• Lewis Hamilton liegt nach drei Rennen der neuen Saison in der Gesamtwertung hinter seinem neuen Mercedes-Teamkollegen George Russell.
  • Der große Unterschied zwischen beiden: Russell kommt mit dem widerspenstigen Mercedes deutlich besser klar.
  • Hamilton schlägt in Sachen WM-Kampf Alarm und nimmt das Team in die Pflicht.

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Lewis Hamilton schlägt Alarm. Macht Druck, er will Schritte nach vorne sehen. Denn der siebenmalige Weltmeister sieht seine Felle in der neuen Formel-1-Saison schon jetzt davonschwimmen. Er fordert deshalb Verbesserungen "jetzt, nicht in zwei oder drei Rennen", so Hamilton, der "viele Zooms" ankündigte, "um den Leuten im Windkanal, den Aero-Jungs, nachzujagen. Es gilt Leistung zu finden in Bereichen, die wir kennen." Er stelle sicher, dass kein Stein auf dem anderen bleibe, sagte Hamilton, "und dass der Hunger da ist und wir jeden Moment maximieren."

Denn Hamilton hat gleich zwei Probleme: Einen Mercedes, der noch nicht gut genug ist für den Titelkampf in der Formel 1. Und einen Teamkollegen, der auf Augenhöhe agiert – und mit dem Boliden besser klarkommt als Hamilton. George Russell ist mit 37 Punkten Gesamtzweiter, Hamilton ist Fünfter und hat 28 Zähler.

Der Mercedes wird giftig

Nach drei von insgesamt 23 Rennen ist das noch keine große Sache, doch zum einen hat Mercedes rund eine Sekunde Rückstand auf die Spitze, Charles Leclerc ist im Ferrari vor dem vierten Rennen am Sonntag in Imola schon auf 71 Punkte enteilt. Zum anderen will der W13 noch nicht so, wie Hamilton will. "Das Problem ist, dass mein Auto ziemlich giftig wird, wenn ich etwas mehr ans Limit gehe. Es ist wie eine Viper oder eine Klapperschlange, du weißt nie, wann es dich erwischt", sagte Hamilton. Er leidet ganz besonders unter dem sogenannten "Porpoising", also wenn der Boliden auf den Geraden anfängt zu hüpfen.

Dass der nicht optimal abgestimmte und ungewohnt widerspenstige Mercedes Russell offenbar besser liegt, könnte an der Vergangenheit der beiden Fahrer liegen, glauben Experten. "Weil er die letzten Jahre nur perfekte Autos gefahren ist. Der ist verwöhnt", sagte der frühere Formel-1-Fahrer Marc Surer bei "Formel1.de". Russell sei nicht perfekte Autos gewohnt, musste in der Vergangenheit "den Williams um den Kurs prügeln, der überhaupt nicht perfekt war, und hat damit manchmal Wunderdinge vollbracht. Russell ist gewohnt, mit einem schlechten Auto schnell zu fahren. Lewis ist das nicht mehr gewohnt."

Hamilton "musste nie ans Limit gehen"

Auch Ex-Weltmeister Jacques Villeneuve glaubt, dass Russell "bis zu einem gewissen Grad" mit dem schwierigen Mercedes umgehen könne, was an seinen Williams-Jahren liege, "wo er auch ein kniffliges Auto fahren musste. Lewis kommt hingegen überhaupt nicht klar. Er hatte immer ein perfektes Auto und musste nie ans Limit gehen, weil Mercedes so viel schneller war", so der Kanadier in seiner Kolumne auf "Formule1.nl". Hamilton musste schmunzeln, als er zuletzt in Australien damit konfrontiert wurde. "Ich habe seit meinem ersten Kart unterschiedliche Autos bewegt und war dabei immer sehr anpassungsfähig. Das sollte also kein Problem sein", sagte er.

Einen Schritt weiter geht hingegen Mika Häkkinen. Der Finne ist sich "sicher, dass Hamilton von der Situation genervt ist. Es ist hart, von George besiegt zu werden. Ich befürchte, dass es eine sehr schwere Saison für Lewis wird", so Häkkinen. Für Hamilton sei das "ein Desaster. Und mit George vor ihm ist es noch schlimmer".

Häkkinen unkt sogar, dass Hamilton in Teammeetings "schmollt. Ich kann es mir vorstellen. In diesen Momenten ist der natürliche Gedanke eines jeden Fahrer: 'Sollte ich vielleicht woanders hingehen?'" Deshalb glaubt der zweimalige Weltmeister, dass Hamilton, dessen Vertrag bei Mercedes noch bis nach der Saison 2023 läuft, möglicherweise wechseln könnte. "Jetzt, wo die Dinge nicht gut laufen, wird er damit beginnen, über ein anderes Team nachzudenken", so Häkkinen.

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Mercedes-Chancen? Wolff glaubt 40:60

Es sind die üblichen Spekulationen rund um die Formel 1. Erst einmal gilt für Hamilton das Hier und Jetzt. Denn erstmals seit Nico Rosberg, gegen den er 2016 das WM-Duell verlor, hat der Brite in George Russell offensichtlich einen ebenbürtigen Gegner. Der Teamkollege ist bekanntlich der erste Kontrahent, und Surer weiß: Verliert Hamilton gegen Russell, wäre das "ein Makel". Klar ist aber wohl auch: In diesen Kampf wird Mercedes vorerst nicht eingreifen, denn Teamorder werde erst "dann passieren, wenn sie die Chance haben, Weltmeister zu werden. Vorher ergibt das alles keinen Sinn", sagt Surer, der klarstellt: "Es ist viel zu früh, über sowas nachzudenken".

Dafür denkt Mercedes an die WM-Chancen. "Ich würde sagen, dass die Chancen 20:80 stehen, aber wir sprechen hier vom Motorsport", sagt Teamchef Toto Wolff. Bekommt man die größte Baustelle, das Porpoising, in den Griff, kann es für Mercedes schnell nach vorne gehen. Wolff: "Teams können ausfallen, und wenn wir dem Auto das Potenzial entlocken, sind wir sofort wieder dabei. Also will ich als Racer sagen, dass die Chancen eher 40:60 stehen." Es ist also noch nichts verloren. Deshalb macht Hamilton weiter Druck.

Verwendete Quellen:

  • Youtube: Mika Häkkinen F1 2022 mid-season analysis - After Australian GP (3/23)
  • Formel1.de: Marc Surer: Warum Hamilton in der WM derzeit hinter Russell liegt
  • Pressekonferenzen
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