Nach jedem schlechteren Spiel muss Lucien Favre sich Fragen nach seiner Zukunft als Trainer Borussia Dortmunds gefallen lassen. Denen weicht er, gerne mit dem unausgesprochenen Hinweis auf seine limitierten Sprachkenntnisse im Deutschen, mal mehr, mal weniger charmant aus. Aber auch seine Chefs vermeiden ein klares Wort.

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Lucien Favre liest gerne. Zur Lektüre des Schweizers zählen aber nur ausgewählte Sachen. Von der zuletzt wieder einmal aufkommenden Kritik an seiner Person will er deshalb nichts mitbekommen haben. "Ich lese viel, aber das nicht", sagte Favre. Dass aber schon fleißig über seinen möglichen Nachfolger spekuliert wird, dürfte auch dem Trainer von Borussia Dortmund nicht entgangen sein.

Der Gladbacher Coach Marco Rose wurde ebenso als Nachfolger gehandelt wie Julian Nagelsmann von RB Leipzig und der US-Amerikaner Jesse Marsch vom Schwesterklub der Leipziger in Salzburg. Alle drei stehen bei ihren Klubs aber über den Sommer hinaus noch unter Vertrag. Daher muss Favre (noch) keine schlaflosen Nächte verbringen.

Für Marco Rose ist der BVB "kein Thema"

Rose reagierte zudem ziemlich gelassen auf solche Gerüchte. "Es ist geschrieben, und Lucien Favre muss damit ebenso umgehen wie ich. Es ist für mich einfach kein Thema, weil ich so viel zu tun habe. Deswegen kommentiere ich solche Dinge grundsätzlich nicht", sagte der 44-Jährige.

Etwas beunruhigender dürfte für den BVB-Coach vor dem Auswärtsspiel bei Aufsteiger Arminia Bielefeld am Samstag (15:30 Uhr/Sky) schon die Tatsache sein, dass seine Vorgesetzten beim deutschen Vizemeister auf Zeit spielen. Favres Dreijahresvertrag endet nach der Saison, Gespräche über eine Verlängerung hat es noch nicht gegeben.

Vertragsgespräche mit Favre haben für den BVB nicht die höchste Priorität

"Wir sind erst am Anfang der Saison und haben in diesem Sommer gemeinsam entschieden, dass wir die Frage zurückstellen. Wir werden sicherlich irgendwann die Gespräche führen. Aber jetzt ist nicht der Zeitpunkt", sagte Michael Zorc vor dem Champions-League-Spiel gegen Zenit St. Petersburg (2:0) bei Sky.

Der Sportdirektor betonte allerdings, dass "beide Seiten wissen, was man aneinander hat". Man sei jetzt schon über zwei Jahre miteinander zusammen und sei in dieser Zeit zweimal Vizemeister geworden.

Und genau darin könnte ein Problem liegen. Die Sehnsucht nach einem Titel ist groß. Die BVB-Führungsetage um Zorc und Geschäftsführer Hans-Joachim Watzke stellt sich natürlich die Frage, ob Favre, der Zauderer und Taktikfuchs, dafür der richtige Mann ist.

Für Favre spricht bester Punkteschnitt aller Bundesligatrainer in Dortmund

Die Zahlen sprechen für den 62-Jährigen. Seinen Schnitt von 2,15 Punkten in 73 Ligaspielen schaffte keiner seiner Vorgänger. Selbst der in Dortmund immer noch allgegenwärtige Jürgen Klopp nicht.

Dennoch bestehen Zweifel an Favre. Die Zaghaftigkeit der Mannschaft zieht sich durch seine gesamte Amtszeit. In der Champions League und im DFB-Pokal scheiterte der BVB unter ihm viermal im Achtelfinale. In der Liga gingen zwar nicht viele, aber entscheidende Spiele verloren.

Die Spieler äußerten sich zuletzt durchweg positiv über ihren Chef. Ob er aber noch der richtige Trainer für das Ensemble der Hochbegabten ist, müssen die Bosse in den nächsten Wochen entscheiden. Favre wird es aus erster Hand mitgeteilt bekommen - und muss es nicht lesen. (AFP/hau)

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