Mit der Ski-WM in St Moritz steht der Höhepunkt der Alpinen Skisaison unmittelbar bevor. Österreich startet mit 16 Newcomern. Zahlreichen Ausfällen – vor allem bei den Damen – stehen österreichische Überraschungssieger und Routiniers gegenüber, die für Medaillen sorgen möchten.

Von 6. bis 19. Februar gehen in St. Moritz die FIS-Skiweltmeisterschaften über die Bühne. 14 Frauen und 13 Männer wurden vom Österreichischen Skiverband (ÖSV) nominiert. Die Erwartungen bei Präsident Peter Schröcksnadel sind hoch. Sechs bis acht Medaillen nennt er als Ziel.

Nimmt man die letzten beiden Skiweltmeisterschaften, waren Österreichs Teilnehmer tatsächlich sehr erfolgreich. 2013 in Schladming holten sie acht Medaillen (2 x Gold, 2 x Silber und 4 x Bronze). 2015 in Vail/Beaver Creek schaffte das ÖSV-Team sogar neunmal Edelmetall (5 x Gold, 3 x Silber und 1 x Bronze).

Lange Verletztenliste

Und dennoch sind die Vorzeichen diesmal ganz andere. Anna Veith, die 2015 zweimal Gold und einmal Silber holte, hatte lange mit ihrem Kreuzbandriss zu kämpfen. Auch wenn sie zuletzt im Super-G von Cortina mit einem dritten Platz wieder aufs Stockerl fahren konnte, darf man die Erwartungen an sie diesmal nicht zu hochschrauben.

Generell hat das Damenteam mit vielen Verletzungen zu kämpfen. Aufgrund der zahlreichen Ausfälle konnten sie in diesem Winter erst vier Podestplätze erringen. Auch wenn der Überraschungssieg von Christine Scheyer in der Zauchensee-Abfahrt und der zweite Platz von Stephanie Venier beim Super-G in Garmisch positiv stimmen mögen: Das Damenteam ist nicht so stark besetzt wie in den letzten Jahren.

Die Verletzungen von Riesentorlauf-Weltcup-Siegerin Eva-Maria Brem, Speed-Medaillenhoffnung Cornelia Hütter und der Slalomfahrerin Carmen Thalmann bedeuten realistisch gesehen drastisch reduzierte Medaillenhoffnungen für St. Moritz. Alleine im Damenteam finden sich diesmal zehn WM-Neulinge.

Der pure Wahnsinn: Das ist die Streif in Kitzbühel schon an sich, doch der Südtiroler Christof Innerhofer stürzte sich vergangene Woche mit einem Wadenbeinbruch hinunter und landete: auf einem Podestplatz.

Hirscher ist immer gut für Gold

Bei den Herren gibt es in St. Moritz aus österreichischer Sicht sechs WM-Debütanten. Roland Leitinger, Michael Matt, Vincent Kriechmayer, Christian Hirschbühl, Marco Schwarz und Manuel Feller fiebern dem Großereignis bereits entgegen. Matt, Kriechmayer und Schwarz konnten im Weltcup schon Podestplätze holen.

Die größten Hoffnungen aus österreichischer Sicht liegen klarerweise auf Marcel Hirscher. Auch wenn er sich in dieser Saison neunmal mit dem zweiten Platz begnügen musste, so hat er auch heuer schon bewiesen, dass er jederzeit zu Gold fahren kann. Sowohl im Slalom als auch im Riesenslalom.

Hirscher ist der Dominator im Skizirkus. Fünf Gesamtweltcupsiege in Folge sprechen für sich. Zudem führt er auch diesmal schon mit großen Vorsprung und ist auf dem besten Weg zur sechsten großen Kugel.

Generell sind die ÖSV-Medaillenhoffnungen bei den Herren größer als bei den Damen. 21 Podestplätze verzeichnen sie in dieser Saison bereits. "Wir haben in jeder Disziplin mit Ausnahme der Kombination gewonnen, wir sind in jeder Disziplin auf dem Podest präsent. Das ist wichtig, denn so wissen wir, dass wir zum erweiterten Medaillenkreis zählen. Unser Ziel muss es sein, in jeder Disziplin Medaillen zu machen. Da nehme ich keine aus, das ist die Erwartungshaltung", sagte ÖSV-Cheftrainer Andreas Puelacher.

Österreichische Saisonsieger

Bei den Herren zählen neben Hirscher aus österreichischer Sicht noch Hannes Reichelt, Matthias Mayer und Max Franz zum Favoritenkreis. Reichelt und Franz konnten in dieser Saison bereits je eine Abfahrt gewinnen. Für ersteren sind es bereits die siebten alpinen Ski-Weltmeisterschaften, für Franz sind es die sechsten.

Reichelt und Franz sind also Männer mit Erfahrung, was einem bei Großereignissen sicher weiterhelfen kann. Matthias Mayer konnte als Super-G-Sieger von Kitzbühel dementsprechend Selbstvertrauen tanken. Und er ist amtierender Olympiasieger in der Königsdisziplin – der Abfahrt. Optimistisch betrachtet sind die Erwartungen von ÖSV-Präsident Peter Schröcksnadel (sechs bis acht Medaillen) gar nicht so weit entfernt.