Georg Niedermeier beweist, warum ein Bayer immer ein Bayern bleibt, René Adler spricht die Wahrheit und Stefan Aigner macht verrückte Vorschläge für den Abstiegskampf. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Fußball-Bundesliga.

1. Erkenntnis: Man kriegt Bayern nie raus aus einem Bayern

Selten war der VfB Stuttgart so nah dran, dem FC Bayern weh zu tun. Die Schwaben hatten gut gespielt, wirkten frisch und ausgeruht im Gegensatz zum Champions-League-geplagten Millionen-Ensemble aus München.

Doch dann kam die 31. Minute, eine Hereingabe von Franck Ribéry und der ur-bajuwarische Instinkt des gebürtigen Münchners Georg Niedermeier, der den Ball zum 1:0 für den FCB ins Tor bugsierte. Tja, man kriegt zwar wohl einen Bayern raus aus Bayern, aber Bayern nie raus aus einem Bayern - oder so ähnlich.

Jedenfalls schien Niedermeier in diesem Moment kurz vergessen zu haben, dass er schon längst nicht mehr für den deutschen Rekordmeister aufläuft. Aber sei's drum. Eine weitere bayerische Qualität hat sich der Schorsch, wie in Bayern ein Georg ja stets genannt wird, nämlich auch noch bewahrt: die Jagd nach Rekorden.

Denn das niedermaier'sche Eigentor war bereits das sechste der Stuttgarter in der laufenden Saison, was einen Allzeit-Rekord der Bundesliga bedeutet. Wir sagen: Herzlichen Glückwunsch! Allerdings sind wir uns nicht sicher, ob wir VfB-Trainer Jürgen Kramny wirklich glauben sollen, wenn er versichert: "Also, trainieren tun wir das nicht".

2. Erkenntnis: René Adler ist die letzte Bastion der Wahrheit

Ein beliebtes Streitthema unter Fans sind die weichgespülten Kommentare, die Fußballer gerne mal nach einem Spiel von sich geben. "Wir müssen von Spiel zu Spiel denken", oder "Wir haben alles gegeben, aber es hat heute einfach nicht sollen sein", zum Beispiel. Also wir bekommen ja schon eine leichte Wutgänsehaut, wenn wir uns an diese Auswüchse größter Nicht-Rhetorik denken.

Andererseits muss man sich natürlich auch fragen, wie man selbst reagieren würde, wenn einen die immer gleichen Sportreporter immer gleiche Fragen stellen, nachdem man sich gerade 90 Minuten lang die Lunge aus dem Leib gerannt hat.

Wobei die unsäglichste aller After-Match-Fragen natürlich das grausige "Wie fühlen Sie sich?" ist.

HSV-Torhüter René Adler unternahm nun am Wochenende, nachdem sein Verein gerade mit 0:2 gegen den SV Darmstadt 98 verloren hatte, einen bahnbrechenden Versuch. Er antwortete auf diese Frage mit der Wahrheit: "Ich könnte, auf gut Deutsch gesagt, kotzen".

Und während sich alteingesessene Sportjournalisten ob soviel Ehrlichkeit bereits schockiert Luft zufächelten, schob Adler gleich die nächste Wahrheit hinterher: "Wir tun uns in dieser Saison einfach schwerer mit dem Ball."

Wer das Spiel des HSV gegen Darmstadt gesehen hat, weiß: Wahrere Worte wurden nie gesprochen.

3. Erkenntnis: Urlaub ist die Lösung im Abstiegskampf

Abstiegskampf - ein Wort wie Wurzelbehandlung oder Steißbeinprellung. Schmerzhaft, ekelhaft und es gibt eigentlich nur dann Anlass zur Freude, wenn alles vorbei ist.

Es wäre also eigentlich recht schön und bestimmt im Sinne der Spieler, wenn man das ganze lästige Prozedere etwas schneller abschließen könnte. Hannover 96 kann man immerhin zu Gute halten, dass es der Verein in den vergangenen Monaten wirklich versucht hatte, möglichst schnell als erster Absteiger festzustehen, um anderen Vereinen etwas den Druck von der Brust zu nehmen.

Aber nicht einmal das will so recht funktionieren.

Nach der Niederlage von Eintracht Frankfurt gegen die TSG 1899 Hoffenheim kam nun Stefan Aigner mit einem, wie wir finden, recht kreativen Vorschlag um die Ecke: "Was soll ich machen? Soll ich jetzt schon in den Urlaub fahren?".

Gute Idee eigentlich. Zum Saisonfinale fahren einfach alle abstiegsgefährdeten Vereine geschlossen in den Urlaub und am letzten Tag wird beim Beachvolleyball entschieden, wer weiter erste Liga spielen darf und wer runter muss. Sky überträgt natürlich live.

Und die Verlierer hatten immerhin noch ein paar schöne Wochen in der Sonne.

4. Erkenntnis: Eine Viertelstunde reicht schon

Die Viertelstunde (vulgo: 15 Minuten) ist die Königin unter den Zeitangaben. Nicht umsonst spricht man von "15 Minuten Ruhm", der "akademischen Viertelstunde" oder von "Ich bin gleich da, höchstens noch eine Viertelstunde".

Dazu kommt natürlich, dass sich der moderne Mensch dank Reizüberflutung durch Internet, Fernsehen, Werbereklamen, Radio, Zeitschriften, diesem schieren Überangebot von Informationsmedien also, nicht länger als eine Viertelstunde konzentrieren kann.

So ist es also kein Wunder, dass sich auch in dem - verzeihen Sie bitte, es muss natürlich DEM heißen - Derby des deutschen Fußballs die Dramatik eines gesamten Spiels auch in der fast schon herrschaftlich anmutenden Zeitspanne abspielte. 2:2 lautete das Endergebnis zwischen dem FC Schalke 04 und Borussia Dortmund und alle vier Tore waren innerhalb von 15 Minuten gefallen.

Das Ganze wirkt fast schon wie eine ausgefuchster Plan, um auch ja sicherzustellen, dass nicht nur das gesamte Stadion sondern auch alle Zuschauer vor den Fernsehgeräten, jedes einzelne Tor genießen konnten. Denn da die erste Halbzeit als maximal schnarchnasig zu bezeichnen war, dürften viele Zuschauer schon bereits in diesen 45 Minuten den Akku ihres Smartphones vollends erschöpft haben und waren nun gezwungen, in der zweiten Hälfte auf den Fernseher zu schauen.

Nachdem durch Treffer eins die Aufmerksamkeit der Fans endgültig auf das Spiel gelenkt worden war, fielen alle weiteren Treffer derart rasant hintereinander, dass nun selbst der unverbesserlichste "Smombie" (Smartphone-Zombie - ja, das ist ein Wort) die wichtigsten Szenen an seine Enkelkinder weitergeben kann.

Und wer weiß, vielleicht dauern Fußballspiele bald überhaupt nur noch eine Viertelstunde. Die DFL checkt bestimmt schon die Vermarktungsmöglichkeiten ...

Bundesliga: die Tabelle