Annegret Kramp-Karrenbauers Ankündigung, sich vom Vorsitz der CDU bald zurückzuziehen und keine Kanzlerkandidatur anzustreben, hat auch international für Aufsehen gesorgt. Wir haben uns im Blätterwald von Frankreich bis Russland, von Dänemark bis Italien umgesehen.

Mehr aktuelle News finden Sie hier

Frankreich

"Le Figaro": CDU hat jetzt zwei Optionen

"Entweder wählen die Christdemokraten einen Vertreter der Mitte nach dem Vorbild von Bundeskanzlerin Angela Merkel. Er könnte ein Bündnis mit den Grünen schließen und die Kanzlerschaft eventuell ihrem beliebten Parteichef Robert Habeck überlassen. Oder aber die CDU beruft Merkels Intimfeind Friedrich Merz, um die Ultrarechten zu jagen und die Wähler zurückzuholen, die aus Enttäuschung über die Flüchtlingspolitik in Scharen zur AfD abgewandert sind. (...) Frankreichs Präsident Emmanuel Macron setzt jenseits des Rheins inzwischen auf die Grünen, um seine europäischen Ambitionen umzusetzen."

"La Croix": CDU braucht klare politische Linie

"Die Stunde der Wahrheit rückt für die größte Partei Deutschlands näher. Die Christlich-Demokratische Union (CDU) muss sich dringend für die Bundestagswahl in Stellung bringen, die in etwas mehr als 18 Monaten geplant ist. Sie muss ihren Kandidaten zur Nachfolge von Angela Merkel benennen, die seit 14 Jahren Kanzlerin ist und nicht mehr zur Wiederwahl antreten wird. Es geht vor allem darum, eine klare politische Linie zu definieren - während die Partei von einer populistischen Formation, der Alternative für Deutschland (AfD), unter Druck gesetzt wird."

Spanien

"El País": AKKs Verzicht ist eine schlechte Nachricht für Europa

"Der Verzicht von Annegret Kramp-Karrenbauer (...) ist eine schlechte Nachricht für Deutschland, aber auch für Europa. Trotz der Fehler der derzeitigen Verteidigungsministerin, seit sie im Dezember 2019 die Parteiführung übernommen hat, (...) eröffnet ihr Rücktritt eine Übergangszeit in der wichtigsten christdemokratischen Partei Europas. Dies ist eine Sackgasse, die es schwierig machen wird, Entscheidungen im schleppenden Prozess der europäischen Integration zu treffen, etwa bezüglich Umwelt-, Sozial-, Digital- oder Steuerfragen in der neuen Europäischen Kommission. (...)

Wenn die EU und die Demokratie selbst in vielen Ländern von rechtsradikalen Positionen infrage gestellt werden, bleibt Deutschland einer der Spiegel Europas. Das Dilemma der CDU angesichts der extremen Rechten ist in der Tat ein europäisches Dilemma (...)."

"El Periódico": AKKs Rückzug wird Machtkampf in der CDU auslösen

"Der Rückzug von AKK, die von der Kanzlerin (Angela Merkel) selbst als Nachfolgerin ausgewählt wurde, wird einen Machtkampf innerhalb der Christdemokratie auslösen. Aus diesem wird ein Mann als Sieger hervorgehen, der sehr wahrscheinlich der meistgewählten Partei Deutschlands einen konservativen Anstrich verleihen wird. (...)

Dieses neue Erdbeben innerhalb der CDU, das sich zu anderen wie dem von Thüringen oder dem wachsenden Einfluss der extremen Rechten auf die politische Agenda des Landes gesellt, zeigt ein Phänomen auf, das über die Christdemokratie hinausgeht: Eine Krise der traditionellen Parteien hat sich in Deutschland eingenistet. Die CDU hat sich lange davon verabschiedet, fast 40 Prozent der Wählerstimmen zu bekommen. Das haben die letzten Wahlen gezeigt. Der baldige Abschied von Merkel, die ein Stabilitätsanker für die CDU und für Deutschland war, wird diese Krise noch verschärfen."

CDU: Wer folgt auf AKK? Die vier Favoriten

Nach dem Rücktritt von Partei-Chefin Annegret Kramp-Karrenbauer muss sich die CDU an der Spitze neu aufstellen. Mit ihrem Rückzug stellt sich auch die Frage, wer als Unions-Kanzlerkandidat infrage kommt. Ein Überblick. (Teaserbild: imago images/Mauersberger)

Großbritannien

"Financial Times": Europa braucht eine gestärkte CDU

"Die CDU steht nun vor einem erneuten Gerangel um ihre Zukunft zwischen denen, die für eine Fortsetzung des Kurses von Angela Merkel eintreten, und jenen, die auf einen robusteren Konservatismus drängen. (...) Eine längere Phase der deutschen politischen Selbstreflexion birgt größere Risiken.

Das multilaterale System ist durch US-Präsident Donald Trump und den Brexit sowie durch das Vordringen des populistischen Nationalismus destabilisiert worden - nicht nur in den neueren EU-Mitgliedsländern im ex-kommunistischen Osten, sondern auch in mehreren älteren, westlichen Mitgliedsstaaten. Frankreichs energiegeladener Präsident Emmanuel Macron mag die Chance begrüßen, das Rampenlicht auf sich zu ziehen. Aber ohne einen mächtigen Partner in Berlin wird er es schwer haben. Es ist daher nicht nur für Deutschland, sondern für ganz Europa von entscheidender Bedeutung, dass die CDU gestärkt und mit einem ebenbürtigen Nachfolger Merkels aus ihrer Gewissensprüfung hervorgeht."

Italien

"La Repubblica": Italienische Verhältnisse in Berlin

"Es sind nicht die Wirtschaftsindikatoren, die Deutschland mit Italien vergleichbar machen: Es braucht viel mehr als das. Es gibt eine neue politische Schwäche in Berlin. (...) Angela Merkel hat es nicht geschafft, Annegret Kramp-Karrenbauer nach einem typischen Machtspiel durchzusetzen: Zuerst zögert man, einen vertrauenswürdigen Nachfolger aufzubauen, und wenn man sich schließlich entscheidet, hat man nicht mehr genug Kraft, ihn durchzusetzen und zu verteidigen.

(...) Es ist das Bild eines instabilen Deutschlands, das vor allem nicht mehr um den christdemokratischen "Zentrismus" herum aufgebaut ist, sondern von einer Flucht in die Extreme zerrissen ist. Im Moment hält die Große Koalition noch. Aber für wie lange? Die Frage betrifft alle, die Berlin für das europäische Projekt für wesentlich halten."

"Corriere della Sera": Merkel hat große Fehler gemacht

"Das alles heißt: Angela Merkel kann ihre Partei nicht mehr hinter sich sammeln. Mehr noch, vielleicht scheint sie zum ersten Mal ihr Gespür für die Macht verloren zu haben. Entschlossen, Kanzlerin zu bleiben, hat sie ihre Position aufgegeben, dass beide Posten zusammen gehören, und hat die CDU-Führung abgegeben.

Zudem war es eine große persönliche und politische Fehleinschätzung, ihr ganzes Gewicht für AKK in die Waagschale zu werfen, nur um dann zu sehen, wie diese Missgriffe, Fehler und Wahlniederlagen sammelte. Und jetzt, wo sie das korrigiert hat, muss sie erkennen, dass ihr Schritt womöglich zu schwach und zu spät kam. Und obwohl er wahrscheinlich ausreicht, um das momentane Überleben der großen Koalition zu garantieren, ist es nicht mehr Merkel, die über ihre eigene Zeit an der Macht entscheidet. Alles wird davon abhängen, wer im Herbst an die Spitze der CDU gewählt wird."

Russland

"Kommersant": Ein zerstörerischer Sturm trifft die CDU

"Das politische System in Deutschland steckt in einer schweren Krise. Sie könnte sogar zum Ende der Regierung von Angela Merkel und zu vorgezogenen Wahlen führen. Am Montag kündigte Merkels Nachfolgerin Annegret Kramp-Karrenbauer unerwartet ihren Rückzug vom CDU-Vorsitz und ihren Verzicht auf eine Kandidatur bei den Wahlen 2021 an.

Auslöser der Krise bei einer der führenden politischen Kräfte Deutschlands war die Wahl des Thüringer Ministerpräsidenten: Sie wurde unterstützt von CDU-Mitgliedern und Rechtsradikalen der Alternative für Deutschland. Während das Orkantief "Sabine" über Deutschland hinwegzog, (...) wurde am Montag klar: Ein viel zerstörerischer Sturm traf die Partei der Bundeskanzlerin Merkel."

Schweiz

"NZZ": Führungswechsel bietet CDU große Chance

"Mit dem Führungswechsel bietet sich der CDU deshalb auch eine große Chance. Die linken Parteien wollen der Öffentlichkeit einbleuen, die CDU habe mit dem Fanal in Thüringen einen gefährlichen Rechtsrutsch vollzogen. Die Partei braucht daher eine Persönlichkeit, die in einem solchen medialen Gewitter nicht gleich umkippt und die sich nicht an der Hysterie beteiligt. Es braucht außerdem eine Klärung im Verhältnis zur Linkspartei und zur AfD. Will die CDU ihr konservatives und wirtschaftsfreundliches Profil nicht völlig verwedeln, gilt es, von beiden Parteien Abstand zu halten.

Allerdings ist das Prinzip der CDU, wonach keine politische Entscheidung von den Stimmen der AfD abhängig sein darf, unsinnig. Es blockiert die CDU und führt dazu, dass sie weiter nach links driftet. Die Partei braucht deshalb eine selbstbewusste, bürgerliche Figur an der Spitze, die die Zusammenarbeit mit der AfD nicht sucht, aber auch nicht panisch reagiert, wenn er oder sie ungebeten Schützenhilfe der AfD erhält. Maßstab der CDU sollte die eigene Politik sein und nicht eine Strategie der Abgrenzung zur AfD."

"Tages-Anzeiger": Unsicherheit in der deutschen Politik

"Ihr Scheitern war und ist aber nicht nur ihr eigenes, es ist auch eine schwere Niederlage für Angela Merkel. Die 65-jährige Kanzlerin muss ihren Wunsch, in Kramp-Karrenbauer eine ähnlich gesinnte Nachfolgerin heranreifen zu sehen, begraben.(...) Je machtloser die Parteichefin wirkte und je unbeliebter sie wurde, desto unersetzlicher wirkte Merkel. Als Quasipräsidentin schien sie über den Niederungen der Politik zusehends zu schweben. Auch im 15. Jahr ihrer Kanzlerschaft wies eine Umfrage sie gerade wieder als beliebteste Politikerin des Landes aus.

Mit ihrem plötzlichen Rückzug stößt Kramp-Karrenbauer ihre Partei nun erst recht in eine schwere Krise. Welche Kräfte übernehmen künftig die letzte verbliebene deutsche Volkspartei? Könnte sich die CDU in den nächsten Jahren sogar spalten, sollten die Fliehkräfte weiter zunehmen? Und kommt jetzt das Ende der Ära Merkel doch noch abrupter, als man zuletzt meinte? Vieles ist in der deutschen Politik dieser Tage unsicher geworden wie selten zuvor."

Polen

"Rzeczpospolita": Deutschlands Angst, Polens Risiko

"Die wichtigste Partei im wichtigsten Land der EU durchlebt eine große Krise. Das ist Grund genug, dass die Unruhe nicht nur die Deutschen ergreift, sondern auch die Polen (...). Annegret Kramp-Karrenbauer ist dem Dilemma erlegen, mit wem die CDU zusammenarbeiten darf. In den östlichen Bundesländern wird es immer schwerer, eine Mehrheit ohne die postkommunistische Linke oder die extrem rechte AfD zu bilden.

Polen ist (...) nicht nur wirtschaftlich stark mit Deutschland verbunden. Es teilt auch im Großen und Ganzen die Vision der Welt, mit der Deutschland in den Jahren der CDU-Regierung identifiziert wurde: das für die Sicherheit unerlässliche Bündnis mit Amerika und die Abneigung gegen ein Wunschkonzert der Supermächte, also neue Ideen zur Weltordnung, bei denen die Großen über die Köpfe der Kleinen hinwegreden.

Die neue CDU wird entweder näher an der Linken sein, die eine andere Vision der Welt hat, oder an der extremen Rechten. Oder sie wird zerfallen. Alle Versionen sind für Polen riskant. "

"Gazeta Wyborcza": Merkel versenkt Kramp-Karrenbauer

"Annegret Kramp-Karrenbauer fehlte das Charisma und die Durchsetzungskraft, um Nachfolgerin von Angela Merkel zu werden. Als das nach dem Skandal um die Abstimmung der CDU in Thüringen Arm in Arm mit der AfD klar wurde, hat Merkel entschieden, sie zu versenken.

Als Kramp-Karrenbauer 2018 die Schlüsselrollen in der CDU übernahm, fragten sich Beobachter, ob eine Politikerin aus dem winzigen Saarland in dem Haifischbecken des politischen Berlins zurechtkommt. Nach zwei Jahren ist klar: Die Hoffnungen, die sich mit Kramp-Karrenbauer verbanden, waren vergeblich. Die neue Parteichefin schaffte es nicht, aus dem Schatten Merkels hervorzutreten."

Niederlande

"de Volkskrant": Zukunft von CDU und großer Koalition sind offen

"Damit ist die Zukunft der größten Partei Deutschlands wieder offen, ebenso wie die Frage, ob die große Koalition unter Führung von Angela Merkel bis 2021 bestehen bleibt. (...)

Ob die Regierung in Berlin die Wachablösung bei der CDU überlebt, hängt auch von der SPD ab. Je konservativer der neue Parteivorsitzende und Kanzlerkandidat, desto größer die Wahrscheinlichkeit, dass die SPD die große Koalition platzen lässt. Das ist bei den jetzigen linken Vorsitzenden Esken und Walter-Borjans so gut wie sicher. Theoretisch besteht die Möglichkeit, dass Merkel selbst begreift, dass sie im Interesse der Zukunft ihrer Partei lieber zurücktreten sollte. Aber mit Blick auf die bevorstehende deutsche EU-Ratspräsidentschaft ab Juli scheint das eher unwahrscheinlich."

Dänemark

"Berlingske": Merkel lässt das bürgerliche Deutschland im Stich

"Der Sturz von AKK ist der Höhepunkt einer wachsenden internen Kluft bei den Christdemokraten, die sich fast fünf Jahre nach der Flüchtlingskrise schwertun, Antworten auf die Herausforderung der Alternative für Deutschland zu finden. (…) Das Versagen ist aber Angela Merkel selbst zuzuschreiben, die die lokalen CDU-Kräfte vor allem in den östlichen Ländern alleingelassen hat. (…)

Solange Angela Merkels CDU so tut, als wenn die AfD mit Nazi-Prädikaten und moralischen Verurteilungen und nicht mit Ursachenbekämpfung und konkreter Politik eliminiert werden könne, wird Annegret Kramp-Karrenbauer kaum das letzte bürgerliche Skalp der AfD sein."

Tschechische Republik

"Hospodarske noviny": AKK-Rücktritt kein Befreiungsschlag

"Am angekündigten Rückzug Annegret Kramp-Karrenbauers von der Parteispitze der Christdemokraten ist wohl einzig die Aussicht positiv, dass es für Nicht-Deutsche einfacher sein wird, den Namen der künftigen Bundeskanzlerin oder CDU-Vorsitzenden auszusprechen. Ansonsten bringt der Rückzug AKKs, wie der Name der Politikerin aus praktischen Gründen abgekürzt wird, weder ihrer Partei noch der Regierungskoalition mit den Sozialdemokraten irgendeine Form der Erleichterung.

Die Gründe für ihre Entscheidung sind offensichtlich: In 14 Monaten ist es ihr nicht gelungen, ihre Autorität durchzusetzen und aus den Fußstapfen ihrer Vorgängerin Angela Merkel zu treten. Es ist das eine, sieben Jahre lang die Regierung eines der kleinsten Bundesländer, des Saarlands, zu führen, und etwas anderes, sich auf dem Terrain der Berliner Politik zu bewegen, wo es nur so von Raubtieren wimmelt, die auf eine günstige Gelegenheit zum Angriff lauern."

Österreich

"Der Standard": Keine guten Aussichten für Deutschland

"Die CDU wird also in der kommenden Zeit sehr stark mit sich selbst beschäftigt sein, so wie es die SPD in der Zeit ihrer Kandidatenfindung war. Diese hat, viele erinnern sich mit Schaudern, fast sechs Monate gedauert. So viel Zeit kann sich die CDU nicht nehmen, man kann nicht glauben, dass Kramp-Karrenbauer immer noch den Parteitag im nächsten Dezember als den Termin für die letztgültige Klärung dieser wichtigen Personalfrage ansieht.

Nebst Selbstfindung gibt es ja noch eine nicht ganz unwesentliche Aufgabe: Deutschland, die größte Volkswirtschaft in der EU, muss regiert werden. (...) Gleichzeitig sind beide, Merkel und AKK, nur noch Politikerinnen auf Abruf. Wie soll da in der Koalition etwas weitergehen? Es sind keine guten Aussichten für Deutschland."

Ungarn

"Magyar Nemzet": Merz ist populärster Kandidat für die CDU-Spitze

"In der Merkel-Ära hat die CDU ihren Kompass verloren, wurde zu einer amorphen Masse. (...) Jetzt muss sie den Weg zurück zu den Wählern finden, und zwar so bald wie möglich. Sie braucht jetzt jemanden an der Spitze, der viel stärker an Helmut Kohl oder Konrad Adenauer erinnert und in keiner Weise an die stets von den Ereignissen getriebene AKK. Unter den möglichen Nachfolgern ist der konservative Friedrich Merz der beliebteste."

"Nepszava": Rechtsruck der CDU wäre gefährlich für Europa

"Genauso wie vor der Wahl des CDU-Vorsitzes 2018 flammt auch diesmal bei den Christdemokraten dieser Streit auf: In welche Richtung soll die Partei weitergehen? Soll sie in der Mitte bleiben oder nach rechts rücken? Wenn der als Favorit geltende Friedrich Merz zum nächsten CDU-Vorsitzenden gewählt und er auch Kanzlerkandidat wird, kann man davon ausgehen, dass die Partei auch jene Themen abdecken will, die bisher die Prioritäten der AfD waren. Die Vergangenheit aber zeigt, dass ein starker Rechtsruck eine gefährliche Strategie wäre. Deutschland steht vor aufregenden Zeiten. Europas Schicksal hängt davon ab, wie sich dies in Zukunft entwickelt."

Zusammengestellt von hub, mit Material der dpa