Es ist am Dienstag das Topthema gewesen: Erwin Pröll hat nach zweieinhalb Jahrzehnten seinen Rücktritt angekündigt. Politiker zollten dem niederösterreichischen Landeshauptmann Respekt, manche nahmen den Tag aber auch zum Anlass für Kritik. Und im Netz ward ein neuer Hashtag geboren: #pröxit.

Von Dank über Bewunderung und Respekt bis hin zu Häme und Frisurenwitzen: Die Reaktionen auf den Rücktritt von Erwin Pröll hätten unterschiedlicher kaum sein können.

Bundeskanzler Christian Kern (SPÖ) dankte Pröll für seine Zeit als Landeshauptmann Niederösterreichs: "In diesen 25 Jahren hatte Erwin Pröll mitunter unterschiedliche Meinungen - zu den verschiedenen Bundesregierungen und auch zu meiner Partei, aber eines steht außer Streit: Es war immer dasselbe Ziel - für das Land und seine Menschen zu arbeiten."

ÖVP-Bundesparteichef und Vizekanzler Reinhold Mitterlehner betonte, Pröll habe für Niederösterreich "enorm viel geleistet und erreicht" und sein Amt als Landeshauptmann "vorbildlich" wahrgenommen: "Gerade seine vielen herausragenden Wahlerfolge haben bestätigt, wie sehr die Menschen diesen Einsatz honorieren". Pröll übergebe ein "gut bestelltes Haus".

Mikl-Leitner hielt sich zurück

Diejenige, an die er voraussichtlich übergibt, hielt sich bedeckt: "Für mich steht heute der Respekt vor der Lebensleistung Erwin Prölls im Mittelpunkt", reagierte die Stellvertreterin und wohl zukünftige Landeshauptfrau Johanna Mikl-Leitner (ÖVP), "und zu diesem Respekt zählt für mich auch, heute keine weiteren Kommentare abzugeben."

Innenminister Wolfgang Sobotka erklärte, Erwin Pröll habe über Jahrzehnte hinweg die politische Landschaft Österreichs geprägt. Er "ist ein Politiker von außergewöhnlichem Format, der in den zurückliegenden Jahren Außerordentliches geleistet hat. Er hat das Amt des Landeshauptmannes in einer sehr heiklen Phase übernommen und Niederösterreich vom Rand der Europäischen Union ins Zentrum geführt", so Sobotka.

Häupl war überrascht

Kurz nach Prölls Ankündigung betonte der Wiener Bürgermeister Michael Häupl (SPÖ) bei einer Pressekonferenz, dass er von Pröll "selbstverständlich" nicht vorab informiert worden sei. Er habe mit Pröll "sehr intensiv" seit 1988 über die Landesgrenzen hinaus zusammengearbeitet, und es sei "noch nicht richtig gesickert", dass Pröll nun als Gesprächspartner in dieser Form nicht mehr zur Verfügung stehen werde.

Glawischnig: Ära mit "Licht und Schatten"

"Mit Erwin Pröll verlässt eine große Persönlichkeit der österreichischen Nachkriegsgeschichte die politische Bühne", zollte Eva Glawischnig, Bundessprecherin und Klubobfrau der Grünen, dem scheidenden Landeshauptmann Respekt. "Seine Ära hatte Licht und Schatten. Pröll hat sein Bundesland mit machtvoller Politik vom Grenzland am eisernen Vorhang hin in die Mitte des modernen Europas geführt. Das ist anzuerkennen. Die Art und Weise, wie er seine Politik gemacht hat, ließ aber immer wieder Demokratiedefizite sichtbar werden. Mitsprache und Kontrolle hatten für ihn keine allzu große Priorität", bemängelt Glawischnig.

FPÖ: Pröll "amtsmüde"

"Nach so vielen Jahren in der Politik ist es nun einmal auch an der Zeit zu gehen", meinte der Klubobmann der FPÖ Niederösterreich, Gottfried Waldhäusl. Pröll habe vieles weitergebracht, aber in den vergangenen Jahren mehr als amtsmüde gewirkt. "Ihm sind viele Fehler unterlaufen, wodurch unsere Landsleute immer mehr auf die Verliererstraße abrutschen, so gesehen war es doch höchste Zeit für ihn, den Hut zu nehmen".

NEOS: "Niederösterreich ist frei!"

"Heute hat er sich endlich zu seinem Abgang durchgerungen. Und das ist gut so", kommentierte NEOS-Vorsitzender Matthias Strolz den angekündigten Rücktritt. "Erwin Pröll mag seine Verdienste haben. Aber er war auch ein Spitzenrepräsentant jenes verantwortungslosen Spendierföderalismus, mit dem wir in Österreich endlich abfahren müssen. Sein Bekenntnis zur Intransparenz wurde nicht nur bei der Transparenzdatenbank offensichtlich, sondern zuletzt sehr eindrücklich auch bei der Pröll-Privatstiftung. Solche Dinge sind nicht okay. Sein Abschied ist daher eine Chance auf einen neuen Stil auch in Niederösterreich".

Auf Twitter zitierte Strolz denn auch gleich noch Leopold Figl:

Ironische Kommentare zum "Pröxit"

Strolz war bei weitem nicht der einzige, der Prölls Rücktritt auf Twitter kritisch kommentierte. FPÖ-Chef Heinz-Christian Strache brauchte nicht einmal 140 Zeichen für seine Reaktion:

Und auch sonst ist das Netz voll von ironischen Kommentaren zu Prölls Rücktritt, häufig versehen mit dem Hashtag #pröxit.

Während eine Userin twitterte: "Ich war in meinem bisherigen Leben nur 2 Jahre und 22 Tage ohne einem Landeshauptmann Erwin Pröll. Fühle mich leer. Wie soll es weitergehen?", schien auch für die Gebrüder Mopeddie Welt auf den Kopf gestellt:

Ein großes Thema war immer wieder die Frisur des scheidenden Landeshauptmanns:

Volkstrauer nach Prölls Rücktritt? Auch das Thema griff die Twittergemeinde satirisch auf - etwa mit diesem Video von Trauerkundgebungen in Nordkorea:

Einen Rückzieher machte der Chefredakteur des "Falter", Florian Klenk: Das Blatt hatte zuletzt mit einem Bericht über angebliche Subventionen für Prölls Privatstiftung eine Welle der Kritik am Landeshauptmann ausgelöst. Als der nun seinen Rücktritt verkündete, meldete Klenk zunächst einen "Touchdown". Der Tweet ist inzwischen wieder gelöscht und Klenk gibt sich etwas vorsichtiger:

(af)