Der FC Bayern ist nach dem verpatzten Rückrundenauftakt wieder in der Spur. Wohl auch deshalb schloss Sportchef Hasan Salihamidzic am Wochenende weitere Neuzugänge in der Winterpause kategorisch aus. Das ist wenig Bayern-like. Julian Nagelsmann beweist da deutlich mehr Weitblick.

Steffen Meyer
Eine Kolumne
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In einem hat FC Bayern-Vorstand Hasan Salihamidzic völlig recht. „Wir sind sehr, sehr gut besetzt. Wir haben eine gute Truppe, die steht“, sagte der 45-Jährige am Rande des 4:1-Siegs gegen Hertha BSC am Sonntag gegenüber DAZN. Dem ist in der Tat nicht zu widersprechen. Der Kader des FC Bayern hat keine echten Baustellen. Er ist gut besetzt. Auf vielen Positionen mehrfach. Corentin Tolisso, der aktuell während der verletzungsbedingten Abwesenheit von Leon Goretzka zu Hochform aufläuft ist dafür ein gutes Beispiel.

Davies beim FC Bayern eins zu eins nicht zu ersetzen

Doch am Wochenende schloss „Brazzo“ im gleichen Atemzug jede Transferbemühungen vor der Deadline am 31. Januar grundsätzlich aus. „Da wird nichts passieren“, so Salihamidzic. Diese Aussage kam vor allem deshalb überraschend, weil mit Alphonso Davies ein Schlüsselspieler des FC Bayern mit seiner Herzmuskelentzündung lange ausfallen wird. Die Außenverteidiger-Position ist seit Jahren ein delikates Thema mit vielen Experimenten und Kompromissen. Davies hat diese Lücke auf links dauerhaft geschlossen. Wann er zurückkommt ist fraglich.

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Mindestens hier wäre es klug, wenn der FC Bayern sich eine Hintertür offen lässt auf der linken Seite nachzulegen. Zuletzt spielte Nagelsmann häufig mit einer verkappten Fünferkette. Gegen Hertha spielte Kingsley Coman dabei eine Art stürmenden Außenverteidiger. Kern des Gedankens ist, dass die Münchner meist ohnehin sehr hoch stehen und Coman den Platz hat die gesamte Seite zu bespielen. Das gleiche funktionierte auch schon auf der anderen Seite.

Klar ist aber auch: Gegen Hertha oder Köln mag das ein Modell sein. Gegen Manchester City oder den FC Liverpool möglicherweise eher nicht. Hier könnte der defensiv stärkeren Lucas Hernández zum Zug kommen. Er ist jedoch ein ganz anderer Spielertyp als Davies. Omar Richards zeigte als Einwechselspieler gute Ansätze, ist jedoch auch noch nicht erste Wahl wenn es im Verlauf der Rückrunde wirklich drauf ankommt.

Mehr Konkurrenzkampf als Erfolgsgeheimnis

Es geht im Kern aber auch gar nicht um die Linksverteidigerposition. Der FC Bayern wäre gut beraten in dieser Winterpause auf Chancen zu lauern. Der Markt im Winter ist immer kompliziert. Durch die Corona-Krise ist er noch einmal besonders. Manche Clubs, die ansonsten ihren Kader beisammenhalten, könnten durch die finanziell angespannte Lage zu Verkäufern werden. Vor allem bei Spielern, die ansonsten im Sommer ablösefrei gehen könnten. Denis Zakaria bei Borussia Mönchengladbach ist so ein Fall. Er zeigte zuletzt aber nicht gerade Leistungen, die Bayern-Qualität hatten.

Julian Nagelsmann hat einen ganz eigenen Zugang zum Thema. Er outete sich zuletzt sogar als Fan von Wintertransfers. Seine Logik dahinter: Neuzugänge hätten so bereits ein halbes Jahr Zeit sich an die Mannschaft zu gewöhnen und könnten in der neuen Saison von Anfang an mit Rückenwind starten. Eine interessante Perspektive des Coaches. Ein möglicher Abgang von Niklas Süle, der am Montag vielerorts vermeldet wurde, unterstreicht diese Idee. Ein neuer Mann für die Defensive könnte schon jetzt als Rotationsspieler hinzukommen um dann im Sommer mit Erfahrung im Club Süles Rolle zu übernehmen.

Flexibilität bewahren, aber keine Dummheiten machen

Auch auf der Rechtsverteidigerposition, im zentralen Mittelfeld oder im Sturmzentrum ist es nicht so, dass der FC Bayern keine Verstärkung mehr gebrauchen kann. Von Verletzungen mal ganz abgesehen war auch in den Triple-Jahren 2013 und 2020 ein sehr gesunder Konkurrenzkampf durch hochkarätiges Überangebot ein Erfolgsgeheimnis. In der Rückrunde drohen zudem weitere Ausfälle durch Quarantänen oder Corona-Infektionen.

Und wer weiß denn schon wie viele gute Saisons Thomas Müller, Robert Lewandowski oder Manuel Neuer noch in den Knochen haben. Auch ihnen schuldet es der Club, mindestens die Augen offen zu halten, wenn sich im Winter eine Chance bei einem unzufriedenen Hochkaräter oder günstigem Rotationsspieler ergibt, der schon in dieser Rückrunde hilft.

Der FC Bayern sollte sich auch in diesem Winter maximale Flexibilität bewahren und zuschlagen, wenn sich eine Chance bietet. Natürlich nicht um jeden Preis. Dafür ist der Kader nun wirklich zu stark. Doch Wintertransfers kategorisch auszuschließen ist aktuell der falsche Weg.

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