07:47 Uhr: Grünen-Politiker Nouripour: Deutschland hat sich erpressbar gemacht
  • 06:30 Uhr: Dreyer will koordiniertes Vorgehen bei Aufnahme von Geflüchteten
  • 05:52 Uhr: Biden droht Terroristen nach Anschlag in Kabul mit Vergeltung
  • 05:56 Uhr: Nach Anschlag in Kabul: Zahl getöteter US-Soldaten steigt auf 13

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➤ Bundeswehrflugzeuge kehren von Evakuierungsmission zurück

Die ersten Soldaten der Bundeswehr sind von ihrer Evakuierungsmission in Afghanistan nach Deutschland zurückgekehrt. Auf dem Luftwaffenstützpunkt Wunstorf bei Hannover landete am Freitagabend die erste von drei Militärmaschinen. Die zwei weiteren Flugzeuge wurden wenig später erwartet. An Bord eines Flugzeugs war nach Militärangaben auch Bundesverteidigungsministerium Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU).

Die Einsatzkräfte waren in Taschkent gestartet, der Hauptstadt von Usbekistan. Dort hatte die Bundeswehr ein Drehkreuz eingerichtet, um in kurzen Shuttleflügen Deutsche und bedrohte Afghanen aus Kabul auszufliegen. Für den Rückflug der Soldaten nach Deutschland wurden ein Airbus A310 der Luftwaffe und zwei Militärtransporter A400M eingesetzt. Nach Bundeswehrangaben waren an der Evakuierungsmission 454 Einsatzkräfte beteiligt, darunter 19 Soldatinnen.

Ground Zero, 11. September 2001
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20 Jahre Krieg in Afghanistan - eine Chronologie

Fast zwei Jahrzehnte nach ihrer Vertreibung aus Kabul erobern die Taliban auch die Hauptstadt wieder. Ein Rückblick.

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Kramp-Karrenbauer: Soldaten haben "Unfassbares gesehen und erlebt"

22:17 Uhr: Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat den Kräften der Evakuierungsmission aus Afghanistan für ihren schweren Einsatz gedankt. Ihr sei in Gesprächen deutlich geworden, dass die Soldatinnen und Soldaten, die Diplomaten aus Kabul sowie Polizisten "Unfassbares gesehen und erlebt haben und dass sie Unglaubliches geleistet haben", sagte Kramp-Karrenbauer am Freitagabend auf dem Fliegerhorst Wunstorf bei Hannover.

Die Männer und Frauen unter dem Kommando von Brigadegeneral Jens Arlt, dem Kommandeur der Luftlandebrigade 1, hätten volles Vertrauen bekommen und "dieses Vertrauen und alle Erwartungen, wie wir in sie gesetzt haben, mehr als erfüllt". Kramp Karrenbauer sagte auch: "Die ersten Gedanken auch an dem heutigen Abend gelten den Opfern des fürchterlichen Terroranschlags gestern, sowohl den zivilen Opfern aber natürlich insbesondere auch den amerikanischen Kameraden, mit denen diese Operation vor Ort Seite an Seite durchgeführt worden ist."

Biden will Drahtzieher des Kabul-Anschlags töten lassen

21:12 Uhr: Die US-Regierung hat ihre Entschlossenheit betont, die Drahtzieher des verheerenden Anschlags von Kabul töten zu lassen. "Er hat klar gemacht, dass er nicht will, dass sie noch auf der Erde leben", sagte die Sprecherin des Weißen Hauses, Jen Psaki, am Freitag in Washington mit Blick auf die jüngste Drohung von US-Präsident Joe Biden gegen die Terroristen. Psaki reagierte auf die Frage, ob Biden die Urheber der Attacke töten lassen oder vor Gericht stellen wolle.

Außerhalb des Flughafens in der afghanischen Hauptstadt Kabul hatte sich am Donnerstag nach US-Angaben ein Selbstmordattentäter der Terrormiliz Isis-K in die Luft gesprengt und Dutzende Menschen mit in den Tod gerissen, darunter 13 US-Soldaten. Biden hatte den Terroristen wenige Stunden nach der Attacke mit Vergeltung gedroht und gesagt: "Wir werden euch jagen und euch dafür bezahlen lassen."

Psaki sagte, die Regierung werde sich nicht zu Details äußern, wie genau man gegen die Urheber des Anschlags vorgehen werde. Sie betonte aber, dieses Bekenntnis dazu bleibe bestehen, "bis es erledigt ist". Der Präsident und das Militär hätten keinen Zweifel, dass sie jede Befugnis hätten, Isis-K anzugreifen.

US-Militär kann in den USA bis zu 50.000 Afghanen unterbringen

17:37 Uhr: Die US-Streitkräfte können auf ihren Stützpunkten in den Vereinigten Staaten zeitweise bis zu 50.000 evakuierte Afghanen unterbringen. Das erklärte der Sprecher des Verteidigungsministeriums, John Kirby, am Freitag. Zuvor hatten die Streitkräfte noch von einer Kapazität für mehr als 20.000 Menschen gesprochen. Die Aufnahme zusätzlicher Afghanen sei nun möglich, weil das Militär noch zusätzlich drei weitere Stützpunkte für die Unterbringung der Evakuierten öffne, sagte Kirby.

Es handelt sich bei ihnen zumeist um frühere afghanische Mitarbeiter der US-Streitkräfte sowie deren Familien. Sie werden zunächst auf Militärstützpunkten untergebracht, während die US-Behörden die langwierige Bearbeitung ihrer Visaanträge vornehmen.

Nato gibt zivile Vertretung in Afghanistan auf

17:22 Uhr: Die Nato hat kurz vor dem Ende des militärischen Evakuierungseinsatzes am Flughafen von Kabul die Aufgabe ihrer zuletzt dorthin verlegten zivilen Vertretung angekündigt. Er verlasse Kabul schweren Herzens, schrieb Botschafter Stefano Pontecorvo am Freitag auf Twitter. Sein Dank gelte allen Beteiligten der massiven Evakuierungsanstrengungen.

Der Italiener Pontecorvo war zuletzt der ranghöchste Vertreter der Nato in Afghanistan, nachdem die Allianz ihren Militäreinsatz in dem Land eingestellt hatte. Sämtliche noch im Land weilenden Soldaten aus Staaten wie den USA stehen bereits seit Wochen vollständig unter der Führung der nationalen Kommandoketten. Zivile Mitarbeiter der Nato unterstützten bis zuletzt aber noch die Aufrechterhaltung des Betriebs des internationalen Flughafens, um den nach der Machtübernahme der Taliban eingeleiteten Evakuierungseinsatz zu ermöglichen.

Ob die Aufgabe der zivilen Vertretung an diesem Freitag bereits seit längerem geplant war oder infolge des verheerenden Anschlags am Vortag erfolgte, ließ die Nato offen. Vor der Bündniszentrale in Brüssel wurden am Freitag wegen der Tat die Flaggen aller 30 Bündnisstaaten auf halbmast gesetzt. "Wir trauern um alle Opfer", schrieb Generalsekretär Jens Stoltenberg dazu.

Pentagon: Nur ein IS-Selbstmordattentäter bei Angriff in Kabul

17:05 Uhr: Bei dem verheerenden Terrorangriff am Flughafen in Kabul hat sich nach Erkenntnissen des US-Verteidigungsministeriums ein Selbstmordattentäter in die Luft gesprengt - nicht zwei. US-Generalmajor William Taylor sagte am Freitag im Pentagon, man sei nicht sicher, wie es am Vortag zu der falschen Angabe von zwei Selbstmordattentätern habe kommen können.

"Wir hielten es für wichtig, die Angaben hier zu korrigieren." Das Verteidigungsministerium hatte am Donnerstag nach dem Terrorangriff von zwei Selbstmordattentätern der Terrormiliz Islamischer Staat (IS) gesprochen.

12.500 Menschen in 24 Stunden rund um Anschlag aus Kabul ausgeflogen

16:48 Uhr: Trotz des Anschlags außerhalb des Flughafens von Kabul gibt es weiter Evakuierungsflüge aus Afghanistan. Innerhalb von 24 Stunden - zwischen dem frühen Donnerstagmorgen und dem frühen Freitagmorgen Washingtoner Zeit - brachten die USA und ihre Verbündeten rund 12.500 Menschen außer Landes, wie das Weiße Haus am Freitag mitteilte. 8.500 seien vom US-Militär ausgeflogen worden, 4.000 wiederum in Maschinen internationaler Partner.

Ein Teil der 24-Stunden-Spanne lag vor dem Terrorangriff nahe des Airports, der den Flugbetrieb zeitweise lahmgelegt hatte. Nach Angaben des Weißen Hauses flogen die USA und ihre Verbündeten seit dem Start der Evakuierungsmission in Kabul Mitte August rund 105 000 Menschen aus.

Bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens in Kabul hatten Selbstmordattentäter und eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS am Donnerstag viele Zivilisten und mindestens 13 US-Soldaten getötet.

Grafik-Karte Nr. 102973, Querformat 110 x 80 mm, "Verortung des Anschlags am Flughafen in Kabul "; Redaktion: I. Kugel; Grafik: A. Brühl

Britische Botschaft in Kabul lässt sensible Daten von Ortskräften zurück

16:01 Uhr: Bei der überstürzten Evakuierung des britischen Botschaftsgeländes in Kabul sollen Diplomaten einem Medienbericht zufolge die Kontaktdaten afghanischer Ortskräfte zurückgelassen haben. Die Zeitung "Times" berichtete am Freitag in einer Titelgeschichte des langjährigen Kriegsberichterstatters Anthony Loyd, dass er bei einem Rundgang durch das nun von Taliban-Kämpfern bewachte Gelände nicht geschredderte Dokumente mit den Kontaktdaten afghanischer Mitarbeiter und Stellenbewerber fand.

Die "Times" rief die Nummern an und stellte fest, dass einige Mitarbeiter noch in Afghanistan waren und versuchten zu fliehen. Die Zeitung leitete die Kontakte nach eigenen Angaben an das britische Außenministerium weiter, damit die Menschen noch in Sicherheit gebracht werden können.

Die Papiere legten laut "Times" nahe, dass "Mitarbeiter der britischen Botschaft in der Eile, ihr eigenes Leben zu retten, unvorsichtig mit dem Leben afghanischer Mitarbeiter umgegangen sind". Reporter hätten die Kontaktdaten an hochrangige Beamte des Außenministeriums auf dem Flughafen von Kabul übergeben.

Daraufhin seien drei in den Dokumenten genannte afghanische Mitarbeiter und ihre Familien ausgeflogen worden. Der Zeitung zufolge ist das Schicksal von mindestens zwei Menschen, die sich um eine Stelle als Dolmetscher beworben hatten, unbekannt.

In einer Erklärung des Außenministeriums hieß es, dass während der Evakuierung der Botschaft "alle Anstrengungen unternommen wurden, um sensibles Material zu vernichten". Der britische Botschafter in Kabul, Laurie Bristow, war zuvor dafür gelobt worden, dass er im Land geblieben war und am Flughafen von Kabul ein Büro mit Botschaftsmitarbeitern eingerichtet hatte, um die Evakuierungsmaßnahmen zu unterstützen.

Er habe erst durch den Artikel der "Times" von dem Vorfall erfahren, sagte der britische Verteidigungsminister Ben Wallace dem Radiosender LBC. "Ich denke, der Premierminister wird einige Fragen stellen."

Großbritannien hatte am Freitagmorgen das Ende der Evakuierungsflüge aus Kabul innerhalb weniger Stunden angekündigt. Die Regierung räumte ein, dass etwa 800 bis 1100 ausreiseberechtigte Afghanen nicht aus dem Land gebracht werden konnten.

UNO rechnet mit halber Million weiterer afghanischer Flüchtlinge bis Jahresende

14:45 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban rechnen die Vereinten Nationen allein bis Jahresende mit bis zu einer halben Million weiterer afghanischer Flüchtlinge. "Wir bereiten uns auf etwa 500.000 neue Flüchtlinge in der Region vor", sagte am Freitag die stellvertretende UN-Flüchtlingskommissarin Kelly Clements vor Reportern. Bislang sei jedoch noch keine massive Fluchtbewegung zu verzeichnen.

Während der Evakuierungsmission aus Afghanistan haben die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten nach Angaben des Weißen Hauses bereits mehr als 100.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen.

Allein am Donnerstag seien vom Vormittag bis kurz vor Mitternacht (Ortszeit Kabul) rund 7.500 Menschen evakuiert worden, 5.100 davon mit Flugzeugen des US-Militärs, erklärte ein Vertreter der US-Regierung. Damit sei die Zahl der seit Mitte August ausgeflogenen Afghanen und westlicher Staatsbürger auf 100.100 gestiegen. Der Großteil von ihnen wurde mit Flugzeugen der US-Luftwaffe ausgeflogen. Die militant-islamistischen Taliban hatten in Afghanistan Mitte August die Macht übernommen.

Auswärtiges Amt: Lage am Flughafen Kabul "hochgefährlich"

14:20 Uhr: Das Krisenreaktionszentrum des Auswärtigen Amts schätzt die Sicherheitslage am Flughafen in der afghanischen Hauptstadt Kabul als "hochgefährlich" ein. Es bestehe weiterhin ein hohes Anschlagsrisiko rund um den Flughafen, hieß es am Freitag in einem Schreiben an deutsche Staatsbürger, das der dpa vorliegt.

"Wir raten Ihnen deshalb dringend, sich derzeit nicht zum Flughafen zu begeben." Es sei noch nicht absehbar, wann der reguläre Flugbetrieb wieder aufgenommen werde.

Zurzeit gibt es keine zivilen und kommerzielle Flüge vom internationalen Flughafen Kabul. Die Bundeswehr hatte am Donnerstag ihre Luftbrücke aus der afghanischen Hauptstadt Kabul nach elf Tagen beendet.

Der Evakuierungseinsatz der USA läuft noch einige Tage weiter. Die Bundesregierung setzt nun auf Diplomatie, um Ortskräften und deutschen Staatsbürgern weiter eine Ausreise zu ermöglichen.

Über 10.000 Afghanen und 300 Deutsche auf deutscher Ausreiseliste

13:54 Uhr: Nach dem Ende der Evakuierungsaktion der Bundeswehr in Afghanistan sind noch etwa 300 Deutsche und mehr als 10.000 Afghanen mit Ausreisewunsch beim Auswärtigen Amt registriert. Das Ministerium wies am Freitag allerdings darauf hin, dass sich diese Zahlen ständig ändern.

"Es reisen weiterhin Menschen aus, und es melden sich weiterhin Menschen mit einem Ausreisewunsch. Deswegen sind diese Zahlen immer nur Momentaufnahmen", sagte der stellvertretende Sprecher Christopher Burger.

Am Donnerstag war der Evakuierungseinsatz der Bundeswehr in der afghanischen Hauptstadt Kabul nach elf Tagen zu Ende gegangen. Nach Angaben des Verteidigungsministeriums wurden 5.347 Menschen aus mindestens 45 Ländern ausgeflogen, darunter rund 500 Deutsche und mehr als 40.00 Afghaninnen und Afghanen.

Unter ihnen sind ehemalige Mitarbeiter von Bundeswehr und Bundesministerien, aber auch besonders schutzbedürftige Menschen, die beispielsweise für Frauen- oder Menschenrechtsorganisationen tätig waren.

Medizinisches Material in Afghanistan reicht nur noch wenige Tage

13:39 Uhr: In Afghanistan wird das medizinische Material zur Versorgung der Bevölkerung knapp. Geplante Versorgungsflüge der Weltgesundheitsorganisation (WHO) konnten wegen der Sicherheitslage nicht stattfinden, wie Rick Brennan, WHO-Nothilfekoordinator für die Region, per Video zu Journalisten in Genf sagte. "Die Vorräte reichen nur noch für ein paar Tage", sagte Brennan.

Die WHO versuche, mit Unterstützung Pakistans den Flughafen von Mazar-i-Scharif zu erreichen. Flüge waren für Anfang kommender Woche geplant.

Ein große Hürde seien die Kosten: Die Preise für die Versicherung solcher Flüge sei in nie da gewesene Höhen geschnellt, sagte Brennan. Knapp werde praktisch alles: Material zur Versorgung von Verletzungen, zur Behandlung von Unterernährten und Arzneimittel für chronisch Kranke.

Nahe Masar-i-Scharif war der deutsche Stützpunkt zur Unterstützung des Nato-Einsatzes. Die letzten deutschen Soldaten zogen im Juni ab.

Als Lichtblick bezeichnete Brennan die Tatsache, dass 97 Prozent der rund 2.200 Gesundheitseinrichtungen, die die WHO unterstützt, weiter funktionierten. Allerdings blieben den Kliniken hier und da sowohl Frauen und Kinder als Patienten als auch weibliches Personal fern.

Nach ersten Eindrücken gehe das auf Angst und Vorsicht der Frauen zurück. Es gebe bislang keine Berichte, dass sie von den machthabenden Taliban am Besuch der Kliniken gehindert werden. Unter den Evakuierten und Geflüchteten sei auch Gesundheitspersonal, sagte Brennan. Der Verlust von Fachkräften ("brain drain") sei ein enormes Problem für alle.

Britischer Minister: Rettungsmission kurz vor dem Abschluss

11:58 Uhr: Die britische Rettungsmission in Afghanistan neigt sich dem Ende zu. Es sei nur noch eine Sache von Stunden, sagte Verteidigungsminister Ben Wallace am Freitagmorgen im Nachrichtensender Sky News.

Die Bearbeitung von Ausreisedokumenten sei bereits beendet und der britische Eingang zum Flughafen geschlossen. "Wir werden weiterhin versuchen, ein paar Menschen in der Menge zu finden, wo wir können", so Wallace weiter. Es sei aber "eine traurige Tatsache", dass nicht jeder Einzelne evakuiert werden könne. Wallace rief Menschen, die das Land nach dem Abzug der westlichen Truppen verlassen wollten, dazu auf, in eines der Nachbarländer auszureisen.

Wann genau die letzten britischen Soldaten den Flughafen in Kabul verlassen werden, konnte der konservative Politiker noch nicht sagen. Die US-Streitkräfte würden aber die letzten vor Ort sein.

Der blutige Anschlag vom Donnerstag habe keinen Einfluss auf die Dauer des Einsatzes gehabt, sagte der Minister. Britische Soldaten kamen bei dem Angriff nicht zu Schaden. Wallace sprach aber von etwa 60 bis 80 afghanischen Zivilisten, die neben den 13 getöteten US-Soldaten bei den Selbstmordattentaten ihr Leben verloren.

Über 18.700 Evakuierte aus Afghanistan bisher in Ramstein angekommen

11:39 Uhr: Auf der Air Base Ramstein in Rheinland-Pfalz sind bis Freitag mehr als 18.700 Evakuierte aus Afghanistan gelandet. Das teilte der weltweit größte US-Luftwaffenstützpunkt außerhalb Amerikas mit. Ramstein nahe Kaiserslautern ist seit vergangenem Freitag (20. August) ein US-Drehkreuz für Geflüchtete aus Afghanistan.

Auf der Air Base seien etwa 76 Flugzeuge der United States Air Force eingetroffen, berichtete eine Sprecherin des Stützpunkts. In die USA weitergereist seien mehr als 4.100 Evakuierte mit etwa 18 Flügen. Die Flüge werden voraussichtlich das ganze Wochenende über fortgesetzt.

Schutzsuchende wie etwa ehemalige Ortskräfte der USA in Afghanistan und ihre Familien, die aus Angst vor den Taliban ihre Heimat verlassen, kommen zunächst in Zelten und Flugzeughangars der Air Base unter. Sie werden registriert und bei Bedarf medizinisch behandelt.

In der US-Militäranlage Rhine Ordnance Barracks in Kaiserslautern werden Menschen aus Afghanistan ebenfalls vorübergehend beherbergt.

Steinmeier kondoliert US-Präsident Biden nach Anschlag in Kabul

11:24 Uhr: Nach dem Tod von 13 US-Soldaten bei dem Anschlag am Kabuler Flughafen hat Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier US-Präsident Joe Biden kondoliert. "Wir trauern mit Ihnen um die Opfer des brutalen Anschlags in Kabul", schrieb Steinmeier am Freitag. "Unsere Gedanken sind bei den Angehörigen der tapferen amerikanischen Soldaten, die ihr Leben gaben, um das Leben anderer zu retten."

Mit ihrem mutigen Einsatz hätten sie auch die Evakuierung vieler Deutscher und tausender afghanischer Ortskräfte erst möglich gemacht, erklärte Steinmeier. "Wir beklagen mit Ihnen auch die vielen Toten und Verletzten unter der afghanischen Zivilbevölkerung, die unseren Schutz gesucht haben."

Deutschland stehe in "dieser schweren Stunde fest an der Seite der Vereinigten Staaten im Kampf gegen den Terrorismus, der so viel Leid über so viele Menschen bringt".

Flaggen in den USA auf Halbmast
Nach dem tödlichen Terroranschlag in Kabul wurden die Flaggen in den USA auf halbmast gesetzt.

Bundespolizisten aus Afghanistan- Einsatz zurückgekehrt

11:07 Uhr: Die letzten Bundespolizisten sind am Freitag aus dem schwierigen Einsatz in Afghanistan nach Berlin zurückgekehrt. Wie das Bundesinnenministerium mitteilte, waren neun von ihnen bis zum Ende der Evakuierungsmission am Flughafen Kabul eingesetzt.

Dort hätten sie neben der Sicherung der Botschaftsmitarbeiter auch die Ausreise deutscher Ortskräfte und gefährdeter Menschen unterstützt. An Bord der Chartermaschine mit mehr als 50 Passagieren waren nach Angaben eines Sprechers auch Diplomaten sowie neun weitere Bundespolizisten. Diese hatten sich in der usbekischen Hauptstadt Taschkent bereitgehalten, um die Beamten in Kabul gegebenenfalls abzulösen.

Bundesinnenminister Horst Seehofer (CSU) dankte den Beamten, die am Flughafen von leitenden Beamten seines Hauses empfangen wurden. Er sagte: "Sie haben unter Einsatz ihres Lebens einen gefährlichen und für unser Land sehr wichtigen Dienst getan, um andere zu schützen und zu retten. Das ist in höchstem Maße ehrenhaft und verdient großen Respekt."

Spanien zieht sich vollständig aus Afghanistan zurück

10:52 Uhr: Nach den Anschlägen von Kabul am Donnerstag hat Spanien die Evakuierungen von Schutzsuchenden beendet und sich vollständig aus dem Konfliktland zurückgezogen. Die letzten 81 Spanier, die sich zuletzt noch im Land aufgehalten hätten, seien am Freitag in einem Transportflugzeug Airbus A400M der Luftwaffe nach Dubai ausgeflogen worden, teilte die Regierung in Madrid mit.

Es handele sich um Botschafter Gabriel Ferrán, Botschaftsmitarbeiter und Militärpersonal, hieß es. Außerdem seien in den letzten beiden Evakuierungsflügen auch vier Militärangehörige aus Portugal und 85 afghanische Mitarbeiter Spaniens, Portugals und der NATO aus dem Land gebracht worden.

Bei den von Spanien organisierten Flügen wurden den amtlichen Angaben zufolge insgesamt 1.900 Schutzsuchende aus Afghanistan evakuiert. Man habe nicht nur eigene Mitarbeiter und deren Familien, sondern auch einheimische Mitarbeiter anderer Länder, der Europäischen Union, der Vereinten Nationen und der NATO ausgeflogen, ließ Madrid wissen.

Hotels in Islamabad für Tausende afghanische Ortskräfte reserviert

10:19 Uhr: In der pakistanischen Hauptstadt Islamabad sind Tausende Hotelbetten für Ortskräfte der internationalen Streitkräfte in Afghanistan reserviert worden. Die Stadtverwaltung hat in einer in der Nacht zu Freitag versendeten Erklärung alle privaten Hotels in Islamabad angewiesen, alle in den nächsten drei Wochen verfügbaren Zimmer für Tausende aus Afghanistan zu evakuierende Menschen zu buchen.

Auch Vertreter der pakistanischen Zivilluftfahrtbehörde sagten lokalen Medien, dass afghanische Dolmetscher und andere Menschen, die mit den NATO-Truppen zusammengearbeitet hatten und jetzt um eine Evakuierung bemüht seien, nach Pakistan gebracht würden.

Es seien Vorkehrungen getroffen worden, diese in der Hafenstadt Karachi, der Stadt Peshawar im Nordwesten und in einigen Städten der zentral Provinz Punjab vorübergehend unterzubringen, hieß es.

Kramp-Karrenbauer nimmt Bundeswehrsoldaten in Taschkent in Empfang

09:59 Uhr: Bundesverteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer (CDU) hat die Bundeswehrsoldaten nach dem Ende ihres Evakuierungseinsatzes in Kabul in der usbekischen Hauptstadt Taschkent in Empfang genommen.

Kramp-Karrenbauer und Generalinspekteur Eberhard Zorn seien am Donnerstagabend nach Taschkent geflogen, teilte das Verteidigungsministerium am Freitagmorgen mit. Auch die Wehrbeauftragte des Bundestages, Eva Högl (SPD), war nach Angaben ihres Büros bei der Begrüßung der Soldaten in Taschkent dabei.

"Die Evakuierungsoperation in Kabul war hochgefährlich. Die Bundeswehr hat unter schwersten Bedingungen vor Ort so viele Menschen wie möglich in Sicherheit gebracht", erklärte das Ministerium auf Twitter.

Deutsche Einsatzkräfte kamen bei den Anschlägen in Kabul unmittelbar vor dem Abflug der letzten Bundeswehrsoldaten nach Angaben der Bundesregierung nicht zu Schaden.

Am Donnerstagabend teilte die Bundeswehr auf Twitter mit, die letzte von vier A400M-Militärmaschinen sei in der usbekischen Hauptstadt Taschkent gelandet. Am Freitagnachmittag kehren die Einsatzkräfte der Bundeswehr dann nach Deutschland zurück, wo eine weitere Empfangszeremonie geplant ist.

Unter der Führung von Brigadegeneral Jens Arlt waren bis zu 600 Einsatzkräfte an dem bisher größten militärischen Evakuierungseinsatz der Bundesrepublik beteiligt. Die Bundeswehr unterstützte die Evakuierungsmission des Auswärtigen Amtes, um deutsche Staatsbürgerinnen und Staatsbürger, afghanische Ortskräfte sowie deren Familien und weitere Schutzbedürftige in Sicherheit zu bringen.

Im Einsatz waren der Bundeswehr zufolge Fallschirmjäger, Soldaten des Kommandos Spezialkräfte (KSK), Feldjäger, Krisenunterstützungsteams, Sanitäter, Militärpolizei, Angehörige der Luftwaffe und weitere Spezialistinnen und Spezialisten aller Bereiche der Bundeswehr. Sie waren in Deutschland, in der usbekischen Hauptstadt Taschkent und am Flughafen in Kabul eingesetzt, um die Evakuierung von deutscher Seite sicherzustellen.

Rund um die Uhr wurden Schutzsuchende in Sicherheit gebracht. Insgesamt brachte die Bundeswehr mit ihren Transportflugzeugen vom Typ A400M bei 37 Flügen mehr als 5.300 Bundesbürger, Afghaninnen und Afghanen sowie Bürger aus insgesamt 45 Nationen in Sicherheit.

Afghanische Ministerin flieht nach Norwegen

09:41 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban konnte sich die ehemalige afghanische Ministerin für Mineralien und Erdöl, Nargis Nehan, nach Norwegen retten.

Auf Twitter schrieb sie am Donnerstag, sie sei endlich mit ihrer Familie in Norwegen gelandet, hätte aber ihren Vater und ihre Schwester zurücklassen müssen.

"Ich bin nicht länger eine stolze, robuste und hoffnungsvolle Afghanin", schrieb sie. "Ich bin wieder ein hoffnungsloser und hilfloser Flüchtling, dessen Suche nach einer Identität, einem Zuhause und Frieden nie aufhört."

UNHCR will Arbeit in Afghanistan fortsetzen

09:26 Uhr: Trotz der Machtübernahme der militant-islamistischen Taliban in Afghanistan Mitte August und dem schweren Selbstmordanschlag am Donnerstag will das UN-Flüchtlingshilfswerks (UNHCR) in dem Krisenstaat bleiben.

"Die Feuerwehr rennt nicht weg, wenn es brennt. Sondern im Gegenteil: Wir sind mit mehreren hundert Mitarbeitern noch in Afghanistan, und wir wollen auch bleiben", sagte der Sprecher von UNHCR-Deutschland, Chris Melzer, im Bayerischen Rundfunk (Bayern 2, Radiowelt am Morgen).

Die Menschen im Land seien jetzt auf Hilfe angewiesen, erklärte Melzer. "Wir haben wenige Tausend Menschen, die das Land bisher verlassen haben, aber wir haben 3,5 Millionen Menschen, die innerhalb des Landes auf der Flucht sind. Das ist das eigentliche humanitäre Problem in der Situation."

Zu den für ihre Arbeit nötigen Absprachen mit der Taliban zeigt sich der UNHCR-Sprecher relativ optimistisch: "Das hat ja schon einmal irgendwie funktioniert, Ende der 90er Jahre, als die Taliban Afghanistan beherrscht haben. Die wissen im Grunde auch, dass wir eine humanitäre Organisation sind und den Menschen dort helfen wollen, deshalb gelingt es uns irgendwie, unter deren Augen zu arbeiten."

Gesamtzahl der Todesopfer bei Anschlag in Kabul steigt auf 85

09:11 Uhr: Bei dem Doppelanschlag am Kabuler Flughafen sind nach jüngsten Angaben insgesamt 85 Menschen getötet worden. Es gebe mindestens 72 Todesopfer in den Krankenhäusern der Stadt, sagten zwei frühere Mitarbeiter des afghanischen Gesundheitsministeriums am Freitag der Nachrichtenagentur AFP.

Unter den Opfern seien viele Frauen und Kinder. Mehr als 150 Menschen seien verletzt worden. Nach Angaben des US-Verteidigungsministeriums wurden bei dem Doppelanschlag auch 13 US-Soldaten getötet und 18 weitere verletzt.

Zwei Selbstmordattentäter hatten sich am Donnerstagabend vor dem Kabuler Flughafen in die Luft gesprengt, wo tausende Afghaninnen und Afghanen auf einen Platz in einem der letzten westlichen Evakuierungsflugzeuge warteten. Die Dschihadistenmiliz Islamischer Staat (IS) reklamierte den Anschlag für sich. US-Präsident Joe Biden kündigte Vergeltung an.

Taliban: 13 bis 20 Zivilisten bei Anschlag in Kabul getötet

08:46 Uhr: Nach Angaben der militant-islamistischen Taliban sind bei dem Anschlag am Flughafen Kabul am Donnerstag 13 bis 20 Zivilisten getötet worden. Das gehe aus Berichten von Krankenhäusern hervor, sagte ein Sprecher der Islamisten der dpa. Die endgültigen Opferzahlen veröffentliche man zu gegebener Zeit.

Bei dem Anschlag waren auch 13 US-Soldaten getötet worden. Medienberichte und Videos vom Tatort deuten auf eine weit höhere Zahl an einheimischen Todesopfern hin, hinzu kommen sehr viele Verletzte. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es seien auch 18 Soldaten verwundet worden.

Dem Talibansprecher zufolge deuten vorläufige Ergebnisse deuten darauf hin, dass es an einem von US-Streitkräften kontrollierten Tor zu einer Sicherheitsverletzung gekommen sei.

USA stehen zu Abzugsplänen - "Am Zeitplan hat sich nicht geändert"

08:14 Uhr: Die US-Regierung hält auch nach dem verheerenden Terroranschlag in Kabul am geplanten Abzug ihrer Truppen bis spätestens 31. August fest. "An diesem Zeitplan hat sich nichts geändert", sagte Jen Psaki, die Sprecherin des Weißen Hauses, am Donnerstag (Ortszeit).

Präsident Joe Biden stütze sich auf den Rat seiner Militärkommandeure, und diese glaubten weiterhin, dass es wichtig sei, bis zum 31. August abzuziehen. Man sei auch mit den in Afghanistan verbliebenen US-Amerikanern in Kontakt, um einen Weg zu finden, sie zum Flughafen zu bringen.

Nach Angaben von Donnerstagnachmittag geht das Außenministerium davon aus, dass sich noch rund 1.000 amerikanische Staatsbürger in Afghanistan aufhalten. "Es wird nicht möglich sein, dass jeder einzelne Afghane, der das Land verlassen will - möglicherweise Millionen -, evakuiert wird", sagte Psaki weiter.

Gleichzeitig habe der Präsident aber klargemacht, dass das Engagement der USA nicht enden werde - für US-Amerikaner, die aktuell nicht ausreisen könnten oder wollten, und für diejenigen, die an der Seite der USA gedient hätten.

Psaki betonte außerdem, dass die Gefahr neuer Anschläge weiter bestehe. Man gebe US-Bürgern und anderen daher sehr genaue Anweisungen, wann und wie sie zum Flughafen kommen sollten und wo sie sich treffen sollten.

Mit Blick auf die militant-islamistischen Taliban sagte Psaki, dass die USA "enorme Druckmittel" wirtschaftlicher und anderer Art gegen sie in der Hand hätten. Entscheidend sei unter anderem, dass die Taliban weiterhin die Ausreise von US-Amerikanern und Partnern ermöglichten.

Biden hat Psaki zufolge von den Anschlägen im Lagezentrum des Weißen Hauses erfahren. Dort hätten sich gerade Mitglieder seines nationalen Sicherheitsteams zu einem regelmäßigen Treffen versammelt. Als Biden eingetroffen sei, sei er über die Attacke in Kabul informiert worden.

Grünen-Politiker Nouripour: Deutschland hat sich erpressbar gemacht

07:47 Uhr: Jegliche Forderungen an die Taliban werden die Bundesregierung nach Ansicht des Sprechers für Außenpolitik der Grünen, Omid Nouripour, teuer zu stehen kommen. "Das kann Geld sein, das können auch politische Forderungen sein. Die Bundesregierung hat sich durch eigene Untätigkeit erpressbar gemacht", sagte Nouripour der "Rheinischen Post".

Zudem werde der Kabuler Flughafen ab nächste Woche Mittwoch nach dem voraussichtlichen Abzug der US-Truppen "technisch nicht mehr funktionsfähig" sein. Wie der Flughafen betrieben werde und von wem, sei derzeit noch nicht absehbar, sagte Nouripour.

Zuvor hatten Verteidigungsministerin Annegret Kramp-Karrenbauer und Bundeskanzlerin Angela Merkel (beide CDU) betont, schutzbedürftigen Menschen aus Afghanistan weiterhin die Ausreise zu ermöglichen. "Wir beenden die Luftbrücke mit dem heutigen Tag", sagte Merkel auf einer eigenen Pressekonferenz. "Wir sind mit Hochdruck und Nachdruck dabei, eben Bedingungen auszuhandeln mit den Taliban darüber, wie weitere Ausreisen auch möglich sein werden."

Am Donnerstag hatte Kramp-Karrenbauer verkündet, dass alle Deutschen Soldaten, Diplomaten und verbliebenen Polizisten aus der afghanischen Hauptstadt Kabul ausgeflogen worden seien.

USA: Mit Verbündeten mehr als 100.000 Menschen aus Kabul evakuiert

07:31 Uhr: Die US-Luftwaffe und ihre Verbündeten haben nach Angaben des Weißen Hauses bereits mehr als 100.000 Menschen aus Kabul ausgeflogen.

Allein am Donnerstag seien vom Vormittag bis kurz vor Mitternacht (Ortszeit Kabul) rund 7.500 Menschen evakuiert worden, 5.100 davon mit Flugzeugen des US-Militärs, erklärte ein Vertreter der US-Regierung.

Damit sei die Zahl der seit Mitte August ausgeflogenen Afghanen und westlicher Staatsbürger auf 100.100 gestiegen. Der Großteil von ihnen wurde mit Flugzeugen der US-Luftwaffe ausgeflogen. Die militant-islamistischen Taliban hatten in Afghanistan Mitte August die Macht übernommen.

DRK-Suchdienst rechnet mit mehr Anfragen aus Afghanistan

06:44 Uhr: Nach der Machtübernahme der Taliban in Afghanistan rechnet der Suchdienst des Deutschen Roten Kreuzes verstärkt mit Anfragen nach verschollenen Familienmitgliedern aus dieser Region.

Bereits vor der aktuellen Krise seien die meisten Suchanfragen aus Afghanistan gekommen, neben Somalia, Irak und Syrien, sagte DRK-Präsidentin Gerda Hasselfeldt der dpa. Beim Suchdienst seien im vergangenen Jahr 1657 internationale Anfragen von Menschen eingegangen, die ihre Angehörigen aufgrund von Flucht, Krieg oder Vertreibung vermissten, ergänzte sie. In rund 30 Prozent aller Fälle habe das DRK weiterhelfen können.

Hasselfeldt will am Freitagvormittag in Berlin eine Bilanz und einen Ausblick des DRK-Suchdienstes zum Internationalen Tag der Vermissten (30. August) vorstellen.

Weltweit werden derzeit mehr als 200.000 Menschen aufgrund von Flucht, Krieg oder Vertreibung vermisst. Der DRK-Suchdienst hilft Menschen, die wegen aktueller bewaffneter Konflikte und Katastrophen weltweit von ihren Angehörigen getrennt worden sind. Er klärt aber weiterhin auch noch Schicksale von Vermissten aus dem Zweiten Weltkrieg.

Dreyer will koordiniertes Vorgehen bei Aufnahme afghanischer Flüchtlinge

06:30 Uhr: Die rheinland-pfälzische Ministerpräsidentin Malu Dreyer (SPD) hat finanzielle Unterstützung des Bundes sowie ein koordiniertes Vorgehen von Bund, Ländern und Kommunen bei der Aufnahme afghanischer Flüchtlinge gefordert.

"Wichtig ist, den afghanischen Menschen, die bereits in Deutschland sind oder die im Rahmen der Evakuierung nach Deutschland kommen, die volle Integration in unsere Gesellschaft, in Ausbildung und in den Arbeitsmarkt zu ermöglichen", sagte Dreyer der "Rheinischen Post". Das sei eine gemeinsame Aufgabe von Bund, Ländern und Kommunen.

Dazu sei ein koordiniertes Vorgehen notwendig. "Integration geschieht vor Ort in den Ländern und in den Kommunen. Die Bereitschaft und das Engagement, diese gemeinsame Aufnahme anzugehen, sind groß", sagte die SPD-Politikerin. "Ganz entscheidend wird aber sein, diesen Weg auch finanziell angemessen zu untersetzen. Der Bund darf die Länder dabei nicht alleine lassen. Wir sehen den Bund hier in besonderer Finanzierungsverantwortung."

NRW-Integrationsminister Joachim Stamp (FDP) forderte indes die Bundesregierung auf, die Aufnahme afghanischer Flüchtlinge auch außerhalb Europas zu organisieren. Es müssten "weltweit sichere Plätze für von den Taliban besonders bedrohte Menschen" geschaffen werden, sagte Stamp der Zeitung. Innerhalb der EU allein werde das vermutlich nicht gelingen.

Es dürfe jetzt nicht der Fehler von 2014 wiederholt werden, erklärte Stamp. Damals seien die Nachbarländer Syriens bei der Flüchtlingsversorgung im Stich gelassen und zugesagte Finanzhilfen an UN-Organisationen nicht gezahlt worden. Das habe dazu geführt, dass syrische Geflüchtete nicht mehr ausreichend versorgt werden konnten, was eine große Fluchtbewegung nach Europa ausgelöst habe.

Nach Anschlag in Kabul: Zahl getöteter US-Soldaten steigt auf 13

06:17 Uhr: Nach dem Anschlag in Kabul ist ein weiterer US-Soldat seinen Verletzungen erlegen. Die Zahl der getöteten Soldaten stieg damit auf 13, wie ein Sprecher des US-Militärs am Donnerstag (Ortszeit) sagte. Die Zahl der verletzten Truppenmitglieder sei auf 18 angestiegen.

Sie alle würden mit medizinisch ausgerüsteten Transportflugzeugen vom Typ Boeing C-17 aus Kabul ausgeflogen. Nach dem Anschlag an einem Tor des Flughafens der afghanischen Hauptstadt hatte das US-Verteidigungsministerium zunächst von zwölf getöteten und 15 verletzten Soldaten gesprochen.

Biden droht Terroristen nach Anschlag in Kabul mit Vergeltung

05:52 Uhr: Nach dem verheerenden Anschlag in der Nähe des Flughafens von Kabul hat US-Präsident Joe Biden den dafür verantwortlichen Terroristen mit Vergeltung gedroht. "Wir werden Euch jagen und Euch dafür bezahlen lassen", sagte Biden im Weißen Haus. Er kündigte Einsätze des US-Militärs gegen die für den Anschlag verantwortliche Terrormiliz Islamischer Staat (IS) an - und die Fortsetzung der Evakuierungen aus Afghanistan.

Bei dem Anschlag waren neben 13 US-Soldaten auch viele Afghanen getötet worden. Unbestätigte Medienberichte und Videos vom Tatort deuten auf Dutzende einheimische Todesopfer hin, hinzu kommen zahllose Verletzte. Das US-Verteidigungsministerium erklärte, es seien auch 18 Soldaten verwundet worden. Die Verletzten würden in speziell ausgerüsteten Flugzeugen ausgeflogen, hieß es.

Für die US-Streitkräfte waren es die ersten Soldaten seit Februar vergangenen Jahres, die in Afghanistan gewaltsam ums Leben kamen - und die schwersten Verluste dort seit einem Jahrzehnt. Biden ordnete an, die US-Flaggen über dem Weißen Haus und an allen öffentlichen Gebäuden bis Montagabend auf halbmast zu setzen, um der Opfer zu gedenken.

Der in Afghanistan aktive Ableger der Terrormiliz IS reklamierte den Anschlag für sich. Biden erklärte mit Blick auf die Gruppe, die USA hätten Informationen dazu, wo sich die Drahtzieher der Anschläge aufhalten - und würden auch ohne große Militäreinsätze Möglichkeiten finden, diese zur Rechenschaft zu ziehen, "wo auch immer sie sind". Seine eindringlichen Worte an die Terroristen: "Wir werden nicht vergeben. Wir werden nicht vergessen."

Flaggen in den USA nach tödlichem Anschlag in Kabul auf halbmast

05:42 Uhr: Nach dem tödlichen Terroranschlag in Kabul werden die Flaggen in den USA auf halbmast gesetzt. Damit sollen die Opfer der "sinnlosen Gewaltakte" geehrt werden, wie die Sprecherin von US-Präsident Joe Biden, Jen Psaki, am Donnerstag sagte. Die Flaggen-Anordnung werde bis zum Montagabend für das Weiße Haus, alle öffentlichen Gebäude und Militäreinrichtungen in den USA sowie US-Botschaften und konsularische Vertretungen weltweit gelten.

Bei dem Anschlag außerhalb des Flughafens der afghanischen Hauptstadt Kabul hatte zwei Selbstmordattentäter und eine Reihe von Kämpfern der Terrormiliz IS am Donnerstag viele Zivilisten und mindestens zwölf US-Soldaten getötet.

Biden: Weitere Kooperation nach Abzug auch im Interesse der Taliban

05:35 Uhr: Nach Ansicht von US-Präsident Joe Biden ist es im Interesse der Taliban, auch nach dem Abzug der amerikanischen Truppen weiter bei der Evakuierung von US-Bürgern und früheren afghanischen Ortskräften zu helfen. Die Taliban seien "keine guten Kerle", aber sie hätten ein vitales Interesse daran, mit der internationalen Gemeinschaft zusammenzuarbeiten, sagte Biden am Donnerstag im Weißen Haus. Die Taliban wollten den Flughafen in Kabul weiter offenhalten, könnten dies aber nicht ohne Hilfe von außen leisten, sagte er. Zudem hätten sie ein Interesse daran, die Wirtschaft nicht abstürzen zu lassen.

Biden sagte, es werde auch nach dem US-Truppenabzug am kommenden Dienstag noch Möglichkeiten geben, US-Bürger sowie frühere örtliche Mitarbeiter der US-Streitkräfte und andere Afghanen in Sicherheit zu bringen. "Entweder durch Mittel, die wir bereitstellen oder und durch Mittel, die durch die Zusammenarbeit mit den Taliban bereitgestellt werden", sagte Biden. "Sie sind keine guten Kerle, die Taliban. Das meine ich überhaupt nicht. Aber sie haben ein klares Interesse."

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Mit Material von dpa, afp, sid, reuters und apa.