Jürgen Klinsmann hat sich ein einem Interview zum umstrittenen Erdogan-Treffen von Mesut Özil und Ilkay Gündogan geäußert. Zudem verrät der Ex-Bundestrainer, wie es damals zur Torwart-Entscheidung gegen Oliver Kahn kam.

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In einem Interview mit der Wochenzeitung "Die Zeit" äußerte sich der frühere Nationalcoach Jürgen Klinsmann unter anderem zu dem scharf kritisierten Treffen von Mesut Özil und Ilkay Gündogan mit dem türkischen Staatspräsidenten Recep Tayyip Erdogan.

Größerer "Toleranzspielraum" bei Özil und Gündogan

Klinsmanns Ansicht nach stand die WM-Nominierung der beiden deutschen Nationalspieler trotz der umstrittenen Szene nie infrage. Bei "Leistungsträgern" wie Özil und Gündogan gebe es "sicherlich einen größeren Toleranzspielraum", sagte Klinsmann.

Grundsätzlich könne eine solche Aktion allerdings durchaus den Ausschlag bei der Kadernominierung geben. "Das gilt aber nur für sogenannte Grenzspieler, bei denen die Nominierung ohnehin auf der Kippe steht."

Die Äußerung von Sandro Wagner sieht der frühere Nationaltrainer dagegen eher locker. "Das darf bei der Entscheidung keine Rolle spielen", sagte Klinsmann. Wagner hatte vor Löws Ankündigung fest mit einer Nominierung für die WM in Russland gerechnet und Löws negative Entscheidung als "Wahnsinn" bezeichnet.

Wagners Reaktion, nach seiner Nichtnominierung umgehend pampig den Rücktritt zu erklären, sei allerdings inakzeptabel gewesen, ergänzt Klinsmann. Das "ging gar nicht".

Die Sache damals mit Oliver Kahn

Bei der WM 2006 machte der damalige Nationaltrainer Jens Lehmann zum Stammtorhüter der DFB-Elf. Die Entscheidung, Oliver Kahn zu degradieren, sei ihm "extrem schwergefallen", sagte Jürgen Klinsmann.

Er habe sich mit seinem Trainerteam und Torwart-Coach Andreas Köpke damals nächtelang die Köpfe heißgeredet, ehe die Entscheidung gefallen sei. Anders als damals in der Öffentlichkeit dargestellt, sei es bis zuletzt eine 50:50-Situation zwischen Kahn und Lehmann gewesen.

Kahn habe damals eher die traditionelle Spielform verkörpert, Lehmann hingegen "eher die damals noch neue Philosophie, bei der sich der Torhüter mehr ins Spiel einschaltet". Das habe für die WM 2006 letztlich den Ausschlag gegeben, erklärte Klinsmann.

Seine größte Sorge sei gewesen, "dass Oliver hinschmeißt. Wir wussten nicht, wie er reagiert". Letztendlich sei Klinsmanns Hochachtung vor Kahn gestiegen, nachdem er dem damaligen Bayern-Keeper die Entscheidung mitgeteilt hatte. "Er war wie vor den Kopf gestoßen, hat es aber ruhig und sehr respektvoll aufgenommen."

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(jwo / dpa)

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