Die Beschreibungen für das Top-Spiel Borussia Dortmund und RB Leipzig schwankten in der Nacht zwischen "spektakulär" und "dramatisch". Sechs Treffer in 90 Minuten, zwei verschenkte Führungen und ein Sensationstor - es wäre jetzt ein Leichtes, in den Lobgesang einzustimmen. Man tut’s besser nicht.

Pit Gottschalk
Eine Kolumne
von Pit Gottschalk, Sportjournalist, Kolumnist

Denn zur Wahrheit dieses Top-Spiels gehört auch: Es war kein Top-Spiel. Der Tabellenführer RB Leipzig zeigte eine blamable Leistung in der ersten Hälfte, verlor zu viele wichtige Zweikämpfe und begünstigte mit einem schweren Torwartfehler einen frühen Rückstand. Das macht kein Spitzenteam.

Borussia Dortmund brachte die Führung zum wiederholten Mal nicht über die Ziellinie, holte den praktisch geschlagenen Gegner mit zwei Schnitzern in der Abwehrarbeit zurück ins Spiel und verschenkte beim 3:3 erneut zwei Punkte im Kampf um die Meisterschaft. Das tut kein Titelfavorit.

Dramatisch, ja - Ausdruck von Qualität, nein!

Wenn man also davon spricht, dass den Fans im Stadion und vor den TV-Bildschirmen Spektakuläres geboten wurde, dann feiert man nicht die höchste Qualitätsstufe des Bundesliga-Fußballs, sondern die nicht immer erklärliche Anhäufung von Unzulänglichkeiten in diesem Top-Spiel.

Dramatisch ist eine solche Schlacht allemal. Es hat schon Bundesliga-Spiele zwischen dem Ersten und Dritten gegeben, die vor Langeweile stanken. Aber das bedeutet ja im Umkehrschluss nicht, dass unterhaltsame Spielverläufe direkt Spitzenfußball zeigen. Dazu gehört ein bisschen mehr.

Bundesliga - spannend wie nie

Zum Beispiel, dass der inszenierte Angriffsfußball auf ein ausgeklügeltes Abwehrsystem trifft, man wechselvolle Duelle zwischen Stürmern und Verteidigern erlebt oder die Taktik einem Schachspiel gleicht. Da kann ein 0:0 mehr Qualität verheißen als ein 3:3 mit vielen dummen Fehlern.

Ungerecht sollte man deswegen nicht sein. Die Liga erlebt eine Spannung wie seit Jahren nicht mehr. Die Rheinische Post veröffentlichte kürzlich eine Grafik, die alle 18 Klubs in einem Kreis aufreihte und zu jedem einzelnen ein Resultat aus der Hinrunde hinzufügte. Aussage war: Jeder kann jeden schlagen.

Aber nochmals: Ein Ausdruck von Qualität ist das eher nicht.

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Pit Gottschalk, 51, ist Journalist und Buchautor. Seinen kostenlosen Fußball-Newsletter Fever Pit’ch erhalten Sie hier: http://newsletter.pitgottschalk.de/.
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