Bayer Leverkusen war im Halbfinale zu stark für wackere Saarbrücker. Der Favorit verhinderte den ersten Einzug eines Viertligisten ins Endspiel des DFB-Pokals. Trotzdem feierte der Verlierer in der Kabine. Jayson Breitenbach erzählt, warum. Der 22-Jährige erlebte mit seiner Einwechslung die größten Minuten seiner bisherigen Karriere.

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Der 1. FC Saarbrücken hat den Sprung ins deutsche Pokalfinale zwar verpasst. Doch das 0:3 des Viertligisten gegen Champions-League-Aspirant Bayer Leverkusen bleibt für alle Spieler der Saarländer als Endpunkt einer fantastischen Saison unvergessen - vor allem für den früheren Junioren-Nationalspieler Jayson Breitenbach.

Als 16-Jähriger durfte Breitenbach bereits das deutsche Nationaltrikot tragen. Und für den 1. FSV Mainz 05 stand er in der Ära von Trainer Martin Schmitt zumindest in Freundschaftsspielen der Profis mit auf dem Platz.

Doch an einen Einsatz im Halbfinale des DFB-Pokals reicht das nicht heran. Gegen Leverkusen waren Breitenbach 21 Minuten auf der großen Bühne vergönnt. Anschließend tauschte der Rechtsfuß sein Trikot mit Nationalverteidiger Jonathan Tah. Am Tag nach dem historischen Auftritt sprach Breitenbach mit unserer Redaktion über ein Erlebnis, das für immer bleiben wird.

Saarbrückens Jayson Breitenbach fehlen kurz vor Ende des DFB-Pokal-Halbfinals gegen Bayer Leverkusen nur wenige Schritte zum Torschuss. Jonathan Tah und Lukas Hradecky entschärfen die Situation.

Herr Breitenbach, 0:3 gegen Leverkusen, der Traum vom Pokalfinale ist ausgeträumt. Wie haben Sie geschlafen?

Jayson Breitenbach: Ganz gut. Es war ein tolles Erlebnis, das von uns wahrscheinlich keiner mehr so erleben wird.

Sind Sie im Kopf noch Szenen des Abends durchgegangen?

Natürlich. Gerade die Einwechslung, den Moment, als der Trainer (Lukas Kwasniok, Anmerk. d. Red.) mich gerufen hat. Nach dem 0:3 habe ich gedacht, er wechselt jetzt noch irgendeinen anderen Spieler ein. Aber es war gut, dass er dann mich eingewechselt hat.

Sie wussten also bis kurz vor Ihrer Einwechslung nicht, ob sie spielen?

Genau. Er hat mich erst in der 65. Minute gerufen. Vorher wusste ich nicht, ob ich überhaupt reinkomme.

Er hat aber auch noch einige andere Spieler gebracht. Er wollte allen dieses Erlebnis gönnen.

So war es. Nach dem 0:3 wussten wir, dass gegen Leverkusen nichts mehr zu holen sein würde. Also hat der Trainer nochmal jeden reingebracht (Kwasniok hatte zur zweiten Halbzeit Kianz Froese für Tobias Jänicke eingewechselt und brachte in der 68. Minute Markus Mendler für Mario Müller, in der 69. Breitenbach für Fanol Perdedaj. In der 78. kam Fabian Eisele für Sebastian Jacob ins Spiel und in der 87. Rasim Bulic für Christopher Schorch, Anmerk. d. Red.).

Warum brauchte die Mannschaft eine Halbzeit lang Anlauf, um Leverkusen unter Druck zu setzen?

Wir wussten, dass Leverkusen viel Druck machen würde. Wir konnten nur hintendrin stehen und mussten von Anfang an gut in der Defensive sein. In der zweiten Halbzeit haben die Leverkusener einen Gang rausgenommen.

Es schien aber schon so, dass die Mannschaft in der zweiten Halbzeit auch ein bisschen früher attackiert hat.

Ja, weil wir nichts mehr zu verlieren hatten. Leverkusen hat es trotzdem locker runtergespielt und uns laufen lassen. In der ersten Halbzeit hatten sie schon die ganze Arbeit gemacht. Deswegen mussten sie in der zweiten Halbzeit eigentlich nichts mehr machen.

Haben die Leverkusener Sie beeindruckt?

Wir hatten sie so stark erwartet. Wir hatten das Spiel gegen Bayern gesehen (am 30. Spieltag der Bundesliga gewannen die Münchner in Leverkusen mit 4:2, Anmerk. d. Red.). Wir wussten, welche Qualität die Leverkusener haben. Aber wenn du sie dann live erlebst, dann weißt Du, warum sie Champions League spielen.

Hat Trainer Lukas Kwasniok die Taktik in der Halbzeitpause verändert?

Er hat gesagt: "Wir haben nichts mehr zu verlieren. Wir machen jetzt ein bisschen auf und versuchen, Druck zu machen und mehr nach vorne zu gehen."

Es war für Sie das bisher größte Spiel der Karriere. Aber ohne Zuschauer.

Das war schon blöd. Denn unsere Fans haben uns immer geholfen und waren immer da. Aber ob mit oder ohne Fans: Das Erlebnis kann mir keiner mehr nehmen. Es war einfach perfekt, dass ich reinkam.

Sie mussten aber in dieser tollen DFB-Pokal-Runde des 1. FC Saarbrücken lange auf den ersten Einsatz warten. Warum?

Das weiß ich auch nicht. Ich denke aber, dass in Spielen, in denen es um soviel geht, der Trainer erstmal die Erfahrenen spielen lässt. Dann sind junge Spieler wie ich erstmal außen vor. Das ist blöd, ist im Fußball aber so.

Die Mannschaft hatte kurz vor Schluss durch den eingewechselten Markus Mendler die große Chance zum Ehrentreffer. Wie war die Stimmung in der Kabine?

Wir haben uns nicht geärgert. Wir haben uns gefreut, dass wir dieses Spiel spielen durften. Wir haben sogar ein bisschen gefeiert, wegen unseres Aufstiegs. Das konnten wir vorher noch nicht machen.

Aber unter Einhaltung der Corona-Regeln?

Natürlich mit Corona-Regeln.

Die Spieler des Regionalliga-Meisters 1. FC Saarbrücken haben durch den vorzeitigen Abbruch der Regionalligasaison vorläufig auf unabsehbare Zeit spielfrei. "Der Trainer wird sich melden", sagte Breitenbach zum Abschluss unseres Gesprächs. "Aber er hat mir jetzt das Vertrauen geschenkt", hofft der 22-Jährige, in der 3. Liga mehr Spielzeit zu bekommen. In der beendeten Saison, seiner ersten beim 1. FC Saarbrücken, durfte er nur neunmal in der Meisterschaft ran - und eben im Pokal gegen Bayer Leverkusen.

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