Die Formel 1 fährt wieder. Der Auftakt in Spielberg litt nicht zu arg unter den notwendigen Corona-Regeln, sondern bot viel Abwechslung. Die Kräfteverhältnisse aber haben sich gegenüber der Vorsaison nicht verändert - und wenn, dann zum bitteren Nachteil Sebastian Vettels.

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Mit knapp vier Monaten Verspätung aufgrund der Corona-Pandemie startete am Sonntag endlich die Formel 1 in die Saison 2020.

Gleich zum Auftakt lieferte die Königsklasse des Motorsports jede Menge Action, Zündstoff und Überraschungen in Spielberg in Österreich, wo der erste "Geister-Grand-Prix" in dieser Saison stattfand.

Dennoch zeigten sich im ersten Rennen bereits fünf Entwicklungen, die für den weiteren Verlauf der Saison 2020 prägend sein könnten.

Die Erkenntnisse aus dem Saisonstart der Formel-1-WM

1. Mercedes ist im Normalfall nicht zu schlagen

Die Dominatoren der Vorjahre scheinen sich auch von den besonderen Umständen dieser Saison nicht aus dem Konzept bringen zu lassen. Im Qualifying fuhren Valtteri Bottas und Lewis Hamilton souverän in die erste Startreihe, lediglich Red-Bull-Hoffnung Max Verstappen konnte einigermaßen Schritt halten.

Auch im Rennen diktierten die "Silberpfeile" bis in die Schlussphase hinein das Geschehen. Nicht einmal technische Probleme an beiden Boliden ließen die Konkurrenz näher rücken.

Erst eine Safety-Car-Orgie in der Schlussphase des Rennens, ermöglichte den Verfolgern zum Mercedes-Duo aufzuschließen.

Während Bottas bei sämtlichen Restarts die Nerven behielt, kollidierte Hamilton mit Red-Bull-Pilot Alex Albon und erhielt eine Fünf-Sekunden-Strafe, die ihn schlussendlich das Podium kosteten.

Doch bei einem normalen Rennverlauf und unter normalen Bedingungen ist Mercedes kaum beizukommen. So zeichnet sich bereits jetzt lediglich ein stallinternes WM-Duell zwischen Bottas und Hamilton ab, bei dem der Finne mit seinem Sieg zum Auftakt ein erstes Ausrufezeichen gesetzt hat.

2. Sebastian Vettel bestätigt ungewollt Ferrari-Chef Mattia Binotto

Zugegeben, die Verkündung der Trennung per Telefon, nachdem zuvor, laut Vettel, nicht einmal ein Angebot vorlag, entspricht nicht dem üblichen Umgang mit einem viermaligen Weltmeister. Bei aller Kritik zeigte sich aber auch in Spielberg, dass die Kombination Vettel und Ferrari einfach nicht funktioniert.

Im Qualifying fuhr der Heppenheimer auf Rang elf, womit er erstmals seit dem Deutschland-Grand-Prix im Vorjahr den dritten Qualifikationsabschnitt verpasste. Im Rennen hatte Vettel große Probleme beim Überholen von vermeintlich unterlegenen Autos und setzte keine Glanzlichter.

Obendrein erschwerte er sich die Aufholjagd mit einem Dreher, der ihn ans Ende des Feldes fallen ließ, noch zusätzlich. "Ich bin froh, dass ich mich nur einmal gedreht habe", gab Vettel anschließend zu Protokoll.

Zur Leistungsfähigkeit des roten Boliden sagte er: "Vorne können wir im Moment nicht viel mitreden. Ich denke, das heutige Rennen war sehr chaotisch. Aber ich glaube, unter normalen Umständen ist der fünfte, sechste, siebte Platz das, was in uns steckt."

Nun waren die Schlussrunden in Spielberg durchaus turbulent, mit zahlreichen Ausfällen. Aber während Vettel auf Rang zehn gerade noch ein Pünktchen rettete, fuhr sein Teamkollege Charles Leclerc auf den zweiten Platz. Ohne Hamiltons Strafe wäre er aber auch Dritter gewesen.

Der junge Monegasse lieferte ein fehlerfreies Rennen und hatte das nötige Glück, während Vettel wieder einmal durch einen eigenen Fehler nicht das bestmögliche Resultat abliefern konnte.

Ferrari-Teamchef Mattia Binotto dürfte sich in seiner Entscheidung bestätigt fühlen. Vettel hingegen bleibt nur noch diese Saison, um sich für einen Verbleib in der Formel 1 zu empfehlen.

3. Ferrari ist nur noch die Nummer 5

Als wäre das Theater rund um Vettel und Binotto alleine nicht schon genug, kann Ferrari auch seinem Status als erster Mercedes-Verfolger aus den vergangenen Jahren nicht gerecht werden. Das Red-Bull-Team ist derzeit deutlich stärker, aber auch die Mittelfeld-Teams McLaren und Racing Point, vor allem letzteres mit deutlich geringerem Budget als Ferrari ausgestattet, liegen aktuell vor den Italienern.

Bei normalem Rennverlauf wäre Leclerc wohl nicht aufs Podest gefahren, hatte er doch zwischenzeitlich große Mühe, mit den Autos von McLaren und Racing Point Schritt zu halten. An ein Überholen war erst recht nicht zu denken.

Begünstigt durch die bereits angesprochenen Safety-Car-Phasen und einen Boxenstopp zum idealen Zeitpunkt, betrieb Leclerc Schadensbegrenzung für die Scuderia. Im Qualifying sah es noch düsterer aus mit den Plätzen sieben und elf.

So verwundert es wenig, dass Ferrari in Ungarn, beim dritten Rennen der Saison, mit einem generalüberholten Boliden an den Start gehen möchte. Denn nur die fünftstärkste Kraft in der Formel 1 zu sein, entspricht weder Tradition noch Anspruch des Teams aus Maranello.

4. Max Verstappen verzweifelt an seinem Boliden

"Täglich grüßt das Murmeltier." Ähnlich wie in diesem Filmklassiker dürfte sich auch Verstappen mit seinem Red-Bull-Boliden in Spielberg gefühlt haben.

Wieder einmal musste der ambitionierte Niederländer das Rennen vorzeitig beenden, nachdem sein Auto auf einmal keine Leistung mehr abrufen konnte. "Ich habe plötzlich Leistung und Drive verloren. Ich weiß noch nicht, was das Problem war. Das werden wir herausfinden, aber auf diese Weise will man die Saison natürlich nicht beginnen", bilanzierte Verstappen anschließend bei Sky den Saisonstart aus seiner Sicht.

Bereits in der vergangenen Saison hatte er einige Ausfälle zu verzeichnen, die zumeist ohne sein Verschulden passierten. Auch in Spielberg wäre Verstappen wohl aufs Podium gefahren und hätte den Status als bester Nicht-Mercedes-Pilot damit untermauert.

Denn vom fahrerischen Potenzial ist der 22-Jährige der Top-Kandidat, wenn da nicht die verflixte Zuverlässigkeit wäre, die ihn wichtige Punkte im WM-Kampf kostet. Es bleibt für ihn und die Spannung in der WM zu hoffen, dass Verstappen in diesem Jahr möglichst ausfallfrei durch die weitere Saison kommt, um den Kampf um den Titel nicht zur reinen Mercedes-Veranstaltung werden zu lassen.

5. "Geister-Atmosphäre" beeinflusst Rennen nicht

Die leeren Zuschauerränge in Spielberg wurden mit großen Werbebannern überdeckt, und die Siegerehrung fand in einem bescheideneren Rahmen als üblich statt. Aber anders als beim Fußball und auch beim Basketball zu sehen, fiel die "Geister-Atmosphäre" während des Rennens nicht auf.

Natürlich wird es bei den Rennen in Silverstone oder Italien aufgrund der dort herrschenden Begeisterung deutlicher werden, dass keine Zuschauer vor Ort sind. Doch die Formel 1 und wohl der gesamte Motorsport werden wohl die Sportart sein, die ohne Zuschauer an der Strecke am wenigsten von ihrer Strahlkraft verliert.

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