Richard Lugner ist sich sicher, dass Österreich einen neuen Kanzler bekommt. Im Interview spricht der König der Baulöwen über den Wahlkampf zur kommenden Nationalratswahl, die Herren Kern, Kurz und Strache sowie über den Existenzkampf auf den hinteren Plätzen.

Vorab das Wichtigste: Wie geht’s Ihnen gesundheitlich?

Richard Lugner: Mir geht’s hervorragend, danke. Dank der Bestrahlung im vergangenen Jahr bin ich Gott sei Dank wieder krebsfrei.

Wir befinden uns mitten im Wahlkampf zur Nationalratswahl. Auch Sie haben schon dreimal wahlgekämpft. Kann das auch Spaß machen oder ist das primär eine "Hackn"?

Das war natürlich immer anstrengend, hat aber zugleich immer auch Spaß gemacht.

Ich hatte 1998 im Wahlkampf zur Bundespräsidentenwahl im Durchschnitt 300 Leute bei meinen Auftritten. Am Stephansplatz waren 3.000 Leute, in Innsbruck vor dem Goldenen Dachl 1.000 Leute und in Hohenems ganze fünf.

Das lag aber daran, dass unsere Ankündigungen von der Post nicht rechtzeitig an die Haushalte verschickt wurden.

Ihr Befund zum bisherigen Wahlkampf?

Sebastian Kurz ist für mich haushoher Favorit und wird mit hoher Wahrscheinlichkeit auch Österreichs neuer Kanzler werden.

Auch das große Interesse der Zuseher am ORF-Sommergespräch oder sein gut besuchter Wahlkampfauftritt neulich in Ried deuten darauf hin.

Manche meinen zwar, Christian Kern und die SPÖ könnten den Rückstand laut aktuellen Umfragen noch aufholen. Ich persönlich habe da meine Zweifel, wenngleich Kern mit Sicherheit rhetorisch sehr stark ist.

Kurz müsste schon einen groben Schnitzer machen, um das Heft noch aus der Hand zu geben. Bis dato macht er aber meiner Ansicht nach wenig Fehler.

Nationalratswahl am 15. Oktober Wissen Sie schon, wen Sie bei der Nationalratswahl wählen?
  • A
    Ja, ich bin fest entschlossen.
  • B
    Noch nicht ganz, aber ich habe eine Tendenz.
  • C
    Nein, ich werde mich erst entscheiden.
  • D
    Ich bin noch völlig unschlüssig.
  • E
    Ich gehe nicht zur Wahl

Einer ist aber, dass er Gerechtigkeit und Chancengleichheit propagiert, jedoch die Geschäfte nur in den Touristenzonen sonntags aufsperren möchte – also dort, wo das Geschäft ohnedies immer gut läuft. Das verstehe ich nicht. Wo sind hier Gerechtigkeit und Chancengleichheit?

Seinen Auftritt im ORF-Sommergespräch haben Sie verfolgt?

Hab' ich, ja. Er ist rhetorisch sicher nicht so stark wie Kern oder Strache, weshalb die Elefantenrunde mit Sicherheit interessant wird.

Die TV-Termine zur Nationalratswahl

Im Sommergespräch meinte er ja, er wolle 14 Milliarden einsparen und das Wirtschaftswachstum steigern. Dann müsste er aber auch die Sonntagsöffnung für alle in die Wege leiten.

Wie genau er die 14 Milliarden einsparen möchte, hat er natürlich nicht verraten, um potenzielle Wähler nicht zu vergraulen. Wer kommuniziert schon vor einer Wahl, dass er etwa bei den Pensionen einsparen wolle?

Mit welchem Wahlergebnis rechnen Sie?

Die ÖVP wird gewinnen. Ob die SPÖ oder die FPÖ an zweiter Stelle sein wird, lässt sich heute schwer sagen.

ÖVP und FPÖ oder SPÖ und FPÖ werden danach vermutlich koalieren, weil eine neuerliche Auflage einer großen Koalition schließe ich eher aus. Ein Modell, das bereits seit Jahrzehnten wegen interner Reibereien nicht richtig funktioniert, kann man nicht noch einmal aufleben lassen.

Die rot-blaue Koalition im Burgenland hingegen kommt ohne Streit aus, was von der Bevölkerung gutgeheißen wird.

Und was halten Sie vom Bundeskanzler als Wahlkämpfer?

Rhetorisch ist Christian Kern zweifellos ausgezeichnet. Mir verspricht er allerdings derzeit zu viele Dinge, die sich der Staat nicht leisten kann.

Das liegt wohl daran, dass die SPÖ in den Umfragen deutlich hinter der ÖVP liegt. Wenn man die Löhne und Gehälter weiter in die Höhe treibt, werden immer mehr Unternehmen ins Ausland abwandern, was wiederum eine höhere Arbeitslosigkeit zur Folge hat.

Viele meinen, Heinz-Christian Strache werde zwischen Kern und Kurz aufgerieben. Sehen Sie das ähnlich?

Aufgerieben wird er nicht. Ich glaube auch nicht, dass die FPÖ, die seit ewigen Zeiten bei Wahlen gewinnt (Stimmen hinzugewinnt, Anm. d. Red.), eine Niederlage einstecken wird.

Bedenken Sie, dass die Partei bei der letzten Nationalratswahl rund 20 Prozent der Stimmen eingeheimst hat. In den Umfragen liegen sie derzeit meines Wissens aber bei rund 24 Prozent.

Als Niederlage würde ich so ein Ergebnis nicht gerade bezeichnen, wenngleich die FPÖ in Umfragen lange Zeit auch bei über 30 Prozent lag.

Auch der Kampf um die hinteren Plätze verspricht viel Spannung. Geht’s hier um Existenzielles?

Die Grünen werden allein schon wegen Peter Pilz viel verlieren, es aber wohl ins Parlament schaffen. Bei den NEOS bin ich mir da nicht mehr so ganz sicher, deren Suppe wird vor dem Hintergrund des ÖVP-Aufwinds einigermaßen dünn werden.

Irmgard Griss, die ja für die NEOS antritt, hat seit der Bundespräsidentenwahl deutlich an Zugkraft verloren. Peter Pilz ist da schon aus einem anderen Holz geschnitzt und ungleich bekannter als zum Beispiel die Ulrike Lunacek, die hier mit Sicherheit noch einen Aufholbedarf hat.

Es wird jedenfalls interessant, wie viele Wähler der Pilz den Grünen und der SPÖ wegnehmen wird.

Verraten Sie uns, welcher Partei Sie im Oktober Ihre Stimme geben werden?

Das werde ich Ihnen nicht verraten, denn es gibt ein Wahlgeheimnis – und das wahre ich mit Leidenschaft.

Finale Frage: Was wünschen Sie sich für die Zukunft unseres Landes? Abgesehen von liberalen Öffnungszeiten natürlich…

Ich wünsche mir ein schuldenfreies Österreich. Und eine Regierung, die für Unternehmen Anreize liefert, damit sie investieren und Arbeitsplätze schaffen.

Immer wenn sich der Staat zu sehr einmischt, wird das nichts. Und hierzulande liegt einiges im Argen.

Wenn ich eine Jahreskreuzfahrt buche, bin ich jeden Tag in einem anderen Land, bekomme täglich fünfmal gut zu essen und werde obendrein freundlich und zuvorkommend behandelt.

Der Wahnsinn: Diese Jahreskreuzfahrt käme mir billiger als das Leben in einem Pensionistenheim. Da stimmt doch etwas nicht, oder?

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Richard Lugner (84) ist Österreichs bekanntester Baumeister. Dreimal versuchte er sich in der Politik: 1998 kandidierte der Wiener bei der Bundespräsidentenwahl. Bei der Nationalratswahl 1999 erhielt seine Partei "Die Unabhängigen" 1,02 Prozent der Stimmen. 2016 trat Lugner erneut bei der Bundespräsidentenwahl an - schaffte es jedoch nicht in die Stichwahl. Am 11. Oktober wird er 85 Jahre alt.