Ex-Skirennläuferin Nicola Werdenigg, die schwere Vorwürfe gegen den ÖSV erhebt, war am Montag zu Gast bei "Pro und Contra" auf Puls 4. Allerdings ohne direkt auf die ÖSV-Funktionäre Herbert Mandl und Hans Pum zu treffen: Aus rechtlichen Gründen diskutierten sie getrennt voneinander.

Nachdem in den vergangenen Tagen die #metoo-Debatte den alpinen Skisport und damit auch den ÖSV erreicht hat, lud Corinna Milborn die ehemalige Top-Läuferin Nicola Werdenigg zur Diskussion bei "Pro und Contra" auf Puls 4.

Werdenigg, die unter ihrem Mädchennamen Spieß Erfolge gefeiert hatte, erhob schwere Vorwürfe gegen Trainer und Serviceleute.

Wer in der Sendung eine direkte Konfrontation von Wedernigg mit ÖSV-Funktionären erwartet hatte, wurde enttäuscht. Der ehemalige ÖSV-Damen-Cheftrainer Herbert Mandl ließ sich wegen einer Erkrankung entschuldigen und ÖSV Sportdirektor Hans Pum bekam aus rechtlichen Gründen seine eigene Diskussionsrunde anschließend an jene mit Nicola Werdenigg.

Viel Zuspruch für Werdenigg

Mit Werdenigg diskutierten im ersten Teil der Sendung, die ehemalige Ski-Rennläuferin Michaela Dorfmeister, Rudolf Hundstorfer, Präsident der Bundes-Sportorganisation (BSO), Chris Karl von der Plattform "Kimi" und die ehemalige Frauenministerin Maria Rauch-Kallat.

Moderatorin Corinna Milborn wollte zum Einstieg wissen, welche Reaktionen Werdenigg bekommen hat, seit sie in einem Interview über Vergewaltigungen, Demütigungen und sexuellen Übergriffen innerhalb des Österreichischen Skiverbands berichtet hat. Sie selbst sei mit 16 Jahren vergewaltigt worden, sagte die Ex-Läuferin dem "Standard".

"Ich habe sehr viele Reaktionen bekommen, aber es haben sich auch sehr viele Sportlerinnen und Sportler an mich gewendet und haben mir von ihren Erlebnissen erzählt. Ich bekomme viel Zuspruch", betonte Werdenigg.

Ihr gehe es darum, dass man beginne, präventiv zu arbeiten und Strukturen zu schaffen, damit sich Betroffene Hilfe holen können.

Werdenigg nennt nur der Staatsanwaltschaft Namen

Werdenigg bekräftigte noch einmal, dass sie nur gegenüber der Staatsanwaltschaft Namen nennen werde, nicht aber gegenüber dem ÖSV, der ihr ein Ultimatum gestellt und mit einer Klage gedroht hatte.

Die ehemalige Rennläuferin Michaela Dorfmeister ist nach eigenen Angaben mit sexuellen Übergriffen in ihrer aktiven Karriere nie in Berührung gekommen.

Es sei bei ihr auch nie Thema gewesen, sagte Dorfmeister, zeigte sich aber erschüttert über die Berichte. "Ich sitze da auch als Mutter und ich möchte, dass mein Kind auch in Vereinen tätig ist und turnt und skifährt und ich muss mich fürchten, dass ihr etwas passiert, das ist nicht angenehm", führte Dorfmeister aus.

Die forensische Psychologin Chris Karl ist sich sicher: "Es bringt nichts, nur die Trainer aufzuklären oder nur mit den Eltern zu sprechen. Die Kinder müssen wissen wie die Regeln lauten und sie müssen wissen was ist OK und was ist nicht OK."

Eltern wollten häufig nicht sehen, dass Übergriffe passieren. "Darum ist es wichtig, die Kinder, die Eltern und die Trainer auf diese Regeln einzuschulen", erläuterte Karl.

Ansetzen müsse man Werdenigg zufolge auch bei den Verbandsstrukturen. Um den Sport nicht anzupatzen, würden Trainer oft nur suspendiert, aber nicht strafrechtlich verfolgt - nur um dann zu anderen Vereinen oder ins Ausland zu gehen und dort weiterzumachen.

Hans Pum rechtfertigt Androhung von Klage

Im zweiten Teil von "Pro und Contra" traf ÖSV-Sportdirektor Hans Pum auf Michaela Dorfmeister und Chris Karl.

Pum rechtfertigte die Androhung einer Klage des ÖSV gegen Werdenigg. Wenn sie Vorwürfe in den Raum stelle, ohne Namen zu nennen, werde ein Generalverdacht gegen die ganzen Trainer und Serviceleute ausgesprochen.

"Ich bin seit 40 Jahren beim österreichischen Skiverband und ich habe nicht einmal über eine sexuelle Belästigung oder einen Missbrauch gehört. Wir verurteilen Übergriffe und Belästigungen aufs Schärfste", betonte Pum.

Chris Karl konterte, der ÖSV müsse nur die Regeln umsetzen, die es bereits für den Umgang von Trainern mit Schützlingen gebe. Das Sechs-Augen-Prinzip müsse eingehalten werden. Trainer dürfen mit Schützlingen nicht alleine sein, weder in der Umkleidekabine noch im Auto.

"Wissen sie wie weit das von der Praxis weg ist? Ein sechs-Augen-Gespräch führen im Spitzensport", empörte sich Pum. "Die Rennläufer fahren tausende Kilometer mit Trainern oder Serviceleuten alleine. Wer wird denn noch Trainer, wenn so über den Sport und die Trainer hergezogen wird?"

Auch Werdeniggs Vorwürfe, junge Rennläuferinnen trauten sich bei Serviceleuten und Trainern nicht, Nein zu sagen, da sie befürchten, dass dann ihre Ski verwachselt werden oder sie keinen Startplatz bekommen, wies Pum scharf zurück: Die Startaufstellung erfolge rein nach der Leistung.

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