Der SV Werder Bremen präsentierte sich im Relegations-Hinspiel gegen den 1. FC Heidenheim erschreckend schwach. Trainer Florian Kohfeldt wirkt ratlos. Findet er für das Rückspiel keine Lösungen, drohen dem Verein wirtschaftlich schwierige Zeiten.

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So unterschiedlich lässt sich ein 0:0 bewerten. Während Ersatzspieler und Verantwortliche des 1. FC Heidenheim bei Abpfiff euphorisch applaudierten, schlichen die Bremer enttäuscht in die Kabine. Der Wunsch des Bundesligisten, bereits im Relegations-Hinspiel für klare Verhältnisse zu sorgen, blieb unerfüllt.

Schlimmer noch: Der Auftritt des Bundesligisten im eigenen Stadion war so ideenlos und schwach, dass der Abstieg gefühlt näher gerückt ist.

"Ich muss nicht drum herumreden, es war ein sehr schlechtes Spiel von uns", gab Trainer Florian Kohfeldt zu. Heidenheim ließ Werder wenig Räume und stand um den eigenen Strafraum herum sehr kompakt. Eine Spielweise, mit der der Bundesligist überhaupt nicht zurechtkam.

Die Folge: Die Bremer bekamen in der ersten Halbzeit keine nennenswerte Torchance zustande. Auch in der zweiten Hälfte blieb die Offensive weitestgehend harmlos.

Bremer Plan ging nach zwei Minuten verloren

Trainer Florian Kohfeldt scheint ratlos zu sein: "Ich kann gar nicht sagen, ob unser Plan aufgegangen ist oder nicht, weil wir gar nicht erst richtig ins Spiel gekommen sind. Unser Plan ist bereits nach zwei Minuten verloren gegangen."

Die Bremer schienen dem mentalen Druck nicht gewachsen zu sein. "Wir sind zu früh zu wild geworden, haben Staffelungen aufgegeben und wollten es erzwingen", bemängelt Kohfeldt.

Werder hatte zwar 68 Prozent Ballbesitz, wusste damit allerdings wenig anzufangen. Die besseren Chancen hatten die Gäste aus Heidenheim.

45 Millionen Euro Einnahmeverlust bei Abstieg?

Werder Bremen droht nun der GAU. Im Rückspiel, welches am Montagabend in Heidenheim stattfindet, stehen rund 45 Millionen Euro auf dem Spiel. So hoch wäre laut einer Berechnung der "Sport Bild" der Einnahme-Verlust, sollte Bremen wirklich in die 2. Bundesliga absteigen.

Dabei ist die Situation ohnehin schon dramatisch: Laut dem "Weser Kurier" musste der Verein bei der Kreditanstalt für Wiederaufbau (KfW) bereits einen Kredit aufnehmen, um die finanziellen Folgen der Coronakrise aufzufangen.

Ein Abstieg würde die wirtschaftliche Situation verschärfen. Allein die Fernseheinnahmen würden von derzeit 67 Millionen Euro um rund 30 Millionen Euro sinken.

TV-Einnahmen als einzig große Einnahmequelle

Das wäre in Zeiten von Corona besonders schwerwiegend. Sollten nämlich auch kommende Saison keine oder nur weniger Zuschauer in die Stadien dürfen, wären die TV-Einnahmen die einzige große Einnahmequelle.

Werders Finanzchef Klaus Filbry sagte im NDR Sportclub: "Wir haben Sponsoren, die haben verlängert. Wir haben aber auch welche, die verlängern nicht. Und dann fehlt uns natürlich das Wichtigste: die Fans. Wir haben keine Zuschauereinnahmen und wissen, dass wir in der Hinrunde der neuen Saison höchstens mit Teilzuschauern spielen werden."

Laut Filbry wäre ein Abstieg daher "wirtschaftlich extrem schwer zu verkraften."

Werder-Profis verdienen bei Abstieg bis zu 40 Prozent weniger

Auch für die Spieler steht viel Geld auf dem Spiel. Die Verträge sind nämlich so gestaltet, dass die Profis in der 2. Liga bis zu 40 Prozent weniger Gehalt kassieren würden. Die Akteure auf dem Rasen sollten also ausreichend motiviert sein, um sich im Rückspiel den Klassenerhalt zu erkämpfen.

Ärgerlich für Bremen: Der Kapitän und Innenverteidiger Niklas Moisander wird nicht helfen können, da er kurz vor Schluss die gelbrote Karte sah und somit für das Rückspiel gesperrt ist. "Das ist natürlich bitter, aber wir haben gute Jungs dahinter. Da mache ich mir keine Sorgen", sagt Stürmer Niclas Füllkrug.

Und was stimmt Trainer Kohfeldt optimistisch, dass seine Mannschaft am Montagabend in Heidenheim anders auftritt? "Was mir Mut macht, ist, dass wir heute katastrophal gespielt haben und wir dazu imstande sind, am Montag eine andere Leistung zu bringen. Das müssen wir auch. Denn wenn wir die gleiche Leistung bringen wie heute, wird es schwer."

Bundesliga-Relegation: Ein Auswärtstor für den Klassenerhalt

Füllkrug kann dem 0:0 sogar etwas Positives abgewinnen: "Heidenheim hat kein Auswärtstor gemacht. Wir sind heimschwach und auswärtsstark und versuchen nun dort zu treffen, deshalb ist das eigentlich eine ordentliche Ausgangssituation."

Zur Erklärung: Haben beide Mannschaften nach dem Rückspiel gleich viele Tore geschossen, würde die Anzahl der Auswärtstore zählen. Bedeutet: Macht Bremen in Heidenheim ein Tor, müsste der 1. FC Heidenheim zwei Tore erzielen.

Heidenheim-Vereinsboss Holger Sanwald äußerte sich nach der anfänglichen Freude über das erkämpfte Unentschieden daher vorsichtig. "Das 0:0 ist eine gute, aber auch gefährliche Ausgangssituation für uns", sagte er und fügte hinzu: "Werder bleibt in der Favoritenrolle."

Auch wenn davon bislang wenig zu sehen war.

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Verwendete Quellen:

  • Sport Bild: Ausgabe 08/2020
  • Weser-Kurier.de: Werder liegt bei Personalkosten im Mittelfeld
  • ndr.de: Filbry: "Zwei Matchbälle erarbeitet"
  • Pressekonferenz nach dem Spiel SV Werder Bremen – 1. FC Heidenheim