Gewonnen hat Jürgen Klinsmann auch nach zwei Einsätzen als Cheftrainer von Hertha BSC noch nicht. Trotz eines 2:0-Vorsprungs reicht es bei Eintracht Frankfurt nur zu einem 2:2. Trotzdem macht der frühere Bundestrainer seine Spieler glücklich.

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Jürgen Klinsmanns offensichtlichste Form der Motivation ist sein scheinbar ins Gesicht eingeschnitzte Grinsen. Damit hat der Vorzeige-Schwabe 2004 den deutschen Fußball auf jenen Erfolgskurs gebracht, den dieser bis heute hält.

In Berlin soll der Effekt, mit guter Laune guten und erfolgreichen Fußball auszulösen, ebenfalls funktionieren.

Rode entreißt Klinsmann den ersten Sieg mit Hertha BSC

Beim 1:2 daheim gegen Borussia Dortmund startete Klinsmanns Mannschaft damit, engagiert aufzutreten, wenngleich noch ohne Ertrag auf dem Punktekonto. Der zweite Versuch, zu gewinnen, stand bei Eintracht Frankfurt nach einer 2:0-Führung bis zur 86. Minute vor seiner erfolgreichen Vollendung. Dann schlug Frankfurts eingewechselter Publikumsliebling Sebastian Rode erbarmungslos zu.

Trotzdem hat Klinsmann die Saat ausgebracht, aus der Hertha irgendwann den fußballerischen Riesen zu machen, der sich für eine Hauptstadt geziemt.

"Er besitzt einen der größten Namen im deutschen Fußball. Ich bin so glücklich, unter ihm zu arbeiten. Wir können so viel von ihm lernen", jubilierte Herthas Mittelfeldmotor Marko Grujic nach Spielschluss.

Der Serbe hatte zum Auftakt des 14. Spieltags mit der Vorbereitung des Treffers von Dodi Lukebakio (30.) und dem eigenen Tor (63.) besonders überzeugt.

Obwohl die Hertha danach den möglichen ersten Erfolg nach zuvor fünf Niederlagen und einem Remis noch aus den Händen gab, sei Klinsmann nach seinem zweiten Spiel "in der Kabine sehr positiv gewesen", sagte Grujic beeindruckt: "Er hatte eine gute Körpersprache."

Jürgen Klinsmann sieht etwas "heranwachsen"

Das bewies der ehemalige Bundestrainer auch auf der Pressekonferenz, bei der er von der Arbeit mit den Berlinern schwärmte. "Die Spieler sind gewillt zuzuhören und die Dinge direkt umzusetzen. Da ist etwas am Heranwachsen und es ist spannend, diesen Prozess mitzuerleben", sagte Klinsmann: "Wir wachsen gerade zusammen."

Nach dem Abpfiff wurde das breite Grinsen von Jürgen Klinsmann zu einer Art Dauerzustand. Der frühere Bundestrainer grinste trotz verspielter 2:0-Führung am eiskalten Spielfeldrand, er grinste bei seinen Ausführungen zum ersten Punktgewinn mit Hertha BSC, er grinste sogar, als sein Trainerkollege Adi Hütter ihm bei einem gerechten Remis offen und vor versammelter Presse widersprach.

"Ich denke, wir haben alle ein packendes Spiel gesehen", freute sich Klinsmann über einen "großen Schritt nach vorne".

Es war eine Ansicht, die seine Hauptstadt-Profis am Freitagabend zwar teilten, die nach 90 Minuten der spielerischen Unterlegenheit und einem vergebenen Zwei-Tore-Polster aber ein wenig skurril wirkte.

Auch Klinsmann wird irgendwann liefern müssen. Ohne eine Siegesserie wird die Hertha sich ihrer Sorgen nicht entledigen. Nach nur einem Punkt aus den ersten zwei Spielen steckt der Klub nach wie vor mitten im Abstiegskampf.

"Das kann ein Anfang sein", kommentierte Kapitän Niklas Stark, der trotz Führung aus taktischen Gründen ausgewechselt wurde, das Remis.

Gegen starke Freiburger muss es klappen

Mit einem harten Restprogramm bis Weihnachten ist die Berliner Devise für die kommende Woche klar: gegen Überraschungsteam Freiburg soll vor eigenem Publikum erstmals seit über zwei Monaten wieder in der Liga gewonnen werden.

"Auch ein Punkt kann gut für das Selbstvertrauen sein. Was der neue Trainer bisher bewirkt hat, konnte man über weite Strecke sehen, aber vermutlich wird es erst im Januar richtig deutlich", fügte Torschütze Grujic an. (hau/AFP/dpa)

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