Natürlich Red Bull. Natürlich Jonatan Soriano. Die Bundesliga-Saison war irgendwie vorhersehbar. Auf der anderen Seite gab es aber auch Kurioses und Erheiterndes. Und die Austria als ewige Skandalnudel. Ein Rückblick.

Die Gewinner der Saison

Lange Zeit sah es danach aus, als könnte die Phalanx der Roten Bullen durchbrochen werden. RB hatte brutal am Champions-League-Aus gegen Malmö zu knabbern und fand sehr schwer in die Saison. Nach gut einem Drittel aber setzte sich die Qualität des Meisters eindrucksvoll durch und Salzburg war auf dem Weg zum sechsten Titel in den vergangenen neun Jahren nicht mehr aufzuhalten. Jonatan Soriano schwang sich dabei erneut zur schillernden Figur auf. Der Spanier ist der Spieler der Saison, sammelte 44 Scorerpunkte und wurde mit 31 Toren schon wieder Torschützenkönig.

Besonders bemerkenswert: Soriano hat alle Kritiker Lügen gestraft, die ihm als letztem verbliebenen der ehemals vier Musketiere (mit Mane, Alan und Kampl) einen veritablen Leistungseinbruch prophezeit hatten. Den musste sich leider der Wolfsberger AC eingestehen. Lange Zeit hielten die Kärntner im Titelrennen mit, wurden dann aber immer weiter durchgereicht und verpassten die Europa League. Trotzdem: Eine insgesamt starke Vorstellung der Wölfe. Robert Beric hat beim SK Rapid eingeschlagen. Der Slowene erzielte in seiner Premieren-Saison in Hütteldorf 27 Tore - fast dreimal so viel wie bei seinem Ex-Klub Graz. Auch dank Beric hat Rapid nach einem ziemlich missratenen Start (inklusive 1:6-Klatsche gegen Salzburg) die Vizemeisterschaft geholt. Bester Torhüter der Saison war Grödigs Cican Stankovic. Und natürlich war da noch die Sensationsmannschaft aus Altach. Der Dorfklub marschierte als Aufsteiger auf Platz drei und darf in der Europa League ran.

Die Verlierer der Saison

Bei Austria Wien sollte nach der enttäuschenden vergangenen Saison eigentlich alles besser werden, das verglühte Sternchen wieder grell am Himmel leuchten. Am Ende wurde alles nur noch schlimmer. Die Violetten spielten trotz Trainerwechsels bis zum Ende weit unter ihren Möglichkeiten, die einzige Konstante blieb die Selbstüberschätzung. Jetzt gibt es schon wieder einen neuen Trainer: Thorsten Fink soll den Meister von 2013 wiederbeleben. Der Deutsche, erst vor ein paar Tagen in Zypern entlassen, will den Titel in Angriff nehmen… Richard Windbichler flog als einziger Spieler gleich dreimal vom Platz (ein Mal Rot, zweimal Gelb-Rot) - aufgestellt war die Bestmarke bereits nach 16 Spieltagen. Danach hatte sich Admiras Verteidiger aber immerhin deutlich besser im Zaum.

Die Aufreger der Saison

Vor der Saison war das neue Sicherheitskonzept von Innenministerin Johanna Mikl-Leitner ein großes Thema. Letztlich hat sich die verstärkte Überwachung und die "Offensive gegen Gewalt, Rassismus und Wiederbetätigung" aber bewährt. Kurioses gab es in Wien zu bestaunen: Zum Rückrundenauftakt setzte es beim 3:0 zwischen Rapid und Ried drei Elfmeter und zwei Platzverweise - alles in der ersten Halbzeit.

Eine derartige Flut an Elfmetertoren ist in der Bundesliga neuer Rekord. Erst vor wenigen Tagen platzte in Ried die ganz große Bombe: Klub-Ikone Oliver Glasner gab seinen Wechsel zum Lokalrivalen LASK bekannt, ein Tiefschlag für die Wikinger. "Ich bin menschlich sehr enttäuscht und einfach nur geschockt", sagte Manager Stefan Reiter. Und auch die Austria hatte am Saisonende nochmal einen spektakulären Auftritt - allerdings eher unfreiwillig. Das schwertrunkene Maskottchen "Super Leo" schaffte es mit seinem Platzstürmchen in die News in aller Welt. Immerhin bewies die Austria in der etwas peinlichen Lage noch Humor: "Super Leo fehlt bis Saisonende wegen Kreislaufproblemen."

Der Aufsteiger und Absteiger

Der SV Mattersburg stand schon lange bereits als Aufsteiger fest, am letzten Spieltag der Ersten Liga holte sich das Team von Ivica Vastic auch die Meisterschaft. Die Bundesliga kann sich auf einen frechen Neuling freuen, der hauptsächlich österreichische Spieler im Kader hat und einen gepflegten Ball spielt. Und auf Karim Onisiwo und Markus Kuster, den Spieler und den Torhüter der Saison in der Ersten Liga. Den zehnten Startplatz im Oberhaus musste der SC Wiener Neustadt räumen. Nach sechs Jahren ist der Klub wieder zweitklassig. Wie es jetzt weitergeht, ist völlig offen. Im Kader und womöglich auch auf der Trainerposition wird es grundlegende Veränderungen geben. Der Vertrag mit Coach Helgi Kolvidsson läuft in diesen Tagen automatisch aus …

Das erwartet uns

Salzburg wird wohl erneut einige wichtige Spieler verlieren, darunter ganz sicher Marcel Sabitzer und Massimo Bruno, die zur Zweigstelle nach Leipzig abkommandiert werden. Ramalho geht nach Leverkusen. Immerhin hat Soriano den Bullen seine Treue geschworen. In der kommenden Saison wird Rapid am ehesten zuzutrauen sein, den Brause-Klub zu stoppen. Dafür benötigen die Hütteldorfer aber eine ausgeglichene Saison und - anders als zuletzt - einen vernünftigen Start. Rapid hat als einziger Klub das Potenzial, Red Bull wirklich gefährlich zu werden. Dafür muss Rapid aber fast schon hoffen, dass es der große Widersacher nun endlich auch mal in die Champions League schafft und die Liga dann vielleicht ein wenig vernachlässigt. Gespannt darf man sein, was Fink mit dem FK Austria reißt und wie Altach nach dem Rausch demnächst mit der Realität und der Doppelbelastung Europa League umgehen kann.