Bei seiner Premiere in der Champions League hätte die Gruppenauslosung für Red Bull Salzburg kaum besser laufen können: Mit Liverpool, Napoli und Genk ist die gesamte Bandbreite an Gegner abgedeckt - und die Chance auf die K.o.-Runde absolut gegeben.

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Den Running Gag mussten sich die Fußball-Fans außerhalb Salzburgs in diesem Sommer verkneifen. Elf vergebliche Anläufe und teilweise peinliches Scheitern gegen No-Name-Mannschaften hatten Red Bull Salzburg zum Gespött im europäischen Fußball gemacht. In diesem Sommer war aber alles ganz anders - und als sei die erstmalige Teilnahme an der Champions League nicht schon Belohnung genug, erwischte Österreichs Serienmeister am Donnerstagabend in Monaco die nahezu perfekten Gruppengegner.

Das Abenteuer Königsklasse geht Salzburg gegen den FC Liverpool, SSC Napoli und KRC Genk an. "Als wir gelost wurden, war es mit Sicherheit der lauteste Moment, den ich jemals im Trainingszentrum Taxham erlebt habe", sagte Geschäftsführer Stephan Reiter nach der Auslosung, als feststand, dass sich Salzburg in einer Gruppe mit Liverpool und Napoli messen wird.

Den Titelverteidiger zu ziehen und gleichzeitig so etwas wie ein Rollenmodell für die eigene Spielweise, ist auch Salzburger Sicht "einfach geil", wie es Trainer Jesse Marsch ausdrückt. Liverpool ist selbstredend der übergroße Favorit in der Gruppe, wenngleich von der Insel relativ schnell erste Worte des gegenseitigen Respekts laut wurden.

Liverpool "ein Vorbild"

"Salzburg kämpfte so lange und hart, um endlich in der Champions League zu sein. Nun werden sie alles geben, was sie haben. Die 30.000 Zuseher in ihrem Stadion werden zeigen, wie lange sie auf diesen Moment gewartet haben", warnt Jürgen Klopp vor den Österreichern. "Das wird interessant werden. Ich habe noch nie gegen Salzburg oder Genk gecoacht. Sie sind jung und aufregend. Die Leute denken, dass Salzburg und Genk die kleinen Teams in der Gruppe sind - aber das sind sie nicht!"

Liverpool mit seinem Salah-Mane-Firmino-Wirbelsturm im Angriff, mit Alisson Becker im Tor, mit Klopp an der Linie und der legendären Anfield Road im Rücken sei "ein Vorbild für die Zukunft des Fußballs", wie Marsch sagt. Für Salzburg werden beide Partien gegen die Reds auch zu Lerneinheiten auf höchstem Niveau - ehrfürchtig erstarren sollten die Bullen deshalb vor dem übergroßen Gegner aber nicht. Und schon gar nicht vor Napoli.

Napoli der große Konkurrent

Erst vor einem halben Jahr liefen sich beide Mannschaften über den Weg, in der Europa League setzte sich am Ende das Team von Carlo Ancelotti zwar durch - nicht erst der 3:1-Sieg im Rückspiel in Salzburg zeigt aber, dass auch eine große Mannschaft wie der italienische Vizemeister verwundbar ist. "Man hat ja gesehen, wie wir daheim aufgetreten sind, wie wir da Fußball gespielt haben. Ich denke, dass wir das jetzt wiederholen können und ich bin auch überzeugt, dass wir auch bei Napoli eine gute Leistung abrufen werden können", ist Kapitän Andreas Ulmer zuversichtlich.

Napoli hat im Sommer bis auf Amadou Diawara alle seine Topspieler halten können und stattdessen in Alex Meret (Tor), Konstantinos Manolas, Giovanni di Lorenzo (beide Abwehr), Eljif Elmas (Mittelfeld) und Hirving Lozano (Angriff) in allen Mannschaftsbereichen noch einmal kräftig zugelegt.

In der heimischen Liga soll in dieser Saison Juventus angegriffen werden, nach über 30 Jahren soll der Scudetto endlich wieder nach Süditalien. Und auch in der Champions League soll es, anders als in der vergangenen Saison, wieder in die K.o.-Phase gehen. An zwei guten Tagen kann Salzburg den Italienern auf Augenhöhe begegnen, vermutlich wird Napoli der große Konkurrent um Platz zwei hinter Liverpool in der Gruppe E.

"Aggressiv und gut im Ballbesitz"

Und was ist mit KRC Genk? Auf dem Papier ist der belgische Meister die "schwächste" Mannschaft der Gruppe, deshalb aber noch lange nicht zu unterschätzen. "Ich habe eine paar Spiele von Genk gesehen, sie sind aggressiv, gut im Ballbesitz, sie haben sicher eine gute Mannschaft", warnt Marsch schon jetzt. Die "Stars" der Mannschaft sind Angreifer und Toptorjäger Mbwana Samatta und der erst 21-jährige Sander Berge. Hinter dem Norweger sollen Topklubs aus England, Spanien und Portugal her gewesen sein, der Mittelfeldspieler will aber noch ein Jahr in Belgien bleiben.

Mit Genk dürfte Salzburg in etwa auf Augenhöhe sein, die Qualifikation zumindest für die Europa-League-K.o.-Phase im kommenden Frühjahr sollte gegen Genk sichergestellt werden. Und vielleicht geht ja auch mehr in der perfekten Gruppe mit einer Übermannschaft, einem Team, das durchaus schlagbar ist und einem Gegner, gegen den der "doppelte Boden" Europa League eigentlich erreicht werden sollte.

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