• Oliver Bierhoff hat sich in einem Interview zur anhaltenden Diskussion um die deutsche Nationalmannschaft geäußert.
  • Der DFB-Direktor kann sogar der Kritik nach der desaströsen 0:6-Niederlage gegen Spanien etwas Positives abgewinnen.
  • Eine Abgehobenheit des Fußballs sieht Bierhoff nicht.

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DFB-Direktor Oliver Bierhoff hat den deutschen Profi-Fußall im Allgemeinen und die Nationalspieler im Besonderen vor dem Fan-Vorwurf der Abgehobenheit in Schutz genommen

"Auf der einen Seite gibt es im Leben weitaus wichtigere Dinge als den Fußball, und wir müssen uns hinten anstellen", sagte Bierhoff der RTL/ntv-Redaktion. "Auf der anderen Seite finde ich es gut, wenn eine Branche, ein Geschäftszweig alles in die Waagschale wirft, den Behörden auch anbietet, damit sein Betrieb wieder läuft - und das macht der Fußball."

Er glaube, dass es viel am Ende von den Ergebnissen abhänge: "Wenn Bayern München die Champions League gewinnt und alle feiern, ist es gar kein Thema, wie viel die Spieler verdienen."

Bierhoff freute sich über Diskussion nach 0:6-Niederlage

Dass sich die deutsche Nationalmannschaft anhaltender Kritik ausgesetzt sieht, liege laut Bierhoff natürlich auch an der Leistung des Teams, "obwohl diese jungen Spieler unglaublich engagiert rangehen".

Dennoch kann er sogar der desaströsen 0:6-Niederlage gegen Spanien etwas Positives abgewinnen. "Das war natürlich eine sehr hitzige, emotionale Diskussion danach, die mich auf der einen Seite ein bisschen gefreut hat, weil sie gezeigt hat, wie viel die Nationalmannschaft den Menschen noch bedeutet", erklärte der 52-Jährige, "aber wir müssen aufpassen, dass das keinen längeren negativen Effekt auf uns hat."

Um Bundestrainer Jogi Löw macht sich Bierhoff hinsichtlich eines Nachwirkens der vielen Kritik jedoch keine Sorgen. "Dafür sind wir zu lange in diesem Geschäft, sodass wir wissen, wie das geht", glaubt Bierhoff. "Schauen wir Jürgen Klopp an, der hat vier Jahre eine Erfolgsgeschichte geschrieben und wird jetzt durch den Kakao gezogen, das weißt du, wenn du in so einer Rolle bist, dass du heftigen Widerstand bekommst."

Allerdings räumt der DFB-Direktor auch ein, dass er einen Rücktritt von Löw durchaus verstanden hätte.

Bierhoff geht vom Stattfinden der EM aus

Der hatte sich jedoch im Dezember ganz klar gegen ein Aufhören entschieden und will die deutsche Nationalmannschaft nun erfolgreich durch die Europameisterschaft führen. Dass diese angesichts der weiterhin wütenden Corona-Pandemie stattfinden kann, davon geht Bierhoff derzeit aus: "Wir wären sechs bis sieben Wochen in einer Blase. Ich glaube, das wäre relativ sicher, aber man weiß natürlich nicht wie die aktuelle Situation im Juni ist."

Er habe gehört, dass die UEFA zurzeit noch mit zwölf Stadien plane, "es scheint, dass acht Stadien Minimum sein müssen, damit man es auch terminlich und platz-technisch umsetzen kann." Der DFB plane nun entsprechen, wisse aber auch, "dass sich das jederzeit wieder ändern kann". (ska/dpa)

Joachim Löw, Bundestrainer, Deutschland, England, Achtelfinale, Wembley, EM
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