Den Spielern der SV Ried fehlt das Zeug zum Profitänzer, die Admira kämpft auf YouTube ebenso stark für den Klassenerhalt wie auf dem Feld und die Wiener Neustädter haben offenbar nur Appetit auf den Abstieg. In unserer Serie ziehen wir die etwas anderen und meist nicht ganz ernst gemeinten Lehren des jeweiligen Spieltags der Bundesliga.

Erkenntnis 1: Wiener Neustadt macht eine ungesunde Diät

Ostern ist zwar schon vorbei, das Punktefasten beim Abstiegskandidaten Wiener Neustadt geht jedoch weiter. Seit fünf Spieltagen gab es keinen einzigen Zähler mehr. Auch auf dem Torkonto der Niederösterreicher gibt es kaum noch Zuwachs: Gerade mal ein Treffer gelang in den letzten sechs Partien. Das einzige, was das Team von Helgi Kolvidsson in dieser Saison reichlich frisst, sind Gegentore. Zu den 62 aus den bisherigen 28 Spieltagen kamen in der Red-Bull-Arena gleich sechs Stück dazu – wobei Salzburgs Offensive das Potenzial gehabt hätte, dem SC noch mehr einzuschenken. Helgi Kolvidsson meinte zwar im Interview, dass sein Team versuchen müsse, die nötigen Punkte für den Bundesliga-Verbleib gegen andere zu Gegner holen. Wenn man sich jedoch den fehlenden Torhunger seiner Truppe ansieht, darf man bezweifeln, dass sie es schafft, ihre aktuelle Gewichts-, Verzeihung, ihre Spielklasse zu halten.

Erkenntnis 2: Die Admira kämpft analog und online

Die Admira will raus aus dem Tabellenkeller. Das stellte die Elf von Oliver Lederer nicht nur in der rührenden Fan-Ansprache #dranglauben auf YouTube klar, sondern auch am Feld gegen Altach: Die Südstädter holten mit ihrem couragierten Auftreten vor heimischem Publikum ein verdientes Remis gegen den Europacup-Anwärter. Das Team von Oliver Lederer schaffte es, ein unglückliches Gegentor knapp vor der Halbzeitpause wegzustecken und den Ausgleich zu erzielen. Selbst der zweite Gegentreffer, den die Südstädter beinahe postwendend kassierten, konnte ihren Siegeswillen nicht brechen. Am Ende reichte das eroberte Unentschieden zumindest aus, um die seit Wochen beanspruchte Nackenmuskulatur der Admira zu entlasten: Die Rote Laterne hat jetzt nämlich Wiener Neustadt umgehängt bekommen.

Erkenntnis 3: Gedächtnislücke als Hemmschuh der Austria

Die Wiener Austria hat auf dem Platz gegen den WAC alles richtig gemacht. Das Team von Neu-Coach Andi Ogris war die bessere Mannschaft, hatte viele Großchancen und deutlich mehr Spielanteile. Was dem Sieg im Weg stand, war einzig das Gedächtnis einiger Spieler. Sie konnten sich einfach nicht an den letzten Sieg gegen die Elf von Didi Kühbauer erinnern. Manche der im letzten Sommer geholten Spieler wussten nicht einmal, ob es jemals einen Austria-Sieg gegen die Kärntner gegeben hatte. Kein Wunder – gingen doch alle Begegnungen mit den Kärntnern in der laufenden Saison verloren.

Dementsprechend unsicher schien sich die Mannschaft zu sein, ob es ihr überhaupt erlaubt wäre, gegen den WAC zu gewinnen. Das war womöglich der Grund, weshalb Defensiv-Mann Mario Leitgeb den Gästen das 1:0 auflegte. Er konnte wohl einfach nicht glauben, dass die Austria nach 30 Minuten immer noch nicht im Rückstand war. Nicht bekannt ist, ob Andi Ogris seiner Mannschaft in der Halbzeitpause eine VHS-Kassette vom letzten Austria-Triumph über die Kärntner gezeigt hat. Was auch immer in der Kabine geschah: Es gab dem Team die Sicherheit, Tore gegen den WAC schießen zu dürfen, zurück. Zumindest eines ist der Austria dann auch gelungen.

Erkenntnis 4: Die Ried-Spieler sollten dringend ein paar Tanzstunden nehmen

Kurz vor dem Anpfiff des ersten Spiels der 29. Bundesliga-Runde versprach der Stadionsprecher der SV Ried mehrfach, dass Rapid "ein heißer Tanz um die drei Punkte" erwarte. Geworden ist es jedoch eine Darbietung, die so viel Sex-Appeal hatte wie ein "Dancing Stars"-Auftritt von Edi Finger Junior. Zum Start des Spiels übernahm die Mannschaft der SV Josko Ried zwar die Führungsrolle auf dem Rasenparkett, gab diese jedoch bereits nach wenigen Minuten aus der Hand. Es folgten zwanzig Minuten Lambada – sprich viele Zweikämpfe im Mittelfeld ohne großen Raumgewinn.

Etwas Schwung in die Partie brachte dann Rapids Flügel-Tango gegen Ende der ersten Halbzeit: Mit einem temporeichen Vorstoß über die rechte Seite provozierte Rapids Philipp Schobesberger in der 36. Spielminute ein paar Schrittfehler der Hausherren-Defensive, welche zum 0:1 führten. Zu Beginn der zweiten Hälfte versuchte Ried zwar, die Kontrolle über das Spiel zurückzugewinnen. Rapid ließ der schwerfällig wirkenden Heimmannschaft jedoch keine Chance, sich auszuzeichnen. Am Schluss blieb es beim für die 6.500-Mann-Jury enttäuschenden 0:1.