Neun Jahre ist es her, als Rapid das letzte Mal den Meisterschaftsteller in die Höhe stemmen durfte. In dieser Saison wollen die Wiener durchstarten und Serienmeister Red Bull Salzburg den Titel abluchsen. Gleichzeitig wollen die Grün-Weißen in der Europa League gut wie möglich bestehen - ein neuer Trainer und Rekord-Transfers sollen dabei helfen. Doch kann das aufgehen?

Mike Büskens steht für Disziplin - und die Erwartungen an den neuen Rapid-Trainer sind hoch. Grün-Weiß will zurück auf die Erfolgsspur - die sogenannten Niederlagen gegen die "Kleinen" hatten dem Team vergangene Saison eine enorme Anzahl an wichtigen Punkten gekostet. Die Leistung am Platz muss variantenreicher werden, die Mannschaft darf keinen Punkte mehr verschenken. Elf Niederlagen wie in der Saison 2015/16 sind für den Wiener Traditionsverein eindeutig zu viel.

Systematisch wird Rapid wohl auf ein 4-3-3 zurückgreifen, das sich je nach Spielverlauf zu einem 4-2-3-1 ausformen kann. Auch ein 4-4-2 scheint gegen stärkere oder extrem tiefstehende Gegner denkbar, wenn es unter anderem darum geht, die Mitte zuzustellen oder dort Überzahlsituationen zu schaffen.

Effektivität als Credo

Diese neue Flexibilität darf nicht mit einer idealistischen Wunschvorstellung verwechselt werden, dass Rapid alle seine Gegner in Grund und Boden spielen wird. Vor allem als Gastmannschaft müssen die Hütteldorfer effektiver werden. Es muss nicht gleich der Begriff "dreckiger Sieg" ausgepackt werden, aber eine konstantere Defensivleistung im tristen Bundesliga-Alltag wird wohl der Schlüssel sein, um an Red Bull Salzburg dranzubleiben.

Investitionen auf Rekordwert

Durch eine kluge Transferpolitik mit Verstärkungen im Offensivspiel, wie dem isländischen EM-Torschützen Arnor Ingvi Traustason und Spielgestalter Ivan Mocinic, hat Rapid für die vakanten Positionen (Abgänge von Stefan Kainz und Stephan Stangl) einiges an Geld in die Hand genommen (jeweils knapp zwei Millionen Euro Transfersummen, die mit Bonuszahlungen weiter steigen können). Zusätzlich hat man mit Joelinton von Hoffenheim einen Mittelstürmer für 600.000 Euro (mit Kaufoption) nach Wien gelotst. Für den verletzten Matej Jelic soll zudem noch ein Torjäger kommen, was die Investitionen insgesamt auf einen Rekordwert von über sechs Millionen Euro heben könnten.

Mit den altbekannten Stefan Schwab, Srdjan Grahovac, Louis Schaub, Philipp Schobesberger, Thomas Murg und Steffen Hofmann besitzt Rapid nun also ein derart breites Mittelfeld, das für alle drei Bewerbe - Cup, Europa League und Meisterschaft - von Nöten ist.

Auch die Innenverteidigung spricht dafür, dass Rapid den "Bullen" zumindest bis zum Ende der Meisterschaft im Nacken sitzt. Der ablösefreie Christoph Schösswendter von Admira Wacker und Christopher Dibon gelten als solide und haben mit dem 22 Jahre alten Maximilian Hofmann einen weiteren starken Mann im Team. Für Mario Sonnleitner wird es wohl nur zu sporadischen Einsätzen reichen.

Problemstelle Außenverteidigung

Probleme könnte Rapid allerdings bekommen, falls einer oder beide Außenverteidiger langfristig ausfallen. Für Thomas Schrammel und Mario Pavelic steht nach dem Abgang von Stephan Stangl zu Red Bull Salzburg bloß Stephan Auer als richtiger Ersatz zur Verfügung.

Falls Rapid allerdings verletzungsfrei bleibt und den erhofften Einzug in die Europa-League-Gruppenphase schafft, so wird es auf die Lernfähigkeit von Mike Büskens ankommen, wie er Rapids vermeintlicher Achillesferse im Kampf um die Schale – Niederlagen gegen die "Kleinen" – begegnen kann, um an dem Titelfavoriten aus Salzburg dranzubleiben. Wie letzte Saison gezeigt hat, hat auch eine Schwächephase der Bullen zu Anfang der Meisterschaft Rapid nichts genutzt. Insbesondere nach den Europacup-Auftritten ließen die Hütteldorfer jegliche Konstanz vermissen und mussten bittere Niederlagen einstecken.

Heuer verfügen die Grün-Weißen, bis auf die defensiven Außenspieler, über einen ausgewogenen und spielstarken Kader. Die Chance der Hütteldorfer auf den langersehnten 33. Titel der Vereinsgeschichte sind durchaus gegeben. Allerdings hat das 0:1 gegen Altach alte Schwächen aufgezeigt, die rasch abgestellt gehören, will man im Rennen um den Meisterteller bestehen. Büskens und Mannschaft müssen Lösungen finden, um genau in solchen Spielen, wo die Gegner tief stehen, als Sieger vom Platz zu gehen.